2. März 2004

[ Usability ]

Warum feste Spaltenbreiten Mist sind

Feste Spaltenbreiten sind auf textlastigen Websites fast immer keine gute Idee.

Hier ist ein Beispiel: Lawrence Lessigs Artikel How I lost the Big One auf legalaffairs.org. Surft man hin und steht der Browser auf den Defaulteinstellungen, sieht alles recht hübsch aus:

(Alle Bilder sind Verkleinerungen. Originalgröße bei Klick aufs Bild.)


Textzoom: 100%

Aber mir ist die Textgröße zu klein, um den langen Text am Bildschirm zu lesen. Also stelle ich die Schriftgröße höher ein. Ein paar Ticks mit dem Mausrad weiter sieht die Sache dann aber so aus:


Textzoom: 170%

Die Schrift ist angenehm groß. Aber die Zeilen sind albern kurz. Ganz normale Sätze ziehen sich jetzt über mehrere Zeilen. Damit wird der Text schwer lesbar.

Was ist hier passiert?

Mozilla macht es möglich, Webseiten zu "zoomen". Dabei stellt der Browser den Text größer dar. Wie man sieht, funktioniert das prächtig. Aber die Spaltenbreite wird von legalaffairs.org vorgeschrieben: Die Spalte, in der der Text steht, ist immer genau gleich breit, egal wie der Text skaliert wird.

Schaut man in den Quelltext der Seite wird schnell klar, woran das liegt: Die Textgröße und die Spaltenlänge sind fest in Pixeln vorgegeben: 12 Pixel soll der Text groß sein, ca. 536 Pixel (592*0.9 minus etwas Padding) die Spalte breit. Das ist gleich doppelt schlechter Stil:

  1. Abhängig von der Benutzerumgebung können "12 Pixel" mal groß und mal klein sein. Viel besser ist es, im Stylesheet relative Angaben zur Textgröße zu machen, also nur zu sagen: "Die Überschrift 'groß' und die Texte 'klein'" und die Interpretation dessen, was "groß" und "klein" bedeutet dem Browser zu überlassen.
  2. Zwar kann man, wenn man davon ausgeht, dass Text immer genau 12 Pixel groß ist, natürlich eine typographisch "sinnvolle" Spaltenbreite festlegen, aber viel besser wäre es, dem User selbst die Wahl zu überlassen, wie lang seine Zeilen sein sollen

Legalaffairs.org weiß aber ganz genau was es will, was seine User sehen sollen und geht sogar so weit, alle Zeilenumbrüche festzuschreiben: Jede Zeile des Texts endet mit einem <BR>, es soll also ganz genau festgeschrieben sein, wo eine Zeile beginnt und wo sie endet.

Mein Mozilla-Browser ignoriert das zum Glück, und das ist auch gut so: Legalaffairs kann ja gar nicht wissen, ob mein Bildschirm überhaupt so breit ist, dass er die Zeilen in dieser Länge darstellen kann! Was wäre, wenn ich den Text von einem PDA aus gelesen hätte? Und außerdem wäre es ja albern, wenn ich den Text vergrößere wie oben gezeigt und dann trotzdem noch die "alten" Zeilenumbrüche da wären! (Sie würden dann ja mitten in den Zeilen liegen.)

Benutzer von Microsofts Internet Explorer sind hier übrigens aufgeschmissen: Man kann nicht schrittweise zoomen, sondern den Schriftgrad nur in 5 Stufen auswählen. Aber das funktioniert nur auf Seiten, die den Schriftgrad nicht fest vorgeben. Bei legalaffairs bleibt für Internet Explorer User der Text also immer klein, egal welches Rad sie drehen.

Warum wäre es wichtig, das anders zu machen? Nicht nur, weil es anständig ist, dem User die Wahl zu lassen, anstatt sich anzumaßen, besser zu wissen, was für ihn gut ist. Sondern vor allem weil es User gibt, die darauf angewiesen sind, die Darstellung der Seite zu verändern.

