8. März 2004

[ Blogosphere , Unternehmertum ]

Von einem Weblogbuch, einem Verlag und dem Ende einer Geschäftsbeziehung.

Ich verstehe nur ganz wenig vom Buchhandel.

Da tun sich zwei Autoren zusammen, um ein Buch zu schreiben. Ein Verlag ist interessiert. Man schließt einen Vertrag mit dem Verlag. Das Buch wird geschrieben, der Verlag bringt es raus. Es verkauft sich schlecht. Und nun meint eine der Autoren

"Ehrlich gesagt habe ich mich von Anfang an über das Interesse des Verlags gewundert."

"Anders formuliert: Warum sollte ein Friseur Haarschneidemaschinen verkaufen? Ein Content-Anbieter kann gar kein Interesse daran haben, Werkzeuge zu bewerben, die ihn genau wie viele andere Medien auch vor die Notwendigkeit von Reformen stellen könnte."
und kündigt die Geschäftsbeziehung auf.

Ja, Astrid, wenn Du Dich "von Anfang an gewundert" hast, hättest Du nachfragen sollen! Man baut keine nachhaltigen Geschäftsbeziehungen wenn man sich über das Interesse des anderen wundert! Man muss es verstehen und nicht es merkwürdig finden! "Ich verstehe, warum das gut für Dich ist, Du verstehst, warum das gut für mich ist, also machen wir es." Win-win, so ganz altmodisch. Die Basis all unserer Verträge seit der Steinzeit.

Ich wundere mich eigentlich über etwas ganz anderes: Du unterstellst wirklich einem Verlag, dass er Dein Buch mit dem Interesse herausbringt, es nicht zu verkaufen? Ist das nicht etwas merkwürdig? Ich hatte immer die naive Vorstellung dass Verlage Bücher verkaufen und nicht nicht verkaufen wollen.

Oder ist das zu klein argumentiert und ich soll wirklich an die Verschwörungstheorie anknüpfen, die Du vorschlägst? Weil Old Media Angst von New Media hat publiziert sie keine Bücher über Blogs? Wenn das wirklich wahr wäre, würde ich morgen eine große Party schmeißen: Es würde bedeuten, dass Old Media Weblogs verstanden hätte. Wenn das bloß so wäre...!

Nein, sorry, auf die Argumentationslinie lasse ich mich nicht ein. Auf diese Weise einem Geschäftspartner hinterherzukarten finde ich nicht anständig. Ihr hattet einen Vertrag, Ihr wart nicht mehr glücklich mitenander, Ende der Beziehung. Das ist in Ordnung. Aber hinterher dem anderen niedere Interessen zu unterstellen, hilft niemandem weiter.

Via Moe.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Whoah. Das war deutlich.

Moe am 08.03.04 22:45 #
 

Es wäre schön, wenn jeder dasselbe aufrichtige Verständnis einer Geschäftsbeziehung hätte, für das Du wirbst.

Ich kenne aber tatsächlich Fälle, in denen eine Geschäftsbeziehung eingegangen wird, um etwas NICHT zu verkaufen.

Stellen wir uns folgenden Fall vor: Irgendein Tüftler Daniel Düsentrieb lässt sich ein bahnbrechendes Produkt patentieren. Diese Erfindung hat das Potenzial das Produkt ZasterMaster, Cash-Cow des Marktführers Reibach AG, überflüssig zu machen. Es kommt dann oft vor, dass manche Reibach AG dem Daniel Düsentrieb ein solches Patent einfach teuer abkauft, um es in der Schublade verschwinden zu lassen. Ziel: ZasterMaster soll vor unliebsamen Wettbewerb geschützt werden, um damit weiter fleißig Geld zu verdienen.

Christian Rothe am 08.03.04 22:46 #
 

Ohne allzu viel ins Detail zu gehen:

Die anvisierte Zielgruppe und die Politik stimmte nicht so ganz. Das fiel dann später auf. Es gab übrigens auch die Überlegung, zu stoppen. Da hatte ich aber einen kleinen Schutzmechanismus eingebaut dank guter PR-Kenntnisse.

Es gab im übrigen auch nette Menschen in dieser für mich beendeten Geschäftsbeziehung. Eine dieser netten Menschen ließ mir über einen anderen netten Menschen ausrichten, dies sei das *erste* Buch des Verlages, dass sie sich auch kaufen würde.

Astrid Haarland am 09.03.04 10:03 #
 

P.S.:

Bitte nicht den rhetorischen Trick "Verschwörungstheorie" wählen. Zumal ich von "Medien mit mehr Reformwillen" und "Medien ohne Reformwillen" sprach.

Mal sehen, wohin die Reise geht. Und vor allem: wer mit wem reist!

Astrid Haarland am 09.03.04 12:40 #
 

Astrid, dass ich rhetorische Tricks einsetzen würde hast Du auch mir schon wiederholt vorgeworfen, anstatt inhaltlich auf die Kommentare einzugehen. Was ist das denn für ein rhetorischer Trick, anderen immer (öfters) den Einsatz rhetorischer Tricks zu unterstellen? =) Es macht eine Diskussion nahezu unmöglich, und ich komme zu dem Schluss dass sie wohl letztenendes auch nicht erwünscht ist.

Moe am 09.03.04 14:25 #
 

Stop right here. Die Sprachdiskussion werden wir uns hier nicht liefern. Wenn Astrid meine Benutung des Wortes "Veschwörungstheorie" als einen rhetorischen Trick ansieht (ich fand das eigentlich eine ganz passende Bezeichnung) ist das ihre Sache. Die Metadiskussion über den vermeintlichen Diskussionsunwillen des anderen führt zu nichts und gehört hier nicht her.

Martin Röll am 09.03.04 14:50 #
 

ok, sorry.

Moe am 09.03.04 23:38 #