29. Januar 2004

[ Unternehmertum ]

Unternehmen gründen als (noch) Angestellter

Curt Rosengren hat eine Linksammlung zur Unternehmensgründung aus der Festanstellung heraus zusammengestellt. (Via Ton Zijlstra)

If they're not ready to make a grand leap and change careers, I encourage people to take a dual track approach to pursuing their passion. Keep their day job, but start taking the steps on the side to build toward what they really want to be doing, even if it's a long-term process to get there.

Ich habe dort einen kleinen Kommentar hinterlassen, wie das bei mir war, als ich meinen (ersten und einzigen) Angestelltenjob gekündigt habe, um mich selbstständig zu machen.

Ein Unternehmen aus der Festanstellung heraus zu gründen ist oft eine gute Idee, vor allem wenn der Arbeitgeber es unterstützt. Es minimiert das finanzielle Risiko und gibt einem die Möglichkeit, seine Meinung noch zu ändern, wenn sich herausstellt, dass selbstständig sein doch nicht das ist, was man will. Es passt aber nicht zu jedem. Manche (wie ich damals, heute wäre ich vielleicht anders) können nur "voll oder gar nicht". Sie gehen sowohl als Angestellter wie auch als Unternehmer ein, wenn sie beides parallel machen wollen.

[Update] Bei Curt gibt es ein follow-up.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Martin Röll hat auf seinem EBusiness Blog einen interessanten Artikel zu dem o.g. Thema verfasst. Es ist durchaus ein sehr vernünftiger Weg, aus einer sicheren Position der Festanstellung (Finanzen...) heraus schon einmal die ersten Schritte in Richtun...

MEX Blog: Selbstständig aus der Festanstellung heraus (02.02.04 15:35)

 

ich msste erstmal einen chef haben der sowas unterstützt.
Es fallen hier öfters setze wie "ich fürchte mich schon vor dem tag wo ich auf einer presentation gegen dich antreten soll"

amano am 29.01.04 12:41 #
 

Eine Anstellung kann auch ganz praktisch sein, um einen Kundenstamm aufzubauen. Den man dann ganz gemütlich mitnimmt. Habe ich 1995 gemacht. Das hat zwar einen blutigen Krieg mit den ahnungslosen und überraschten Arbeitgebern gegeben. Doch im Ergebnis hat es sich die kleine Unsportlichkeit zig-mal gelohnt. (Falls Junganwälte mitlesen: Man kann bei so einer Aktion auch krasse Fehler machen. Ich habe sie alle gemacht.)

Udo Vetter am 29.01.04 22:06 #
 

Bei vielen ehemaligen Kommilitonen steht in ihrem Arbeitsvertrag eine ganz bestimmte Klausel, die es einem verbietet nebenbei ohne Erlaubnis des Arbeitgebers noch ein Gewerbe zu führen. Somit stellt sich der parallele Aufbau etwas schwierig dar.

Dominik Meyer am 30.01.04 10:54 #
 

Nicht, wenn man die Erlaubnis hat. Ein kluger Arbeitgeber sollte seinem Mitarbeiter erlauben, ein Gewerbe zu führen, wenn der darum bittet (und es keine zwingenden Gründe gibt, es nicht zu gestatten, die Gründung eines direkt konkurrierenden Unternehmens z.B.).

Martin Röll am 30.01.04 11:14 #
 

> Ein kluger Arbeitgeber sollte seinem Mitarbeiter erlauben, ein Gewerbe zu führen

Kannst du ein paar plauslible Gründe nennen warum ein Arbeitgeber soetwas erlauben sollte?

amano am 30.01.04 12:17 #
 

Wenn ein Mitarbeiter sich selbstständig machen will, wird er das früher oder später so oder so tun. Wenn ein Arbeitgeber ihm das also parallel zum Angestelltenverhältnis verbietet

  • macht er es heimlich
  • wächst in ihm der Unmut
  • kündigt er ggf. früher

Alles das führt dazu, dass das Unternehmen Schaden trägt. Der Mitarbeiter arbeitet nicht mehr so gut wie vorher. (Von möglichen Synergien mit dem zu gründenden Unternehmen des Mitarbeiter will ich mal nicht anfangen - das ist zu spekulativ (obwohl es dafür sogar schöne Empirik gibt).)

Aber lass und die Argumentation auch mal andersrum aufziehen: Aus welchen Gründen sollte ein Arbeitgeber es seinem Mitarbeiter nicht erlauben, ein Gewerbe zu starten?

Martin Röll am 30.01.04 14:46 #
 

1. Interessenkollision und
2. Risiko auf Reduzierung der eigenen Arbeitsleistung

zu 1.) bestimmte Arbeitgeber haben einen derart großen Kundenkreis, daß es unweigerlich zu Konstellationen kommt, in denen man als Gewerbetreibender den gleichen Kunden hat. Selbstverständlich liegt der leise Verdacht nahe, woher der Mitarbeiter auf diesen Kunden gekommen ist. Etwa auf Basis von firmeninternen Kundeninformationen, die er sonst so nicht hätte? Auch wenn es natürlich nicht stimmt, der Verdacht liegt immer nahe. Gerade bei Banken und Versicherungen sieht man verdammt viel über den Kunden.

2. Je besser das eigene Geschäft läuft, umso größer das Arbeitspensum. Wo bleibt die Energie für die Festanstellung? Als zB Führungskraft ist man nicht mehr der Jüngste und es ist hart genug, einen 12-16 Stunden Arbeitstag zu bewältigen. Dann noch selbstständig? Wow, wer über 30 zwei vollwertige Aufgaben dauerhaft parallel angeht, hat meine Bewunderung.

