28. März 2004

[ Business Weblogs , Knowledgework und PIM , Management ]

"Every Signal Starts Out As Noise"

In einer Diskussion über Weblogs als Frühwarnungssysteme auf dem BlogWalk meinte Ton Ziljstra an einer Stelle: "Every signal starts out as noise". Das klang ziemlich cool und ich hatte so eine Ahnung, dass das "sehr wahr" sein könnte. Ton konnte selber nicht ganz genau erklären, was er damit meinte. Jetzt hat er darüber nachgedacht und es aufgeschrieben:

Er setzt auf Dave Snowdens Modell der vier unterschiedlichen "Realms" von Information auf: Es gibt das "Gewusste", das "Wissbare", das Komplexe und das Chaotische.

Beim Gewussten können wir Kausalität vorhersagen und wissen genau, was wichtig und was unwichtig ist. Im Komplexen ist das nicht so: Jede Information ist erstmal gleichberechtigt. Erst wenn mehrere Informationen vorhanden sind, können Muster erkannt und kann entschieden werden, was nun wichtig und was unwichtig ist.

Ton meint, dass Knowledge Work bedeutet, dass wir mehr und mehr Aktivitäten vom Gewussten zum Wissbaren (Wissenschaft!)zum Komplexen hin verschieben.

Knowledge Work Is Making Sense Out of Noise Knowledge work, in my view, increasingly means shifting your activities from the known (routine practice) and the knowable (the classic approach of science), to the complex, where you have to choose your course of action by judging as much data as possible on the basis of experience, skills and attitude.
Das bedeutet, dass Knowledge Worker so viel Information wie möglich benötigen, um so viele Handlungsmöglichkeiten wie möglich zu haben:
Knowledge workers, ergo, need to be exposed to as much background noise as possible, to open up as much opportunities to respond as possible.
Wie kommt man jetzt mit der Informationüberflutung klar? Ton meint: "There is no such thing as information overload. It does not exist." Wie kommt's? Er meint: Information Overload basiert auf drei falschen Annahmen:
  • Jede verfügbare Information sollte genau untersucht werden
  • Jede Information sollte internalisiert werden
  • Jede Information sollte zu einer Handlung führen
Diese Annahmen machen in Kausalsystemen und dort, wo Information rar ist, sehr viel Sinn. Sie basieren auf drei Ängsten:
  • Der Angst, etwas zu verpassen
  • Der Angst, etwas Wichtiges zu vergessen
  • Der Angst, eine große Gelegenheit zu verpassen.
Was man damit jetzt in komplexen Umfeld macht und was Weblogs damit zu tun haben könnt Ihr weiter bei Ton nachlesen. ;-)

Was mir besonders gut gefallen hat:

It's about the few actions you do take, not all the actions you could have.

Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um das zu lernen. Weblogs schienen das Problem erst noch schlimmer zu machen. Erst später hat sich das umgedreht.

[Nachtrag] Vgl. auch Das E-Business Weblog: Richard Potter auf der KM Europe (21.11.2002)

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Ich denke auch, dass das Problem nicht die Menge an verfügbaren Informationen selbst ist. Die Schwierigkeit liegt eben darin, dass wir eine neue Art des Umgangs mit solchen Informationen lernen müssen. In dem Moment, in dem der Umfang des verfügbaren Wissens um ein Vielfaches den des verarbeitbaren Wissens übersteigt, wird die Fähigkeit zur sinnvollen Selektion wichtiger als die Gedächtnisleistung. Um selektieren zu können, braucht man aber ein hohes Urteils- und Abstraktionsvermögen und in jedem Fall auch ein solides Grundwissen, das sich nicht nur auf eine Disziplin erstreckt. Aber haben wir diese Voraussetzungen im ausreichenden Maß? Oder wird es noch ein paar Generationen brauchen, bis wir soweit sind?

Stefanie Schulte am 30.03.04 10:13 #
 

Informationsverarbeitung findet beim Menschen immer im
Unterbewussten statt. Denn das Verhältnis von bewusstem Wissen
und Unbewusstem ist erheblich. Im Denkmodell von Vera F.
Birkenbihl entspricht das bewusste Wissen etwa 15 mm (Millimeter)
und das unbewusste etwa 11 km (Kilometer).

Informationen, die auf uns tagtäglich bewusst oder unbewusst
hereinstürzen können gar nicht komplett erfasst werden, sondern
können immer nur zu vorhandenem Wissen angefügt werden. Das
Wissensnetz, das wir aufbauen, braucht Faden, an die das neue
Wissen (bzw. die Information) angeknüpft werden kann. Falls das
nicht der Fall ist, dann verschwindet die Information wohl
einfach im Nirwana.

Also kein Sorge, unsere Gedächtnis Leistung ist viel größer als
wir annehmen und bewusst wahrnehmen.

Es ist vielmehr die Frage, ob es nützlich ist, immer nur das
aufzunehmen, weil wir schon Fäden in unserem Wissensnetz haben,
wo wir anknüpfen können.

Spannend wir es doch erst, wenn wir Unvereinbares oder Neues und
Undenkbares miteinander verknüpfen. Stichwort ist hierbei
die Bi-soziation von Köstler, im Gegensatz zur Assoziation, die
mit vorhandenem Wissen in unserem Gehirn abläuft.

Also viel Spass beim Aufnehmen von Informationen. Geeignete
Filter haben wir Menschen genügend.

Siegfried Hirsch am 06.04.04 18:02 #