Sehbehinderte sind hier zum Beispiel praktisch gar nicht in der Lage, den Text zu lesen: Skaliert man den Text auf eine angemesse Größe werden die Zeilen dermaßen kurz, dass man vom Lesen Kopfschmerzen bekommt:


Textzoom: 230%

Zusammenfassung

Es gibt bei textorientierten Seiten praktisch nie einen guten Grund, dem User vorzuschreiben, wie er etwas zu sehen hat. Feste Schriftgrößen und Spaltenbreiten mögen für einige Menschen hübsch aussehen, sind aber für andere überhaupt nicht sinnvoll und können sogar dazu führen, dass die Seite für manche User unbenutzbar wird.

Seitenbetreiber sollten CSS-basierte Layouts verwenden und darin

  • Relative Angaben zur Textgröße machen
  • Spaltenbreiten nicht fest vorgeben
  • Dafür Sorge tragen, dass die Seite auch in ungewöhnlichen Konfigurationen (vergrößerter Text, spezielle Lesegeräte, Mobile Devices) lesbar bleibt.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Martin legt einen alten Klassiker neu auf, nämlich die Diskussion darüber ob eine Website feste Spaltenbreiten haben oder der Text "flüssig" über das Browserfenster "floaten" soll: »Es gibt bei textorientierten Seiten praktisch nie einen guten...

das Netzbuch: Alter Klassiker: Fest oder flüssig (03.03.04 12:32)

Nachdem ich bei Martin Röll aufmerksam die Diskussion zu seinem Eintrag Warum feste Spaltenbreiten Mist sind verfolgt habe, verbrachte ich ein paar Tage damit, immer mal wieder missmutig an meinen

Moving Target: To float or not to float: Design-Sinnfragen (11.03.04 12:27)

 

Du hast ja SO Recht.
Aber nur im Prinzip, denn mach mal einem Auftraggeber den Unterschied zwischen einem Buch und einer Internetseite klar. Das ist Bohren von gaaaaaaaaaaanz dicken Brettern.
Und nun noch ein Grund, weswegen auch ich freiwillig Schriftgrößen angebe: Relative Angaben kommen oft ganz schön blöd daher auf dem Bildschirm - je nach Grundeinstellung des Nutzers. Aber der weiß meistens gar nicht, dass man da was ändern kann. Ich habe schon sehr viele alte Menschen (die mit den zu kurzen Armen, auch ich gehöre dazu) glücklich gemacht, indem ich ihnen zeigte, dass man die Schriftgröße beeinflussen kann. Freude! Champagner! Und Unglaube: Dass das geht...

Ulrich am 02.03.04 17:41 #
 

Eigentlich fällt mir überhaupt kein Grund für fixes Layout ein, außer vielleicht - "es muss gaaanz schnell gehen" (zumindest war das bei mir einmal der Fall) und der zählt eigentlich auch nicht.

Dirk am 02.03.04 17:55 #
 

zur kritik: gemeinhin gelten 40 bis 80 zeichen breite als ergonimisch am sinnvollsten. d.h. selbst bei textzoom 230% ist der text nicht absurd schlecht zu lesen. selbst bei einer zeitschrift wie dem economist liegt die spaltenbreite bei zirka 50zeichen.

damit kommen wir zu dem umgekehrten problem, dem der flexiblen layouts. ein layout das sich schnurgerade nach browserbreite richtet, lässt in vielen fällen den text eher zu breit laufen, mit zuvielen zeichen pro zeile, was ermüdend ist.

der aufwand der sitegestaltung in dem das layout ein mischmasch aus relativen angaben ("em") und absoluten angaben ("px" z.B. für grafiken), ist bei dem jetzigen stand der browser mit ihren CSS macken in den meisten fällen unrealistisch.

heerscharen von webdesignern warten drauf dass die CSS-attribute max-width und min-width endlich unterstützt werden, aber derzeit ist es noch nicht ohne größere feiste klimmzüge machbar.

zu der angabe der fixen schriftgröße: es stellt sich die frage inwieweit das problem wirklich relevant ist. die veränderung der schriftgrößen ist im explorer (eben wg. der macke mit den "fixen" schriftgrößen) der unvollkommen und mangels unterstützung durch keyboard-shortcuts unkomfortabel, dass die user die darauf wert legen, sich eh mozilla oder opera zugelegt haben.

in abwägung zwischen aufwand und nutzen, halte ich das arbeiten mit fixen schriftgrößen und festen layouts nicht für ideal und elegant, aber auch nicht für DIE sünde.

dogfood am 02.03.04 18:41 #
 

Doch. Sünde. "width:536px" ist Sünde.

