22. Januar 2004

[ E-Commerce ]

Geld fürs Bloggen: "Creative Weblogging"

"Creative Weblogging" will Autoren Weblogs zur Verfügung stellen und sie zu verschiedenen Themen bloggen lassen. Dafür kriegen sie "professionelles Marketing", "weltweite Erreichbarkeit" und 40% der Umsätze, die über das jeweilige Blog erzielt werden. (Via BlogHaus.)

Das wird so nicht funktionieren. Warum sollte sich irgendein Mensch auf den Handel einlassen, wenn er auch 100% der Umsätze haben kann? Das "eigene Weblog aufsetzen" ist heute keine Barriere mehr, also bleibt nur die Vermarktung: Sie ist das einzige Argument für einen Autor, sich einem Anbieter wie Creative Weblogging anzuschließen!

Wir hatten wird das schonmal: Das Geschäftsmodell von Creative Weblogging ist das gleiche wie das von Weblogs Inc und das ist für Schreiber einfach nicht attraktiv.

Gegenbeispiel: Nick Dentons Projekte wie z.B. FleshBot funktionieren. Warum? Weil Nick es den Autoren klar machen kann, das es funktionieren wird: Dass es Aufmerksamkeit und Umsätze geben wird. Warum glaubt man ihm das? Weil er Renommée hat.

Wer ist also "Creative Weblogging Limited" aus Birmingham, England? Die Website gibt nichts her. Es ist eine schlechte Idee, einen auf Content basierenden Fachdienst quasi anonym anzugehen. Machen wir es doch mal persönlicher: Hallo Torsten! Erklärst Du uns was? Deine Telefonnummer ist die gleiche wie die von Creative Weblogging Limited, also weißt Du doch bestimmt was, oder? Sag was! Blogg mal was!

Oh, und falls sich einer der Mitlesenden mit dem Gedanken trägt, für Creative Weblogging ein Blog zu starten: Lasst uns mal reden. Ich mach Euch ein besseres Angebot.

[Nachtrag] Diskussion gibt es bei Moe und im Metablog mit dem furchtbaren Namen.

[Update 26.01.04] Torsten Jacobi lüftet den Schleier und schreibt über das "Geschäftsmodell", ohne allerdings die wesentlichen Fragen zu beantworten.
[29.01.04] Ich hab mal in den Kommentaren nachgefragt.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Torsten Jacobi (with others) has launched a service aimed at providing a variety of weblogs with "vertical" themes. Check out what's there already and look at the subjects they're interested in. Perhaps there's something there you can write about! The...

The Silent Penguin: Vertical Weblogs (26.01.04 18:21)

Ich hab mich immer gefragt, warum so viele Leute auf Kampf irgendein "Weblog-Geschäftsmodell" sehen wollen und die ganze Blogwelt so ernst nehmen. Da sinkt vermeintlich das Postingvolumen der .de-Blogosphere (Wahrnehmung...

Das E-Business Weblog: Weblogs und Geschäftsmodelle (30.04.04 13:08)

 

Hey,
wie du das mit der Telefonnummer schon wieder rausbekommen hast...

Was mir aufgefallen ist: 40 Prozent gibt's - aber wovon? Sprich: Von welcher Werbung? Ein Kommentar dort wirft die frage auch schon auf, unbeantwortet...

Ulrich am 22.01.04 14:55 #
 

Die Einträge im Blog waren mit "TJ" unterzeichnet - von da kam die Vermutung, dass Torsten was damit zu tun hat, was ich dann überprüft habe. Nicht, dass hier noch Spionagevorwürfe kommen... ;-)

Martin Roell am 22.01.04 15:01 #
 

Nochmal zu den 40 Prozent: Ich hatte das bei mir etwas blöd ausgesrückt, Autoren bekommen 60 Prozent, die Firma 40. Ändert natürlich nichts an der Frage, wo der Umsatz herkommen soll. Von AdSense alleine sicher nicht. Ich würde mal tippen, es geht um Hintergrund-Deals mit themenaffinen Unternehmen. Aber das ist nur eine Vermutung.

