23. Februar 2004

[ Unternehmenskultur , Wissensmanagement ]

Krieg und Frieden und Wissensmanagement

Martin Dugage hat ein ernstes Problem: Er ist sich gerade darüber klargeworden, dass sein Unternehmen, Schneider Electric, in dem er sich um das Wissensmanagement kümmern soll, sich in einer "Kriegssituation" befindet:

Employees are so scared to lose their job that their natural behavior is to bet on one particular manager they expect will be promoted, and do whatever it takes to be part of his inner circle of trusted servants. So you see communities of practice built around a core group of expert practitioners officially "on hold" while their members run around like headless chicken (...) This is no longer a period of peace - a time to learn together how to satisfy customers. This is a period of war - a time to execute orders from managers who already know what to do.

In dieser Situation sieht er sich nicht in der Lage, einen Manager zu finden, der ein Vorbild für die Wissensweitergabe sein kann.

Was jetzt? Kann man in Unternehmen, in denen eine solche Kultur herrscht, überhaupt den Wissensaustausch fördern? Was wären geeignete Interventionen?

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Hallo,

so richtig verwunderlich ist das alles nicht. Unternehmen und Mitarbeiter haben einen fundamentalen Interessengegensatz: Das Unternehmen strebt danach, Mitarbeiter austauschbar zu machen, der Mitarbeiter hat ein Interesse an seiner Unersetzbarkeit (heute mehr denn je).
Mein Erfahrung und mein Wissen ist der einzige "Faustpfand" der mir als Mitarbeiter noch verbleibt. Soll ich den einfach so aus der Hand geben?

MfG
Stephan List

Stephan List am 23.02.04 12:16 #
 

"Das Unternehmen strebt danach, Mitarbeiter austauschbar zu machen"

Das ist hoffentlich nicht Dein generelles Bild von Unternehmen? Nach dieser Sichtweise wären ja alle Mitarbeiterbindungsanstrengungen nur Ausdruck des Unvermögens, das Ziel den Mitarbeiter austauschbar zu machen zu erreichen! Unternehmen, die so denken, sind kaputte Unternehmen.

Martin Röll am 23.02.04 12:30 #
 

Hallo,
nein, das ist nicht _mein_ Bild vom Unternehmen, ganz im Gegenteil! Aber ich denke, das ist eine mögliche Erklärung, warum Wissensmanagement nicht immer funktioniert.
Ich denke, in Firmen, in denen Mitarbeiter mit Wertschätzung behandelt werden, hat Wissensmanagement schon immer funktioniert, auch ohne elektronische Unterstützung.

Stephan List am 23.02.04 22:06 #
 

Meiner Meinung nach ist organisierte Konfrontation hier das richtige. Auch wenn die zusammenarbeit in themenbezogenen Workshops/Teams/Besprechungen (oder wie auch immer man das gerade gern modern betitelt) etwas zeitkonsumierend ist, in diesem Fall angebracht.
Wer sich nicht einbringt steht doch dann irgendwie da, als wenn er keine Ahnung hätte. Und etwas zu sagen, das nicht der eigenen Meinung entspricht wäre auch schwer über längere Zeit konsistent durchzuziehen.
Absolut nicht angebracht in der Situation: jedem Individuum das Händchen halten und Schönreden was nicht schönzureden ist.

Julia am 23.02.04 22:17 #
 

Ich war eine zeitlang in einem Unternehmen als Constultant tätig, bei dem sich nachher rausgestellt hat, dass der Chef der Meinung war, dass jeder Mitarbeiter ersetzbar ist. Daraufhin hab ich mich dann zurückgezogen.

Entsprechend schwierig war es natürlich auch, auf die Mitarbeiter so einzuwirken, dass Wissen gesammelt werden sollte und nicht privat gehortet.

Ich hab vor ein paar Tagen von einer Firma erfahren (Name kann ich leider nicht veröffentlichen, ist aber ein bekanntes Unternehmen in D) dessen IT Abteilung es nicht fertiggebracht hat einen Index-Server innerhalb eines Jahres zu installieren, damit wenigstens die vorhandenen Dokumente durchsucht werden können.

Mittlerweile haben die Mitarbeiter ein Wiki installiert und mit über 20 Helfern über 1000 Wiki-Seiten geschrieben und mit den vorhandenen Dokumenten verlinkt. Nicht weil sie jemand dazu gezwungen hat, sondern weil die Mitarbeiter erkannt haben, dass sich damit einen Haufen Arbeit sparen und ihre eigentlichen Aufgaben angenehmer durchführen können.

Siegfried Hirsch am 25.02.04 09:56 #
 

Zu der Mitarbeiter-Aktion würde ich gerne mehr erfahren.

Sascha Buettner am 21.03.04 12:49 #