"max-width:536px" ist übrigens genauso Sünde.

"max-width:72ex" wird in allen (!) Browsern fehlerfrei angezeigt. Es zoomt gemeinsam mit der Schriftgröße. Und IE ignoriert's - was mir persönlich herzlich egal ist, schließlich sieht alles noch genauso aus, nur breiter. Wie schon richtig gesagt wurde: Niemand, der Wert auf derartige Details legt, sollte noch IE verwenden.

... auf die Gefahr hin, dass ich jetzt vom Thema abschweife.

Mit anderen Worten: Wenn der Kasten um den Text in direkter Beziehung zur Zeilenlänge steht, dann sollte die Größe des Kastens auch in direkter Beziehung zur Schriftgröße stehen.

Thiemo Mättig am 03.03.04 00:16 #
 

Ich finde mittlerweile auch nichts mehr dabei, einfach das Browserfenster zu verkleinern, wenn eine Textspalte zu breit ausfällt. Zumindest ist es mir so lieber, als wenn eine Seite mit festen Spaltenbreiten und allen damit verbundenen Schwierigkeiten daherkommt.

Das Problem ist, dass die meisten Nutzer immer noch erwarten, dass sich eine Website ähnlich verhält wie eine gedruckte Seite - eine Erwartung, die die Webdesigner mit ihren "fixen" Layouts in den letzen Jahren ja auch immer bereitwillig erfüllt haben.

Es wird eine Weile dauern, bis Nutzer und Auftraggeber sich an die neuen "fließenden" Designs und ihre Vorteile gewöhnt haben. Aber ich denke, es lohnt sich, diese Zeit auszusitzen.

Stefanie Schulte am 03.03.04 09:39 #
 

An diesem Thema spalten sich wirklich die Geister, und es wird unglaublich viel gestritten.

Schade, dass dieser Artikel - wie viele andere - eher einseitig argumentiert. Die Wahl zwischen fixem und flexiblen Layout ist so wesentlich, dass beide Alternativen ausführlich beleuchtet werden sollten. Denn beide haben sowohl Vor- als auch Nachteile.

Viele Beführworter führen die Vorteile im Hinblick auf die Lesbarkeit an. Hierauf möchte ich kurz eingehen, da gerade in diesem Punkt häufig Argumente vorgebracht werden, die äußerst subjektiv, nicht nachweisbar oder schlicht unwahr sind.

Gerade flexible Layouts führen bei einer hohen Bildschirmauflösung zu sehr langen Zeilen. Diese stellen ein mindestens genauso großes Usability Problem dar wie zu kurze Zeilen.

Wie "dogfood" bereits angeführt hat, gibt es so etwas wie die optimale Zeilenlänge. Solche Empfehlungen sind nicht einfach aus der Luft gegriffen, sondern beruhen auf Forschungsergebnissen. Sie haben mit der menschlichen Anatomie des Auges zu tun; mit der Art, wie wir Lesen bzw. Text überfliegen.

Das oben dargestellte Beispiel mit dem einem Textzoom von 170% ist beispielsweise keineswegs "albern kurz". Die Zeilen enthalten jeweils um die 10 Wörter. Das entspricht bei der dargestellten Größe durchaus noch einer empfehlenswerten Zeilenlänge.

Die Befürworter der flexiblen Layouts argumentieren oft, dass sich der Benutzer das Browserfenster ja kleiner skalieren kann und sich somit die für ihn angenehmste Zeilenbreite einstellen kann. Leider wissen viele Benutzer aber nicht, dass eine bestimmte Zeilenlänge das Lesen vereinfacht, und kommen dementsprechend auch gar nicht auf die Idee, die Fensterbreite anzupassen.