Dien Infos kommen übrigens aus der Jonet-Mailingliste, in der TJ ein Posting dazu abgesetzt hat.

meise am 23.01.04 10:52 #
 

meise: Das stimmt nicht. Die "Informationen für Autoren, die ich auch oben verlinkt habe sagen ausdrücklich: "so bieten wir Ihnen das Folgende:(...)* 40% aller Umsätze des Weblogs".

Martin Röll am 23.01.04 11:05 #
 

Nachtrag: Ich habe mal in der Jonet-Mailingliste nachgelesen (seit der Weblogs/Spiegel-Sache lurke ich dort auch mit). Da das eine geschlossene Liste ist, will ich hier nicht vollständig daraus zitieren. Bemerkenswert finde ich allerdings, dass TJ dort ein Umsatzversprechen abgibt ("Rein erfolgsabhängig - 40% Umsatzbeteiligung werden an Sie ausgezahlt. Dies ergibt je nach Themengebiet zwischen EUR (...) und EUR (...) pro Jahr.") und dass er auf die kritischen Nachfragen bisher nicht geantwortet hat.

Martin Röll am 23.01.04 11:12 #
 

Ja stimmt, es sind nur 40 Prozent, die da ausgezahlt werden, da habe ich mich verlesen.

Insgesamt muss man feststellen, dass die genannten Summen wohl nicht gerade einem professionellen Standard entsprechen, nicht mal unter den gegenwärtigen Bedingungen.

meise am 26.01.04 10:53 #
 

Torsten Jacobi erwaehnt About.com. Diese (ehemalige) Experten-Community ist aus der Sicht von Experten bzw. Autoren, die Inhalte zur Verfuegung stellen sollen, eher ein abschreckendes Beispiel. Anfangs haben dort einige Autoren gutes Geld verdient, teilweise sogar davon leben können. Andere haben sich als Autoren als Experten für bestimmte Bereiche einen Namen gemacht (so Donald Sullivan als Suchmaschnen-Guru).

Nach einem Verkauf des Portals wurden im Herbst 2001 jedoch mehrere hundert Guides aus ökonomischen Gründen "entlassen", da sich Nischenthemen nicht gerechnet haben. Sie fanden auf verschiedenen Websites eine neue Heimat. Eric Ward hat eine Liste der neuen Sites entlassener About-Guides zusammengestellt. http://www.ericward.com/guidehelp/relocationdirectory.html

Vor diesem Hintergrund stellt sich natuerlich fuer Experten/Autoren schon die Frage wieso sie jetzt, da die technischen Moeglichkeiten es Autoren/Experten kostenguenstig erlauben, eigene Marken zu schaffen, sich an einem kooperativen Projekt beteiligen sollten?

Gruende hierfuer koennten sein:
- redaktionelle Betreuung, etwa Korrekturlesen wechselseitig oder durch eine "Chefredaktion"
- direkte Anzeigenacquisition durch die Zentrale (Google Adsense vermarktet einzelne Pages und sollte deshalb auch von den Autoren einzelner Seiten per eigenem Adsense-Account abgerechnet werden). Es gibt aber moegicherweise grosse Anzeigenkunden/Sponsoren, die man nur per zentralem Key-Account-Management gewinnen kann.
- Workshops, um Nachwuchsautoren anzuleiten, zu trainieren
- juristische Beratung (generelle Durchsicht aller Seiten oder Beratung auf Anfrage in Zweifelsfaellen)
- Rahmenvertraege mit Verkaeufern von Bildrechten
usw.
- PR-Dienstleistungen, etwa Kooperationen mit Printmedien, bei denen sich ein Autorenkollektiv leichter praesentieren laesst als einzelne Autoren.

Gerhard Schoolmann am 29.01.04 12:31 #