7. März 2004

[ Geschichten ]

Jeden Tag eine gute Tat

Ich hatte vorhin eine E-Mail eines Studenten mit einer wirklich schlechten Frage reinbekommen. Er war entweder völlig unfähig oder stinkend faul und stand vor dem "Problem", etwas über Ebay und E-Commerce herausfinden zu müssen, was alleine durch Surfen auf ebay.com und Wikipedia: E-Commerce beantwortbar gewesen wäre.

In meiner üblichen intellektuellen Über-Dramatik habe ich daraufhin einen langen Aufsatz verfasst, in dem Verweise auf "STFW", Only ask questions with yes/no answers if you want "yes" or "no" as the answer., How To Ask Questions The Smart Way und, ja, durchaus auch auf Wikipedia: E-Commerce Wikipedia: EBay und Wikipedia: Online_auction_business_model vorkamen und der passagenweise ziemlich böse wurde.

Aber dann senkte sich das Englein auf meine linke Schulter herab, schaute mich milde an und sagte "Maaaartin... tu doch dem armen Jungen nicht so weh!" und lies mich eine knappe, aber höfliche dreizeilige Antwort zurückmailen. Diese Nacht werde ich gut schlafen.

(Madame Besch, c'est pour vous. Manchmal lernt man durch einen einzigen Satz mehr als durch 5 Jahre Unterricht. Merci.)

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Hi, hast Du den ursprünglichen Brandbrief trotzdem gespeichert? Bei mir trudeln auch ab und zu entsprechende Emails ein, aus denen deutlich wird, dass Studierende in wachsendem Maß unter "Recherche" eine Email an jemand mit (vermuteter oder echter) Kompetenz verstehen. Prinzipiell ist ja nichts gegen diese Art der Informationsgewinnung einzuwenden, und wir alle schätzen die Vorteile, die uns unsere Netzwerke bieten. Aber wenn, wie Du auch schreibst, ganz deutlich wird, dass der Anfrage keinerlei eigene Recherche vorausgegangen ist, wird es problematisch.
Jan

Jan Schmidt am 08.03.04 10:18 #
 

Ja, den Brief hab ich noch. Aber das ist einer von der Sorte, den man in die Schublade (sprich: Auf "Draft" in Movabletype ;-)) legt und dann doch nie wieder liest. Genau über diese "Recherchetechnik" habe ich auch geschrieben: Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, jemanden zu fragen, von dem man meint, dass er weiterhelfen kann. Nur muss man halt damit leben, dass Experten nicht gerne helfen, wenn sie merken, dass sich der andere gar keine Mühe gemacht hat. "Geh erstmal googlen, lies das und das, und wenn Du besser fragen kannst, dann komm wieder."

Martin Röll am 08.03.04 10:23 #
 

das kenne ich nur zu gut. man schreibt erst einen roman in dem man sich aufregt, schreibt allen frust nieder und ändert später nach kurzer rücksprache mit dem gewissen den text auf "RTFM" und gibt lediglich die hilfestellung http://www.google.de/search?q=rtfm

amano.ncr am 08.03.04 11:05 #
 

Als ich meine Diplomarbeit (Planung eines Intranetportals für ein Unternehmen) geschrieben habe, habe ich regelmäßig an Foren-Diskussionen rund um Intranets und Wissensmanagement teilgenommen und dadurch auch Anfragen von anderen Studenten bekommen nach dem Motto "Kannst Du mir mal was zum Thema Intranet schicken?".

Dabei ist es einerseits wirklich leicht, per Webrecherche an Basisinfos zu kommen. Andererseits ist es schwierig, auf so eine allgemeine Frage detaillierte Informationen zu geben - zumal ich gar nicht erkennen konnte, ob diejenigen, die mich kontaktiert haben, die gleichen Schwerpunkte setzen wie ich. Und jemand total Unbekanntem auf gut Glück meine komplette Literaturliste zu schicken, hätte mir ehrlich gesagt auch widerstrebt.

Auf konkrete, präzise formulierte Fragen eine Antwort zu bekommen ist viel leichter, so zumindest meine Erfahrung - schließlich erkennt man daran, dass der andere sich schon mit dem Thema auseinander gesetzt hat, und fast jeder zeigt ja auch mal gerne, was er weiß.

Aber solche Fragen zu stellen lernt man an deutschen Unis vielleicht nicht unbedingt...

Stefanie Schulte am 09.03.04 11:41 #