Leider setzt die (technische) Realität einer _wirklich_ optimalen Lösung Grenzen. Wer nach einer akzeptablen Lösung sucht, findet hier vielleicht einen guten Einstieg:

Ideal line length for content
Is there an ideal line length for content?

kif am 03.03.04 10:07 #
 

ehm, von grafikern habt ihr noch nie was gehört oder? Das sind diese Leute die Ihr Design pixelgenau umgesetzt sehen wollen und eigentlich verlangen dass man ein Plugin baut dass Freehand, quark und InDesign Dateien im Browser anzeigt um damit deren Inhalte zugänglich zu machen.

Die finden "variable Spaltenbreiten" üpberhaupt nicht lustig.

Deswegen baut ja unsereins auch alle Seiten in schickem XHTML1.1. und formatiere mit CSS.

Wenn dann jemandem die formatierung echt nicht gefällt soll er sie einfach ausstellen ;p

amano.ncr am 03.03.04 10:36 #
 

Die Argumentation, dass flexible Layouts zu "langen Zeilen" führen, ist schlicht falsch. Sie führen nur dann zu langen Zeilen, wenn die User mit breiten Browserfenstern surfen. Zu argumentieren, dass die User "nicht auf die Idee kommen, die Fensterbreite anzupassen" finde ich ein wenig traurig. Die User wissen ganz gut was sie wollen und sie sind sogar lernfähig. Sie kommen nur dan_ nicht auf die Idee, die Fensterbreite anzupassen wenn Designer das mit festgesetzten Spaltenbreiten sinnlos machen.

Und nebenbei: Die "empfehlenswerte Zeilenlänge" ist eben auch nur das: Eine Empfehlung. Und wenn der User sagt, dass 10 Wörter pro Zeile albern kurz sind, dass _ist das so_. Auf Basis irgendwelcher erforschter Durchschnittswerte zu argumentieren ("98% der User empfinden eine Zelenlänge von x als angenehm") und die individuellen Wünsche der User einfach hinter runter zu kippen ("99% der User sind mit dieser Zeilenlänge glücklich. Also sei du es auch.") ist einfach traurig.

Martin Röll am 03.03.04 10:46 #
 

Sich nach Statistiken wie die zur optimalen Zeilenlänge zu richten war sinnvoll, solange es um Printprodukte ging. Schließlich kann man das Layout des Massenprodukts Zeitschrift nicht an die unterschiedlichen Bedürfnisse jedes einzelnen Lesers anpassen. Da ist es allemal besser, wenn man wenigstens 98 % der Leser einigermaßen zufrieden stellt, indem man die Ergebnisse der Statistik umsetzt.

Aber das Netz bietet eben die Möglichkeit, flexibel auf die Wünsche jedes einzelnen zu reagieren. Allerdings muss sich dieses Bewusstsein bei den Anbietern erst durchsetzen, zum Teil müssen auch die entsprechenden technologischen Instrumente erst entwickelt werden. Und die User müssen diese Vorteile erkennen und nutzen lernen (beispielsweise, ihr Browserfenster anzupassen) - was vermutlich noch einige Zeit brauchen wird.

Stefanie Schulte am 03.03.04 11:01 #
 

Um der emotionalen Argumentation hier mal ein paar empirische Daten beizusteueren folgende Studie:
The Effects of Line Length on Children and Adults’
Online Reading Performance
.


Zur Lesbarkeit von schmalen, mittleren und breiten Texten stellt die Studie keine signifikanten Unterschiede fest. Schmaler scheint aber etwas besser zu sein. Auch interessant: Das Verhältnis von "Scrollaufwand" zu Textbreite wird thematisiert.

Holger Dieterich am 03.03.04 11:17 #
 

"Schmaler scheint aber etwas besser zu sein." Im arithmetischen Mittel, super. Die Menschen sind aber alle unterschiedlich. Jeder hat _sein_ Optimum. Ich will nicht "gleiches Recht für alle", ich will "für jeden das Beste" - und das ist für jeden anders.

