18. Februar 2004

[ Oekonomie ]

"Die außerunterrichtliche Nutzung des Schulgeländes ist verboten."

Dieses Land ist in einem bedauernswerten Zustand. Wir investieren Unmengen an Ressourcen um Räume zu schaffen und verhindern dann deren effiziente Nutzung, dass es weh tut.

Ein Schild: 'Die außerunterrichtliche Nutzung des Schulgeländes ist verboten'

Wir bauen Schulen mit Schulhöfen, deren Betreten nach Schulschluss verboten ist. Wir bauen Bolz-, Basketball- und Volleyballplätze, zäunen sie ein und verschließen den Zugang. Wir legen große, grüne Wiesen an und kennzeichnen sie als "Nicht öffentliche Grünfläche (Ausrufezeichen!)", sodass sich kein Kind mehr darauf traut.

Überall Flächen. Überall Nutzungsmöglichkeiten. Überall brachliegende Ressource. Und auf der anderen Seite Eltern die jammern, dass es nicht genügend Angebote gibt, Bürgermeister die jammern, dass es nicht genug Geld gibt (und einen Consultant, der jammert, dass es das überhaupt alles gibt). Es ist so traurig.

Dabei sagt unsere Verfassung so klar:

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
Was ist mit der Idee die da mal hinter stand passiert?

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Martin jammert (zu Recht) über Ressourcenverschwendung in Deutschland. [E-Business Weblog]

Der Schockwellenreiter: Die außerunterrichtliche Nutzung des Schulgeländes ist verboten (19.02.04 07:52)

 

Hier geht es doch eher um das Schulgelände als um die Räume in der Schule. Das Schild steht doch nur da, dass nach Unterrichtsschluss keiner mehr unbeaufsichtigt auf dem Schulgelände rumturnt :)

Dominik am 18.02.04 21:45 #
 

Gerade das ist der Punkt: was zum Teufel soll dagegen sprechen, nach Schulschluss auf dem Schulgelände herumzuturnen? Haftungsfragen? Dann muss man eben die entsprechenden Gesetze ändern.

David Hoeffer am 18.02.04 21:54 #
 

Wir verwenden nicht die gleiche Definition des Begriffs "Raum". Ich meinte (3), nicht (1).

Martin Röll am 18.02.04 21:54 #
 

Naja, aber wenn jemand das Gelände beschädigt, wer zahlt dann dafür?

Deutsche Schulen sind so schon teilweise nicht so ansehnlich. Wenn diese jetzt zu allgemeinen Treffpunkten werden, wird sich das kaum verbessern.
Die Schulen werden wohl kaum mehr Geld dafür bekommen, das auch abends jemand darauf aufpasst.

Leander Hanwald am 19.02.04 09:14 #
 

Ich schließe mich der Meinung von Leander nur an: Wenn heutzutage Sportplätze oder anderes allgemein ohne Aufsicht zugänglich sind, wird daraus in Nullkommanix ein Kriegsschauplatz. Zerstörungswut von 10-jährigen wohin man nur guckt. Wenn ich morgens mit der Bahn fahre, die sogar schon im Innenraum mit Graffitis und abgerissenen Sitzpolstern bedeckt ist, wundert es mich nicht, dass heutzutage Räumlichkeiten in ihrem Zugang beschränkt werden.

Leider ist das alles ein Teufelskreis: Vandalen beschädigen etwas, der Zugang wird eingeschränkt, die Vandalen ärgern sich und machen stattdessen was anderes kaputt.

Abhilfe schaffen würden nur Aufsichtspersonen mit Autorität. Finanziell wird sowas wohl kaum gesponsort, und freiwillig setzen sich wenige gerne pöbelnden Jugendlichen aus.

Sprich: Ich sehe das Problem im sozialen, nicht im ökonomischen Bereich.

