23. März 2004

[ Blogosphere ]

Die Welt ist gut

Ich bin gestern Abend gefragt worden, ob mir schon einmal etwas wirklich Schlechtes beim Bloggen passiert ist. Ich musste etwas nachdenken. Nein - etwas wirklich Schlechtes ist mir noch nicht passiert.

Ich habe mal ein paar merkwürdige Anrufe bekommen, von Leuten, die sich nicht identifiziert haben. Und manche Leute, die ich im Weblog kritisiert habe, haben danach in E-Mails nicht gerade nett reagiert. Der Streit mit den Kommentarspammern macht im Moment nicht wirklich Freude. (Nein, mir gefällt das auch nicht. Aber irgendwer muss es machen.) Aber ansonsten - nein.

Ein paar Feiglinge gibt es, die gelegentlich anonym persönliche Beleidigungen loswerden wollen. Ich weiß da nie so richtig, ob ich lachen oder weinen soll. Im Grunde macht mich sowas traurig. Leute: Wenn ich Euch was getan habe und Ihr sauer auf mich seid, dann kommt raus und streitet Euch mit mir! Aber über Proxies anonym und mit falscher Emailadresse zu kommentieren ist sowas von blöd, dass ich mich schon über den Aufwand, auf den "Delete"-Button zu drücken, ärgere. (Ich frag mich immer, ob Ihr die seid, die die Penispillenverkäufer meinen.) Mit Kindern wie Euch spielt keiner. Wenn Ihr mit Schlamm nach mir werfen wollt, dann gerne - aber ich will Euch ins Gesicht sehen. (Und mich wegducken. Das Leben ist zu kurz für Schlammschlachten.)

Ich habe über mein Weblog mit vielen Tausend guten, liebenswürdigen Menschen kommuniziert. Aber ein ganz paar wenige können einem den Spaß daran sehr verleiden. Ich kann damit leben, wie gesagt, auch wenn es mich traurig macht. Aber ich sorge mich um neue Leute, die in die Blogosphere kommen. Ich will nicht, dass sie Angst haben. Ich will nicht, dass sie von irgendwelchen anonymen Idioten angegangen werden. Wie irrational und blödsinnig die Beleidigungen auch immer sind: Sie treffen und sie tun weh. Ich will das nicht. Kriegt Euch wieder ein, hackt eine Runde Holz und schreit laut "Martin Röll ist ein Idiot" in den Wald, wenn Euch das hilft. Aber lasst mich und lasst vor allem die anderen in Ruhe.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Aber ich sorge mich um neue Leute, die in die Blogosphere kommen.

Was an dieser Stelle nochmals lobenswert unterstrichen werden sollte.
Es gibt unmengen A-List Blogger die auf Mails von Nicht-A-List Bloggern nicht reagieren.

Herr Röll antwortet immer, entschuldigt sich sogar wenn er mal ein paar Tage nicht dazu kommt und erst 5 Tage später reagiert.

Das fand ich von Anfang an sehr faszinierend.

Lob!

amano.ncr am 23.03.04 16:32 #
 

>Es gibt unmengen A-List Blogger die auf Mails von Nicht-A-List Bloggern nicht reagieren.

echt? tststs *kopfschüttel*

Naja ich meine Beleidigungen und Flames sind schon ne dumme Sache und ich kann mich da emotional auch nicht so gut von distanzieren, aber auch mich nervt es dann am meisten, wenn Anonymitit dahinter steht. Ich möchte zumindest die virtuelle Identität desjenigen kennen, der mich da beleidigt. Alles andere ist auch ziemlich armselig....

Moe am 23.03.04 16:59 #
 

Wie definiert man A-List Blogger?
Rein Quantitativ (Zugriffszahlen), Qualitativ (wird von wichtigen Leuten gelesen, ist selber populär, usw.)

Thomas am 23.03.04 19:48 #
 

Beleidigungen an sich sind im virtuellen Raum doch nicht alleine ein Problem von Blogs. Schaut man sich ein ein paar größeren Foren rum, haben die Betreiber immer Probleme für die Einhaltung der Etikette zu sorgen. Das einige Leute denken in der Anonymität des Internets tun und lassen zu können was sie wollen ist leider sehr weit verbreitet. Wie oft wird das Kontaktformular meiner Webseite missbraucht um mich zuzuspammen oder einfach ohne Grund zu beleidigen.

Dominik am 23.03.04 23:11 #
 

Beleidigungen in Blogs haben aber eine andere Qualität: Wenn dich in einem Forum jemand angeht, kannst du das leicht ignorieren. Wenn aber jemand in deinem Blog sitzt und dich dann anonym attackiert, fühlt sich das anders an.

Martin Roell am 24.03.04 09:34 #
 

Im Forum habe ich weniger Macht, die Beleidigung zu beseitigen. Auch diese kleinen Psychospiele, in die man gelegentlich gerät, wenn man in einer Diskussion ist. Das nicht "stehen lassen" wollen oder "können" und sich dann daran aufhängen, das es dort öffentlich steht und einfach nur nervt. Im Weblog kann ich so etwas löschen und erläutern warum es nun weg ist. Im Forum muss die Schwelle höher sein und man ist auf den Goodwill des Moderators oder Betreibers angewiesen.

Im Übrigen hatte ich schon Besuch von einen Rocker, der sich über einen Beitrag beschwerte. Eine zufällig anwesende Bekannte bekam richtig Angst und zückte für alle Fälle ihr Handy mit Notfalltaste. Ich wußte, dass er gefährlicher aussah, als er tatsächlich ist. Der Anlaß selbst ist nach meinem Empfinden bis heute ein wirklich nichtiger gewesen.

Es zeigte aber, dass der "Psychokram", die eigenen Unzulänglichkeiten, Komplexe und ungezügelte Temparamente durchaus zu Problemen führen kann, einmal ganz davon abgesehen, dass je nach Inhalt der Blogs Frauen und Eltern (Stalker) in einer besonderen Rolle sein können.

Aber nach über 900 Tagen bloggen würde ich sagen, ist ein Weblog führen nicht gefährlicher als vor die Haustür gehen. :o) *klopf_auf_holz*

Silke Schümann am 24.03.04 18:28 #
 

@Thomas: Ohne die Diskussion jetzt aufrollen zu wollen, würde ich sagen dass A-List in der Tat kein guter Begriff ist, wenn überhaupt aber eher quantitativ zu sehen ist und dann eben die Top X Prozent entweder nach Zugriffen oder Verlinkungsgrad darstellt. Weiteres dazu kann ins WeblogLexikon geschrieben werden: A-List-Blogger.

Moe am 24.03.04 22:46 #
 

Setzt die sprachliche Diskussion zur Definition der "A-List" hier bitte nicht fort.

Martin Roell am 25.03.04 00:36 #
 

@Thomas: Das was er geschrieben hat meinte ich.
Mit qualität hat das nix zu tun, gibt genug unbekannte Hobbyentwickler die interessantere Konzepte presentieren als so mancher Informatik Prof. mit hoch frequentiertem Blog. Dennoch sind die hoch frequentierten Blogs IMHO die A-List Blogs. Das ist nicht zu sehen wie ein Sternchenaufkleber im Hausaufgaben Heft sondern eher wie ein "Ihr Sohn steht sehr oft im Mittelpunkt" Hinweis eines Lehrers beim Elternsprechtag.

;)

amano.ncr am 25.03.04 11:21 #