Martin Röll am 03.03.04 11:38 #
 

Und dann gibt's ja noch "Full Page Zoom": fixe Anzahl von Zeichen pro Spalte, die auch dann konstant bleibt, wenn man den Text vergrößert oder verkleinert; sprich, das gesamte Layout wächst und schrumpft mit. Siehe z.B.

http://www.cednc.org/programs/engage/finance/
http://www.elasticdog.com/

Erläuterungen und "Demo" unter

http://simon.incutio.com/archive/2003/11/09/fullPageZoom
http://simon.incutio.com/code/js/scaling/

Haiko am 03.03.04 11:56 #
 

"für jeden das beste" gibt es nicht. es gibt kompromisse die von den rahmenbedingungen und setzung des schwerpunktes abhängen.

nehmen wir z.B. "elasticdog.com". hier könnte als nachteil angeführt werden, dass mit fester spaltzenbreite gearbeitet wird. egal wie groß man den text macht, die zeilenlänge (zeichen pro zeile) bleibt identisch. mir persönlich sind die zeilen unterhalb der seitlichen navigation zu lang. da hilft auch kein verkleinern des browsers...

ab einem bestimmten zoom ist der text auch nur noch via horizontal-scroll zu lesen. bei cednc.org läuft der text gar außerhalb des hintergrundes raus.

wer also flexibilität in die eine richtung will, gibt gleichzeitig flexibilität in die andere richtung auf.

kommerzielle webproduktion bewegt sich nun mal innerhalb der variablen "preis" - "qualität" - "zeitaufwand". absolut liquides webdesign läßt sich derzeit nicht angemessen verwirklichen, bzw. der dafür zu treibende zeitaufwand produziert etwas, was nur von einem geringen teil der leute genutzt wird und damit i.d.R. nicht zu vertreten ist.

diese rechnung bzw. gewichtung wird aber bei einer nachrichten-site anders ausfallen als bei einer selbstdarstellungs-site.

aber eben dieser prozeß des abwägens fällt mir bei dem artikel hier völlig weg zugunsten einer einseitigen bevorzugung einer einzigen "design-stoßrichtung".

dogfood am 03.03.04 12:23 #
 
Die Argumentation, dass flexible Layouts zu "langen Zeilen" führen, ist schlicht falsch. Sie führen nur dann zu langen Zeilen, wenn die User mit breiten Browserfenstern surfen. Zu argumentieren, dass die User "nicht auf die Idee kommen, die Fensterbreite anzupassen" finde ich ein wenig traurig. Die User wissen ganz gut was sie wollen und sie sind sogar lernfähig. Sie kommen nur dan_ nicht auf die Idee, die Fensterbreite anzupassen wenn Designer das mit festgesetzten Spaltenbreiten sinnlos machen.
Hab' ich einen Haschmich, mit jeder Adresse erst einmal das Browserfenster anzupassen. Wurschtel hier, wurschtel da und das noch nachjustiert und hier am Schräubchen gedreht.

Wer unbedingt eine für alle Bedürfnisse gerechte Site bauen will, wird nicht umhinkommen mehrere Millionen Stylsheets anzubieten und zur Auswahl neben den einfachen Fragen nach Dioptrinstärke noch ein Psychogramm über einen Fragebogen erstellen müssen, damit auch ja das richtige Stylesheet den richtigen User trifft.

Neben der Größe ist da noch der Kontrast, das Schnelligkeitsempfinden und und und ...

Nee meine Lieben! Ich habe gute Gründe mit einem großen Fenster zu surfen. Es hat sich für mich bewährt. Und wenn ich mir die Einstellungen der DAUs in meinem Umfeld anschaue, dann wäre die Befolgung der Empfehlung ein schwerer Fehler.

Silke Schümann am 03.03.04 13:46 #
 

Der Witz am Web ist ja gerade, dass Du eben nicht siebenmillionen Stylesheets bauen musst um die Leute froh zu machen. Die User kümmern sich selbst. Sie konfigurieren ihre Browser so wie es ihnen passt und ignorieren Dein Stylesheet, wenn es nicht weiterhilft.

Martin Röll am 03.03.04 13:57 #
 

Wenn ich einen großen Bildschirm zur Verfügung habe, gehe ich zunehmend dazu über, textlastige Seiten in kleineren Browserfenstern zu öffnen und mehrere davon halb nebeneinander, halb überlappend am Bildschirm anzuordnen. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, eine sehr angenehme Angelegenheit - auch wenn es vielleicht nicht im Sinne mancher Seitenanbieter ist, die die User mit allen Mitteln in ihrem Angebot halten wollen.

