6. Januar 2004

[ Strategie ]

Finanzierungsmodelle von Blog-Plattformen

Jim schreibt über Finanzierungsmöglichkeiten von Weblog-Plattformen. Ich verstehe seinen Ansatz nicht so richtig - er stellt Strategien zum Erzielen von laufenden Einnahmen neben reine Investmentmöglichkeiten ("Unternehmensverkauf" als Finanzierungsmodell? Wir müssen doch erstmal das Unternehmen bauen!) - deshalb nur einige Anmerkungen zu Details:

Spenden


Jim meint, dass eine Finanzierung über Spenden "auf Dauer keine Lösung" sei, begründet das aber nicht. Warum nicht? Wenn es nur darum geht, einen Blogdienst betreiben zu können, man aber nicht davon leben muss/will (so wie es z.B. derzeit bei blogger.de der Fall zu sein scheint), kann das wunderbar funktionieren.

Vereinsgründung, Finanzierung über Vereinsbeiträge.

Ich sehe nicht, wie das ein Finanzierungsmodell an sich sein soll. Wenn Leute, die den Dienst nutzen wollen verpflichtet sind, dem Verein eizutreten und Beiträge zu entrichten, ist das das gleiche wie ein kommerzieller Dienst. Dann ist es eine reine Frage der Rechtsform, ob ein Verein oder eine andere Form geeignet ist. Für die Finanzierung ist das aber im Grunde unerheblich: Der Dienst muss so konkurrenzfähig sein, dass die Nutzer bereit sind, dafür Geld auf den Tisch zu legen.

Jim warnt vor dem Vereinsmodell und schreibt: "Der/Die Vereinsgründer könnten die Kontrolle über den Dienst verlieren. Sie könnten überstimmt werden. Keine gute Motivation für eine riskante Expedition ins Unbekannte." Das ist falsch. Mit einer richtigen Vereinskonstruktion (z.B. mit Fördermitgliedschaften) kann das verhindert werden.

Risikokapital


Zur Finanzierung über Risikokapital schreibt Jim: Voraussetzung ist ein Unternehmen, an dem sie nicht unter 50% beteiligt werden wollen.. Wahrscheinlich kennen wir unterschiedliche Risikokapitalgeber. Mir ist in den letzten Jahren im Internetbereich in Deutschland kein VC-Investment bekannt, bei dem die Risikokapitalgeber eine Anteilsmehrheit gewollt oder bekommen hätten. Aber ich bin da kein Experte mehr. Man möge mich bitte korrigieren, wenn sich das inzwischen so arg gewandelt hat.

Offen bleibt die Frage, warum ein Kapitalgeber überhaupt an einem Blogdienst interessiert sein sollte. Bevor man sich mit so einer Finanzierungsstrategie befasst, sollte doch erstmal das eigentliche Geschäftsmodell geklärt sein.

Werbung


Zu Werbung meint Jim, dass man eine "Agentur" brauchen würde und dass man als Plattformbetreiber sehr viele Blogs brauchen würde:
"Die Zeit in Deutschland ist dafür aber noch nicht ganz reif. Wir sprechen hier über eine Basis von mindestens 100.000 aktiven Bloggs bei einem Provider."

Sorry Jim, aber das ist großer Quatsch. Wenn wir wirklich nur über Größenordnungen von <1000 € monatlich sprechen (bei blogger.de geht es im Moment um nicht mal dreistellige Beträge im Monat!), ist es ein Kinderspiel, einen Blogdienst über Werbung zu finanzieren, selbst bei nur einer vierstelligen Anzahl aktiver Blogs.

(Möglicherweise reden wir hier aneinander vorbei: In Jims Artikel geht es gleichzeitig um Spaßprojekte, die nur überleben, aber nicht geschäftlich erfolgreich sein müssen, und um Risikokapital. Um eine professionelle Plattform allein auf einem Werbegeschäftsmodell zu betreiben (und sie einem Risikokapitalgeber anzubieten), hätte ich auch lieber 100.000 Blogs. ;-))

Synthese: Keine. ;-) Nur: Ich weiß nicht, ob ich Spaßprojekte mit professionellen Projekten in einen Topf werfen würde. Gelogen. Ich würde es nicht machen. Plattformen, die neben anderen Dingen (Weltherrschaft und so) dazu dienen sollen, den Lebensunterhalt der Eigentümer zu sichern, müssen an die Finanzierung völlig anders herangehen, als solche, die vor allem ihrer selbst willen überleben sollen.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Mir ging es hier nicht um Spassprojekte sondern um professionelle Anbieter. Häufig wachsen aber Spassprojekte. Viele wundern sich dann, dass ihnen die Sache enzgleitet und sie teilweise überfordert sind. Zeitlich unsd oft auch finanziell.

Der Artikel zeigt einfach ein grosses Spektrum von Möglichkeiten für BloggAnbieter mit unterschiedlichen Motivationen und Ambitionen.

Nbenbei gefragt: Wie sind denn deine Erfahrungen mit GoogleAds? Reine Neugier ... ;)

Jim am 06.01.04 19:45 #
 

Wenn Du AdSense meinst: Dazu hab ich eine Bemerkung drüben eingestellt. Weitere Diskussion dazu bitte dort.

Martin Röll am 06.01.04 21:37 #
 

die frage ob etwas funktioniert ist ja auch immer damit verbunden wie man es einbindet.

einfach nur amazon produkte anbieten scheint ja nicht zu funktionieren wie man an blogger.de sehen kann.

wenn hingegen ein filme weblog die jeweils beschriebenen filme über amazon zum kaufen anbietet kann ich mir schon vorstellen dass das geld einbringt.

amano am 07.01.04 09:23 #
 

Ja doch. Natürlich ist es sauschwer mit einem Blogging-Dienst den lebensunterhalt zu verdienen. Fatal scheint mir hierbei zu sein, dass es zur Zeit nicht möglich ist, genügend kommerziellen Nutzen zu stiften, der es ermöglichsne würde, mit Services ausreichend Geld zu verdienen.

Könnte ein mögliches Business-Modell vielleicht dann auch so aussehen:

Betreibe eine technisch gut funktionierende und für den Blogger preiswerte Plattform.
Versuche dann, Dienstleistungen zu generieren, die Firmen, Organisationen, Vereinen etc. einen zusätzlichen Nutzen stiften.
Verdiene mit der Implementierung dieser Services das nötige Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen.
usw.

Werner Bohlmann am 30.01.04 09:51 #
 

Welche Dienstleistungen für Organisationen schweben Dir da vor?

Martin Röll am 30.01.04 09:58 #
 

Zum Beispiel die Weblogs für Die Zeit bei Blogg.de. Sowas hat amano sicher gemeint.

strudel am 09.03.04 10:56 #