12. März 2004

[ Weblogs und Politik ]

Warum das SPD Newslog kein Weblog ist

"Die SPD bloggt!" heißt es jetzt an vielen Stellen. Gemeint ist das
SPD Newslog. Es stimmt aber nicht: Die SPD bloggt nicht. Sie verwendet ein Movabletype-System um Pressemitteilungen zu publizieren. Das ist etwas völlig anderes.

Warum ist das Newslog kein Weblog, obwohl es auf einem Weblogsystem basiert?

  • Weil es unpersönlich ist.
  • Weil es nicht linkt
  • Weil keine Interaktion möglich ist

Haken wir den dritten Punkt ganz schnell ab: Angeblich soll eine Kommentarfunktion kommen, damit wäre das Problem schonmal gelöst. Damit sind wir aber noch nicht viel weiter:

"Wieczorek-Zeul: Afghanistanhilfe entzieht dem Terror den Boden"
"EU-Abgeordnete: CDU/CSU fällt Gemeinden in den Rücken"
"Schröder und Balkenende werben für EU-Verfassung noch in diesem Jahr"

Klingt das nach einem Weblog? Für mich nicht. Weblogs klingen nach Menschen. Diese Titel klingen nach PR und nach "Redaktion". Und die Artikel lesen sich entsprechend:

Bundeskanzler Gerhard Schröder empfing am 11. März den niederländischen Ministerpräsidenten Jan Peter Balkenende zu Konsultationen im Kanzleramt in Berlin. (...) Daher standen primär europapolitische Themen auf der Agenda. Bundeskanzler Schröder äußerte sich nach den Gesprächen mit Balkenende positiv hinsichtlich einer Verabschiedung der EU-Verfassung noch in diesem Jahr. Dabei betonte der Bundeskanzler (...)

Ich wundere mich ein wenig darüber, dass sich da Leute Kommentare und TrackBacks wünschen: Lädt das wirklich zu Diskussion ein?

Mit wem sollte man auch diskutieren? Mit der PR-Stelle? Mit der Redaktion Europakampa, die alle Artikel verfasst und unterzeichnet? Es ist überhaupt nicht klar, mit wem man dort eigentlich redet. Keine Menschen. Nichtmal Politiker. Nur eine anonyme Redaktion.

Weblogs sind dann interessant, wenn sie menschlich sind. Wenn man den Autor hinter den Zeilen sehen und mit ihm in Kommunikation treten kann. Politische Weblogs sind dann interessant, wenn sie argumentieren, wenn sie streiten, wenn sie zeigen, was die Partei oder der Politiker wirklich will.

Pressemitteilungen im ATOM-Feed sind auch nett. Aber sie verändern die Welt nicht. Und auch keine Wahlergebnisse. Da ist es kein Wunder, dass sich selbst andere SPD-Mitglieder über das Newslog aufregen. So ist das einfach nur eine weitere Website, die mehr oder weniger belang- und wirkungslos ist. Wenn die SPD mit dem Newslog ein richtiges Weblog bekommen will, eins, eine Rolle im Wahlkampf spielt, eins, das wichtig ist und Wähler gewinnt, muss sie noch viel ändern.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Wer wissen will, warum die SPD noch nicht richtig blogt und was fehlt, lese bei Martin Röll weiterDas E-Business Weblog: Warum das SPD Newslog kein Weblog istWeil es unpersönlich ist. Weil es nicht linkt Weil keine Interaktion möglich ist...

Metablocker: Warum das SPD Newslog kein richtiges Weblog ist (12.03.04 18:00)

Wir hatten hier auch schon verwundert über das SPD-Newslog berichtet. Die Frage, die jetzt an einigen Stellen gestellt wird: Ist die SPD blogtauglich? Ist das Medium Weblog überhaupt geeignet für eine Massenorganisation? Oder können nur kleinere Einhei...

SPD-Horn: Ist die SPD blogtauglich? (12.03.04 18:49)

Im Moment eines der Topthemen im Bloggerland: Das SPD Newslog. Martin Röll berichtet zum Beispiel folgendes: "Warum das SPD Newslog kein Weblog ist - Warum ist das Newslog kein Weblog, obwohl es auf einem Weblogsystem basiert? Weil es unpersönlich ist....

sinus(@) - Szientometrie definiert Van Raan: Kein richtiges Weblog (13.03.04 23:20)

Im Zuge meiner Recherchen stiess ich auf folgende interessante Aspekte: Martin Roell schreibt in einem Beitrag: Ein Blog ist: Persönlich (persönliche Meinung) Verlinkend (Bezug Nehmend) Interaktiv (Reaktiv) Und über all dem: "Weblogs sind dann interess...

WMF_Blog: Was unterscheidet Blogging von anderen Publikationskanälen? (14.03.04 11:33)

Das SPD-Newslog erlaubt jetzt Kommentare und Trackbacks.

Wortfeld: Ein Rückkanal ins SPD-Blog (17.03.04 23:21)

 

Bedauerlicherweise werden in diesem Fall ehrbare Blog-Technologie und -Prinzipien für - aus meiner Sicht dreiste - Politpropagande "benutzt". PR-technisch sicherlich clever, inhaltlich jedoch vollkommen unpassend. Die Zielsetzung ist für mich klar: die Strategen aus dem SPD-Wahlkampflager schielen zielstrebig nach guten Rankings in den Suchmaschinen, speziell Google; man hat ja schliesslich vom letzten kalifornischen Wahlkampf gelernt...hierzu gibt es einen Artikel (mit Verweis hierher).

Kai Thomsen am 15.04.04 19:15 #
 

Gemach, gemach... Selbst wenn nur das das Ziel ist: Lass sie doch.

Martin Roell am 15.04.04 19:57 #
 

Ein Jahr ist seit dieser Diskussion vergangen und - wie es scheint - hat die SPD das Wesen des Blogs verstanden. Offenheit! Ein NRWSPD-Blogger hat zu einer 20six-Bloggerin gelinkt, die recht freizügige Texte verbreitete. Ab dem 13.März hat sich dann eine recht amüsante Diskussion entwickelt, wie offen Politblogs denn nun eigentlich sein dürfen.

Sebastian Ziegler am 14.03.05 21:37 #
 

Ein paar Links wären interessant. Das SPD-Newslog ist übrigens tot. (Und die Diskussion auf die Sie hier linken, ist auch schon ein Dreivierteljahr alt.)

Martin Röll am 15.03.05 01:37 #