10. März 2004

[ Diverses ]

"Sehr geehrte Damen und Herren..."

Ich habe heute morgen wieder eine Bewerbung abgelehnt. Für die Entscheidung habe ich ungefähr eine Viertelsekunde gebraucht. Die Bewerbung begann mit "Sehr geehrte Damen und Herren".

Liebe zukünftige Bewerber: Ich bin nur einer. Und wenn ihr auch nur drei Sekunden lang recherchieren würdet, könntet Ihr das auch rauskriegen. Das spricht nicht für Euch, wenn Ihr schon in der Bewerbung voll an den Anforderungen des Kunden (mir) vorbeientwickelt! - einfach weil Ihr nicht fragt oder recherchiert.

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[Oberhalb dieses Kommentars stand noch ein Kommentar eines Lesers, der fragte: "Ach, kann man denn bei Martin Röll anheuern?", den ich aus Versehen gelöscht habe. Pardon.]

Man kann es versuchen. ;) Nee, im Ernst: Ich suche im Moment niemanden. Das ist ein schönes Ein-Mann-Unternehmen mit verlässlichen Partnern und guten freien Mitarbeitern. (Das wäre zum Beispiel auch etwas gewesen, das ich zuerst rausgefunden hätte, wenn ich mich wo bewerben wollte.)

Martin Röll am 10.03.04 12:24 #
 

Habe vorgestern ebenfalls eine Bewerbung erhalten: "Sehr geehrte Damen und Herren, suche Praktikumsplatz in Berlin..."

Das ist ähnlich "gut" rechechiert wie bei Deinem Fall: Auch ich bin nur einer - aber es kommt noch schlimmer: Mein Standort Baden-Baden liegt allenfalls im Register des großen Shell-Atlas nahe bei Berlin. Auf der Straße ist er 650 km entfernt.

Habe auch nur gedacht: "Au Backe..."

Christian Rothe am 10.03.04 13:38 #
 

Ich selbst befinde mich aktuell im Bewerbungsprozess. Aus Erfahrung kann ich allerdings sagen, dass es nur in seltenen Fällen möglich ist, den richtigen Ansprechpartner herauszufinden. Bei Stellenanzeigen von größeren Firmen, ist in der Regel nur der Kontaktname der Sekretärin angegeben. Selbst bei telefonischen Nachfragen ist es oftmals schwer den richtigen Ansprechpartner herauszufinden.

Bewerben ist kein einfacher Job :)

Dominik Meyer am 21.03.04 11:28 #
 

Hallo,
bei den meisten größeren Firmen ist der richtige Ansprechpartner überhaupt nicht erreichbar. Ich habe es sehr oft erlebt, dass bei jedem Anruf (wochenlang)der im Stellenangebot erwähnte Ansprechpartner immer "im Meeting" oder "in Urlaub" ist.
Es ist in solchen Fällen ziemlich klar, dass die Personalabteilung auf gar keinen Fall persönlichen Kontakt mit Bewerbern haben will. Und das, wenn man schon ein paar Stunden in eine Bewerbung investiert hat...
Wenn ein Bewerbungsbrief mit "S g D u H" anfängt, liegt es vielleicht nicht immer an einem faulen Bewerber.
MfG (und entschuligt bitte das etwas komische Deutsch)
Patrick

patrick am 13.04.04 20:43 #
 

Als Personaler in einer größeren Firma hätte ich da auch volles Verständnis. Aber ich bin eben keine - und jemand, der sich die Mühe macht meine Emailadresse herauszufinden kann auch locker meinen Namen herauskriegen. (Hey, das ist "martin@roell.net", nicht "damenundherrenderpersonalabteilung@roellnet! ;-))

Martin Roell am 13.04.04 21:58 #
 

Ich hab mich ja schon länger nicht mehr auf Anzeigen beworben, aber in meiner Erinnerung stand da immer so etwas ähnliches wie: "senden sie bitte Ihre Unterlagen an...". Dann weiss man doch was man zu schreiben hat. Entweder folgt ein Name, dann spreche ich diese Person an, egal ob das die Assistentin, Sekretärin oder der Geschäftsführer ist. Oder da steht eine Abteilung, dann schreibe ich an die S g D u H! Was ist daran bitte schwierig?

Und ich gebe Martin recht: wenn es keine Stellenausschreibung gibt, ist Recherche Bedingung sine qua non.

Julia am 13.04.04 23:23 #
 

Sehr schockierend irgendwie, wie sich der Lauf der Dinge doch ändert. Ich verstehe nicht ganz, warum man wegen so einen kleinen Detail einen Menschen ablehnt bzw diesem nicht die Chance gibt, sich zumindest vorzustellen. Nur weil man den Arbeitsgeber nicht "persönlich" angeschrieben hat. Und für diese Entscheidung haben sie eine viertel Stunde gebraucht? Wow, sie dachten darüber nach, ist ja schon mal was. Dennoch, ich find das so lächerlich.
Der Perfektionismus, der in allen Bereichen des Lebens angestrebt wird und leider auch erwartet wird ist ein Zeichen der eingeschränkten Freiheit am Handeln und Tun. Kleine Details werden anscheinend zu grossen Lastern. Ich finde es traurig. Denkt doch mal darüber nach Arbeitgeber/Arbeitnehmer....ALLE...Oder seid ihr der Meinung, dass ist alles Müll was ich von mir gegeben hab?! Dann empfinde ich noch mehr Mitleid mit euch als vorher!