Garvin Hicking am 19.02.04 09:29 #
 

Als Ex-Lehrer den Brackground dazu:
* Aufsichtspflicht (= ein Bein im Knast) [Aufsichtsstunden kosten halt Geld...]
* Versicherung (Papa ist Anwalt, gell?)
* Hausmeister (Arbeitet eh mehr, als die Stadt ihm zahlen WILL - denn die beschränkt sich ja inzwischen auf Pflichtaufgaben...)

D.h. jede Minute, dier das Gebäude (oder das Gelände) zusätzlich offen ist, müsste Geld einbrngen, sonst weint der Kämmerer - oder das Oberschulamt oder oder...)

Wenn natürlich mehr Schulen Ganztagsschulen werden - ich mach grad an einer ein Projekt zum kreativen Schreiben - dann entspannt sich das Problem, weil die Schule ja ohnehin offen ist.

Ich hatte auch kürlich das Problem, dass ich für ein CW Seminar nen Raum brauchte. ich sagte zum Jugendhaus vor Ort: Wenn ich bei Euch unterkomme spende ich zwei Freiplätze (Gegenwert 10 EUR/Abend). Zunächst Zusage, dann: Ging nicht, da in städtischen Räumen keine 'kommerziellen' Dinge stattfinden dürfen. Pech für die beiden Kids auf den Freiplätzen.

Oliver Gassner am 19.02.04 09:31 #
 

Leander: Wer zahlt? Der Beschädigende.

Garvin: Die Zerstörung wird von einer Minderheit durchgeführt, die zerstören *will* und die sich dabei auch von Verbotsschildern nicht abhalten lässt. Die Mehrheit aber, die nutzen ohne zu zerstören will, wird abgehalten. Das ist nicht logisch.

Martin Röll am 19.02.04 10:41 #
 

Auf der einen Seite werden die Schulen mittags geschlossen und auf der anderen Seite wird nachmittags ein Jugendclub woanders geöffnet. Der Jugendclub hat doch eh einen Betreuer der bezahlt wird. Soll er doch die Kids in der Schule betreuen. So würden die Kosten für das Jugendclubdomiziel wegfallen.

strudel am 19.02.04 12:53 #
 

Ich denke auch, auf dem Schild geht es nur ums Herumrandalieren. An meiner Schule waren früher am Nachmittag immer Sportveranstaltungen. Die Münchner Zentrale für Hochschulsport verwendet sicher Turnhallen und Einrichtungen von zehn Münchner Schulen am Nachmittag und Abend für Universitätssport.
Bei uns war immer Tischtennis ;-)

KerLeone am 19.02.04 13:35 #
 

@Martin: Gewiss, der Beschädigende - und wie will man ihn finden?
Nicht logisch ist es nur auf den ersten Blick. Es gibt nämlich - leider - eine logische Asymmetrie zwischen "Bösen" und "Guten": Ein einziger Vandale zerstört, was hundert anständige Nutzer nutzend bewahrt haben.

Klaus Bailly am 19.02.04 23:54 #
 

Und deshalb sperren wir dann zu? Wir bestrafen 100 Ehrliche wegen eines Idioten? Anstatt dass wir uns bemühen aus dem einen Idioten einen halben zu machen und so bei gleichem Reparaturbudget die doppelte Menge an Bürgern zufrieden zu machen?

Martin Röll am 20.02.04 09:47 #
 

Ein gutes Beispiel wie das Schulgelände nach ein paar Tagen aussehen würde, zeigt doch das obige Foto. Schild und Pfosten sind doch ein Beleg dafür das Jugendliche lieber das Gelände mit Edding vemalen, als das Gelände sinnvoll zu nutzen.

Und mal nebenbei, was soll man auf einem Schulgelände nach Schulschluss? Wir waren immer froh da endlich abhauen zu dürfen :) Es gibt doch zahlreiche andere Plätze die sich besser eignen: Bolzplatz, Spielplatz und Co.

Dominik am 20.02.04 20:04 #