Es funktioniert aber nur bei Seiten mit variablen Spaltenbreiten und einer schlichten Navigation - weshalb ich diese Art von Design persönlich immer mehr zu schätzen lerne.

Stefanie Schulte am 03.03.04 14:17 #
 

@ Martin

und es bürgern sich Konventionen. 1027x768 ist so eine Konvention. Dass eine Seite auch am PDA oder mit dem Nokia-haste-nicht-gesehen, abgerufen werden
kann halte ich für marginal. Die meisten Sites sind darauf nicht ausgerichtet, bzw. bieten hierfür spezielle Formate.

Ich serve mit Mozilla und Taben und als ich noch mit dem IE unterwegs war, war das Vollfenster in 80-90% die bessere Entscheidung. Das wwar so, weil feste Spaltenbreiten um die 500 Pixel zu einem Quasitextstandard erhoben wurden.

Nun kommen ein paar "Ich will mir aber alles konfgurieren können." und verfälschen mit ihren Veränderungen jedes mal auch die Botschaft. Und wenn der Otto-Normalsurfer pech hat, kann er Seite für Seite das Fenster anpassen. Klick schieb, stauch. dies , das , und jenes eingestellt. Prost Mahlzeit.

Silke Schümann am 03.03.04 20:50 #
 

@Herr Roell und die seiner Meinung sind:
das ist IMHO schon ein biserl weit weg von der Realität. Sicher, so für ne kleine Seite die 1 Mensch privat betreibt kann man sich da ruhig Gedanken drüber machen. Aber auf kommerzielle Seiten lässt sich das wohl kaum übertragen.

Ich weiss ja nicht mit was für Auftraggebern Sie über Internetseiten reden, aber die mit denen ich rede wissen meist nichtmal dass es mehr als IE und 800x600 gibt. Manche haben mal von Flash gehört und manche auch dass es mal Java Applets gab ... und die finden dann meist auch dass entweder Flash oder Java irgendwie groovy ist.

Dann erklärrt man denen das das garnicht groovy ist und dass XHTML/CSS ganz super ist und man erzählt denen wofür unser WCMS gut ist und man erzählt welche Vorteile die einzelnen Funktionen mit sich bringen.

Wenn man es geschafft hat denen das alles klar zu machen und die noch nicht mit einem riesigen schild "das sind nerds, die nerven" weggerannt sind, dann sollte man einfach nur glücklich sein und schnell und zügig das umsetzen was verlangt wird.

Nee, iss klar, ich fänd es auch prima wenn meine Website ihren Besuchern n Kaffe anbieten würde und ebend diesen dann auch irgendwie kochen und über den bildschirm materialisieren könnte. Evtl. könnte sie auch mit gewissen Randgrippen über denen Ihre Probleme reden, aber sowas überlasse ich dann doch yellow strom.

amano.ncr am 04.03.04 09:57 #
 

Ich glaub ja an Weltverbesserung durch Bloggen: Ich schrei hier rum "das ist Mist" und irgendein nichtsahender Kunde surft rein. Und wenn der das nächste Mal zu seiner Agentur kommt sagt er: "Ich hab da gelesen, dass feste Spaltenbreiten Mist sind. Ist das so?" Und vielleicht, vielleicht, m ö g l i c he r w e i s e kriegt er dann eine bessere Seite. Deshahlb schreibe ich hier und deshalb gibt es keine "ich hätte gerne, bitte, aber natürlich wollt ihr wahrscheinlich nicht, und natürlich gibt es auch die andere Seite, die ist zwar im Grunde falsch, aber natürlich kann es auch Situationen geben, in der, und wenn der Kunde nicht will kannst du es ja eh nicht machen"-Argumentation.