Mit freundlichen Grüssen Iris...

Iris H. am 12.07.04 16:22 #
 

Ich brauche Mitarbeiter, die recherchieren und denken können und das beim Arbeiten auch tun. Ich "lehne den Menschen nicht ab", ich weise nur seine Bewerbung zurück, da er mir damit gezeigt hat, dass er nicht sorgfältig genug ist.

Martin Röll am 12.07.04 23:47 #
 

Der Gesprächsfaden ist zwar schon alt, aber trotzdem sehr schön:

R: "... ungefähr eine Viertelsekunde gebraucht ... "

H: " ... Und für diese Entscheidung haben sie eine viertel Stunde gebraucht? ... "

R: "... Ich brauche Mitarbeiter, die recherchieren und denken können ..."


Vielen Grüße
Stefan

Stefan Schraufstetter am 02.09.04 19:20 #
 

Herr Roell,
was haben Sie eigentlich anzubieten, dass Sie so wählerisch sind? Ein-Mann-Unternehmen auf der Suche nach freien Mitarbeiter?! Sprich: Minimum an Kosten, Sozialabgaben und Verantwortung. Ein Leckerbiss!
Sie suchen einen Mitarbeiter und müssen tagtäglcih mehrere Bewerbungen lesen und bewerten? Können Sie sich an Namen eines Einzigen von denen erinnern? Wohl kaum.
Aber auf der anderen Seite steht ein Bewerber, der eine Arbeitsstelle sucht, mehrere Anzeigen liest, sortiert, notiert und bewertet. Ihre Anzeige war bestimmt nicht die Einzige, und Ihr Angebot - anscheinend - nicht so wertvoll, dass man ihm eine besondere Aufmerksamkeit schenkt. Oder bevorzugen Sie einen Bewerber, der sein Leben lang genau auf dieses Angebot gewartet hat? Dann mussen Sie noch ein Weilchen warten... Sonst sehe ich eigentlich kein Grund, warum die Bewerber Sie mit dem Namen ansprechen, den sie noch aus der E-Mail-Adresse herausfiltern müssen. Oder sich vielleicht noch bei der IHK erkündigen?
Seien Sie aufmerksamer und passen Sie schön drauf, dass Ihr Name immer in der Anzeige zu lesen ist. Sonst - kann ich wetten - werden Sie auch weiter potentiell wertvolle Mitarbeiter verlieren.

Sorry, war etwas zu hart. Kann aber nicht verstehen, warum Arbeitsgeber heutzutage so leicht vergessen, dass sie und ihre Bewerber absolut gleichberechtigt sind - Arbeitslösigkeit hin oder her.

PS. Iris, Respekt!

Irina Hobbensiefken am 10.05.05 12:26 #
 

Gute Frau: Ich hatte überhaupt keine Anzeige geschaltet. Ich suchte überhaupt keine Mitarbeiter. Von einem Initiativbewerber, der sich über das Netz bewirbt, erwarte ich mindestens, dass er meinen Namen recherchiert. Die Polemik zu den "freien Mitarbeitern" können Sie sich sparen. Woher nehmen Sie eigentlich die Grundlage, mich so anzugreifen?

(Natürlich sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichberechtigt: Er muss nicht für mich arbeiten und ich muss ihn nicht einstellen. Es lebe die Vertragsfreiheit. Und worüber regen Sie sich auf?)

Martin Röll am 10.05.05 12:43 #
 

Habe zufaellig diese Seite gelesen und bin auf
die sogenannte Untat der Anrede SgHuD gestossen
und konnte zuerst garnicht verstehen um was es da
ging. Ich war Mitinhaber und Direktor eines internationalen Betriebes im medizinischen Sektor.
SgDuH ist dann aber unpersoenlich aber doch kein
Fehler. Wenn man die Person persoenlich noch nie gesehen hat und sich auch noch an verschiedenen Stellen bewirbt machen Einige das so. Ob sie fuer die Funktion geeignet sind bedarf doch anderer Kriterien. Es ist uebrigens manchmal verwunderlich, wer sich wie entwickelt und wer nicht. Das ist auch mit viel Erfahrung oft nicht ganz zu bestimmen. Hat der Boss vielleicht ein Anerkennungsproblemchen? Vielen Bossen in kleinen Betrieben fehlt es an Erfahrung und Vertrauen.
Ein gutes Team ist wichiger als der einzelne Mitarbeiter, jedenfalls oft.Dafuer muessen beide sich einsetzen und lernen wollen.

van Ceulen am 12.04.06 12:44 #
 

Wir haben das nun wirklich oft genug durchgekaut. Ich mache den Thread zu.

Martin Röll am 12.04.06 20:13 #