Die obigen Argumente - ich betone es extra - sind nicht meine persönlichen, sondern aus einer möglichen Risikosicht des Unternehmens. Diese Bedenken müssen unbedingt vorher (zw. Perso-Abtlg., direktem Chefe und Angestellten) gemeinsam besprochen und bereinigt werden.

Robert Basic am 01.02.04 14:20 #
 

nehmen wir mal ein beispiel.

angestellter : "boss, ich würd gerne mehr geld haben und ihnen nichts davon abgeben. ich würde gerne am wettbewerb um die kunden gegen sie antreten und als sicherheit trozdem bei ihnen angestellt bleiben damit ich ein auffangnetz habe"
boss : "nein, das kann ich nicht machen. damit würde ich ja an meinem eigenen bein sägen"
angestellter : "ohhh, sie sind so ein fieser kerl. ich geh jetzt an meinen arbeitsplatz und schnmolle unproduktiv vor mich hin"

bis hierhin zwar merkwürdig aber realistisch. nun teilen wir die folgen der unterhaltung in zwei welten auf:

MARTIN RÖLLs WELT
boss : "der arme kerl. jetzt baut er garnicht mehr so tolle konzepte wie vorher und evtl. schwindet nun unser qualitätsstandard. am besten ich rede nochmal mit ihm und erlaube ihm sich selbstständig zu machen, dann arbeitet er wieder produktiver. sollte ich ihm evtl. noch ne gehaltserhöhung geben?"

REALITÄT
boss : "so ein spinner. frau meyer, schreiben sie bitte eine kündigung für herrn müller, ich glaube er ist psychisch labil und wir können seine stelle eh wegrationalisieren."

wach auf neo martin, wach auf

;)

amano am 03.02.04 11:20 #
 

Hehe. :-)

Nee, im Ernst: Dein Bild des Angestellten ist ein bisschen zu negativ: Wenn er wirklich mit seinem Arbeitgeber konkurrieren will und den Arbeitgeber nur noch als Auffangnetz braucht, funktioniert das natürlich nicht. Aber ansonstens bleibt's dabei: Ein unglücklicher Mitarbeiter hilft dem Chef nichts. Er kann ihn also rauswerfen (doofer Chef) oder zusehen, ob beide noch was voneinander haben können (kluger Chef).

Martin Röll am 03.02.04 11:48 #
 

Hier gibt es noch was schönes dazu zu lesen: Ton's Interdependent Thoughts: Covey on Management.

Martin Röll am 04.02.04 01:10 #
 

ohne dir zu nahe treten zu wollen geht mir doch der satz eines guten freundes durch den kopf : komm mal raus aus deiner kleinen pinken barbie und ken welt!

doofer chef = fieser chef/realität
kluger chef = hippie/ausgestorben

aber gut, ich komme aus der arbeiterklasse, da sieht alles sicher etwas anders aus als im feld der consultants. ich schaue von norden, du von süden, ich seh meine seite, du die andere etc.tt. bla bla ...

aber mal ehrlich, wie sollte der angestellte nicht mit dem boss konkurieren? soll ein webdesigner der bei einer webdesignfirma arbeitet sich nebenher als gärtner selbstständig machen wollen? okay, wenn es solche fälle gibt (sicher eher selten) dann kann ich mir vorstellen dass ein chef sagt "irre, gärtner? na gut, mach ruhig" (in Gedanken "der spinnt doch, besser ich erlaube ihm das, nacher rennt der hier noch mit ner kettensäge rein udn dreht ganzt durch ... ich ruf mal den sicherheitsdienst an dass der n auge auf den jungen wirft ...")

;)

amano am 04.02.04 10:57 #
 

... womit wir an der Stelle wären, an der die Diskussion immer endet: Der Realist versucht dem Konstruktivisten seine Weltsicht aufzuzwingen und ihm (seine) "Realität" zu verkaufen. :)

Zum letzten Absatz: Ein Programmierer macht sich selbstständig um selber Software zu entwickeln? (Andere, als sein Arbeitgeber.) Ein Manager geht und gründet ein Industriunternehmen? (In einer anderen Branche als sein Arbeitgeber.) Ein Ingeneur geht und entwickelt Produkte? (Für einen anderen Markt als sein Arbeitgeber.) Selbst der Webdesigner kann sich einen anderen Markt aussuchen. (Der Freelance Webdesginer hat einen anderen Markt als Pixelpark.)

Martin Röll am 04.02.04 11:17 #
 

Hallo! Ich bin soeben auf diese interessante und mitreißende Diskussion gestoßen. Das Thema interessiert mich.

eine Anmerkung:
"doofer chef = fieser chef/realität
kluger chef = hippie/ausgestorben"

=> Das kann ich nicht nachvollziehen. Vielleicht wäre eine Unterteilung in:
älterer Chef = grummeliger Bauchentscheidertyp
jüngerer Chef = rechnet vorher nach Typ
realistischer.

Meine Frage ist aber: Hat die ganze Diskussion über "darf ich bitte..." auch eine rechtliche Grundlage? Klar, ich darf nicht konkurrieren, aber wo ist "konkurrieren" denn definiert? Das Segment wird meistens wie erwähnt wurde ähnlich sein - zu ähnlich?

Markus P. am 27.12.04 00:30 #