Martin Röll am 04.03.04 10:21 #
 

@martin:
ja nee stimmt. tschuldige mein genörgel. klingt halt dann nur immer so weltfremd und man steht zwischen "unwissender kunde" und "nerd held" und weiss nicht wie weit man wo stehen soll. da kommt dann immer schnell rechtfertigungsdrang meinerseits auf ;)

amano.ncr am 04.03.04 11:31 #
 
"Ich hab da gelesen, dass feste Spaltenbreiten Mist sind. Ist das so?" Und vielleicht, vielleicht, m ö g l i c h e r w e i s e kriegt er dann eine bessere Seite.

Ich hoffe, ich begegne der Leserschaft dieses Artikels möglichst selten. Denn ich teile die Ansicht nicht.

tempa am 04.03.04 13:20 #
 
Die Argumentation, dass flexible Layouts zu "langen Zeilen" führen, ist schlicht falsch.

Das ist so - aus dem Zusammenhang gerissen - richtig. Daher schrieb ich auch: "bei einer hohen Bildschirmauflösung". Ich hätte es vielleicht noch präziser ausdrücken sollen: "bei großer Auflösung und maximiertem Browserfenster" ;)

Zu argumentieren, dass die User "nicht auf die Idee kommen, die Fensterbreite anzupassen" finde ich ein wenig traurig. Die User wissen ganz gut was sie wollen und sie sind sogar lernfähig.

Nun, ich spreche da einfach aus Erfahrung. Traurig? Vielleicht... Wenn in Deinen Tests die Probanden gut mit Browsern umgehen können, ist das ja bestens. Das kannst du aber nicht unbedingt auf andere Projekte übertragen oder verallgemeinern.

Ich sehe (leider?) immer wieder User, die die Möglichkeiten der Browser (z.B. auch die Einstellung der Schriftgröße) einfach nicht gut kennen. Oder die sich auf den Inhalt konzentrieren, und nicht mit der "Technik"/ den Hilfsmitteln herumfrickeln wollen/ können, um etwas angenehmer lesen zu können.

Ich möchte auch das nicht verallgemeinern, sondern sage nur: Es gibt Argumente für und wider beide Layout Alternativen. Alle Argumente sollten betrachtet werden. Und für jeden einzelnen Fall sollte nach Kenntnis der Argumente entschieden (und nach Möglichkeit mit repräsentativen Usern getestet) werden, welche Lösung die beste ist.


Ein wichtiges Argument, das eher gegen zu viel "Userkontrolle" spricht, möchte ich noch anführen: Eine Aufgabe des Interface Designs ist es, dem User zu ermöglichen, sich auf den eigentlichen Inhalt zu konzentrieren und so wenig Zeit wie möglich mit technischen Einstellungen verbringen zu müssen - d.h. in diesem Fall, z.B. nicht für jede Seite eine neue Fenstergröße wählen zu müssen.

Ich will nicht "gleiches Recht für alle", ich will "für jeden das Beste" - und das ist für jeden anders.

Das ist richtig und gut. Nur muss man eben auch abwägen, ob man den User mit der Kontrolle nicht auch manchmal überfordert. Denn das bedeutet ja, dass er sich mit dem Werkzeug bestens auskennen muss. D.h. er muss alle Einstellungen des Browsers kennen und beherrschen. Wenn ich mir vorstelle, ich könnte mit meinem Auto nur dann komfortabel von A nach B gelangen, wenn ich genau wüsste, wie ich den Motor abstimme... Ohje. Das ist doch eher was für Formel1 Piloten...


@Holger Dieterich: Vielen Dank für den Link! :)

kif am 04.03.04 13:59 #
 

Herzlichen Dank für die ausführliche und ausgewogene Diskussion. Ich denke eben, dass man dem User getrost zutrauen kann, dass er in 15 Jahren Windows gelernt hat, Fenstergrößen anzupassen. Gleichwohl ist mir klar, dass das nicht in jedem Projekt realsitisch ist. Aber... siehe oben. :-)

Ich mache den Sack hier mal zu und schließe die Diskussion, sonst diskutieren wir uns noch zu Tode. Wer wirklich noch was Neues beizutragen hat, schreibt's mir per Mail, dann trage ich das nach oder mache einen neuen Thread auf. Gut? Gut.

Martin Röll am 04.03.04 15:21 #