5. Februar 2004

[ Blogging ]

Über Fotoblogs und Kritik

Screenshot: Fotoblog 'Bilder im Kopf'

Emese Gaal fragt: Is photoblogging good for photography? und schreibt darüber, wie Fotoblogs im Gegensatz zu Foto-Communities à la fotocommunity.de relativ kritikfrei sind:

(...) only posting photos on my own blog has lulled me into a sense of complacency. While people with contrary opinions frequent political blogs, most photoblogs seem to be immune to critical comments. In any other photo community comments about over- or under- exposure, distracting image composition, a lack of sharpness, and other flaws would be quite common. In my experience, they are virtually non-existent in the photoblogging world.

Er erklärt das mit dem "Wohnzimmereffekt":

I'm assuming you treat visiting here the same way you would visiting my house and talking to me in person. You try to be polite and not hurt my feelings. And if you say something it's usually something nice, not something critical.

Seine Beobachtung kann ich bestätigen: Ich kenne kein Fotoblog, in dem regelmäßig Bilder kritisiert werden. Gerade bei hervorragenden Fotografen wie z.B. Sam Javanrouh finden sich viel eher lange "toll" "super" "irre"-Kaskaden in den Kommentaren.

Ich denke aber, dass das kein Naturgesetz sein muss: Es ist vielmehr eine Frage der Atmosphäre, die man selbst in seinem Fotoblog schafft: Veröffentlicht man nur Fotos und macht die Kommentarfunktion auf, wird es nicht viel Kritik geben. Schreibt man aber selbst über die fotografische Technik, weist vielleicht auf Fehler im Bild hin und bittet um Kritik, kann das schon ganz anders aussehen.

Fraglich ist, ob das viele wollen. Ich denke die meisten Fotoblogger sehen fotobloggen als eine Übung: Sie führen ein Fotoblog um regelmäßig zu fotografieren und um ihre Bilder auszustellen. In dem Moment, in dem sie ein Bild veröffentlichen, wissen sie schon selbst, was sie daran noch hätten besser machen können. Wenn sie weitere Kritik haben wollen, gehen sie in die Fotocommunities oder fragen bei anderen nach. Aber das eigene Fotoblog ist nicht mehr der Ort dafür: Es ist eher "Ausstellungsfläche" als "Werkstatt" oder "Atelier".

Anyway. Wer gerne eins von meinen Bildern auf Bilder im Kopf kritisieren möchte, sei hiermit herzlich dazu eingeladen! :-)

Danke an Rainer Langenhan für den Link.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Dirk Jesse wunderte sich heute ein wenig über die allgemeine Sprachlosigkeit der Photoblog-Szene. Interessanter Weise geriet die Blogspäre erst vor kurzem wieder in Wallung über diesen Artikel - nur die Photo- oder Fotoblogger (wie auch immer) bl...

mighty.de: Photoblogs sind nicht vernetzt (26.02.05 23:41)

 

Hallo,

über Sinn und Unsinn von Fotoblogs kann man sicher trefflich streiten. Ich kann den Eindruck, den du beschreibst, auch nur bestätigen. Mir ist kaum ein kritischer Kommentar in Erinnerung.

Was ich für mich bedenklich finde, ist die Flut von Bildern, denen man ausgesetzt ist. Durch die Digitaltechnik wird ja heute jeder "Scheiss" fotografiert und landet Minuten später in irgendeinem blog. Das stumpft nun auch die Wahrnehmung mit der Zeit ab... und wirklich gute Bilder bleiben dann oft auf der Strecke...

Liebe Grüsse, kho

kho am 05.02.04 13:16 #
 

Ich hatte nicht vor, über den Sinn und Unsinn von Fotoblogs zu streiten. ;-) Jedes Fotoblog hat einen Sinn, zumindest für den Fotoblogger. Und das reicht schon.

Der Bilderflut setzt Du Dich freiwillig aus. Dadurch, dass mehr schlechte Bilder gemacht werden, werden nicht weniger gute Bilder gemacht.

Martin Röll am 05.02.04 16:15 #
 

Interessantes Thema. IMO ist ein Fotoblog auch nicht dazu da, Kritik (ob positiv oder negativ) zu generieren. Es sind Momente im Leben eines Menschen, die auf Zelluloid (bzw. Bits und Bytes) gebannt wurden. Sie machen dadurch i.d.R. auch nur im individuellen Kontext Sinn. Unzählige Galerien (ob in Blogform oder nicht) tummeln sich unkommentiert im Internet. Man erfreut sich daran oder kann damit nichts anfangen.

Noch ein Gedanke zum Stichwort Qualität: Der Großteil der Fotoblogs ist purer Dilettantismus (und hier schließe ich mich ausdrücklich ein). Weil die Bilder von Laien erstellt wurden. Qualitativ gute Bilder kann nur der machen, der sich mit der Materie Fotografie auseinander gesetzt hat. Also ein Profi ist. Oder würdet Ihr ein IT-Konzept vom Metzger um die Ecke erarbeiten lassen?

Wolfgang Jarausch am 06.02.04 00:22 #
 
Oder würdet Ihr ein IT-Konzept vom Metzger um die Ecke erarbeiten lassen?
Vielleicht würden einige IT-Projekte besser laufen, wenn der Metzger von der Ecke beteiligt wäre. Denn IT'ler verlieren doch oft den Blick fürs eigentliche. In deren Blickwinkel steht nicht der Kunde im Mittelpunkt sondern die Technik. Also nicht das Ziel sondern der Weg.

Genauso sehe ich es bei Fotologs. Mir ist ein Bild von einem Hobbyfotografen, welches versucht seine Gefühle zu verwirklichen oder die Situation festzuhalten lieber, als ein perfekt abgestimmtes und inziniertes Bild eines Profifotografen. Hier kommt nämlich eine Komponente ins Spiel die indiskutabel ist: Geschmack.

Dominik Meyer am 06.02.04 11:28 #
 

Hi,

ich konnte mich bisher noch nicht dazu entschließen, ein separates Fotoblog zu eröffnen, dennoch ist der Fotoanteil in meinem Blog recht hoch und steigt beständig.

Für mich ist das Fotografieren ein nach langer Zeit wiederentdecktes Hobby und alles was als gelungen gilt, kommt ins Weblog. Leider habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass Fotos gar nicht bzw. nur sehr selten kommentiert werden. Doch gerade darin sehe ich eigentlich den Reiz des Ganzen. Kann die Stimmung übertragen werden? Was hätte besser gelöst werden können? Ich denke, sobald man selbst eine gewisse Auswahl tifft, was man veröffentlicht, ist auch die Meinung anderer interessant.

Dirk am 08.02.04 20:15 #
 

ein fotoblog ist ja auch keine community. und ob das technikgequatsche in fotoforen gut fuer die fotografie ist, glaube ich auch nicht. ich bin allerdings nicht repraesentativ, denn ich finde fotozeitschriften wie colorfoto etc. grauenhaft. insbesondere die "besten leserfotos" finde ich super geschmacklos.

aber mit fotos ist was wie mit musik. jeder gitarrist eine nachspielkapelle kann technisch besser spielen als z.b. kurt cobain, aber trotzdem machen sie meist nur irrelvante musik.

kris am 12.02.04 23:18 #