9. Dezember 2003

[ Kommunikation ]

Implizite Annahmen

Gestern Abend hatte ich wieder zwei Gespräche, indem ich und meine Gesprächspartner, beide Informatiker, oft aneinander vorbeigeredet haben. Die Ursache lag in der verwendeten Sprache und in impliziten Annahmen.

Das erste Gespräch: Ich sagte: "Projekt" und meinte sowas wie ein

"Vorhaben, das im wesentlichen durch Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist, wie z.B. Zielvorgabe; zeitliche, finanzielle, personelle oder andere Begrenzungen; Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben; projektspezifische Organisation." (DIN 69 901)
Mein Gesprächspartner hörte und sagte "Projekt" und meinte: "Softwareentwicklungsprojekt".

Ich sagte ein paarmal "Verbesserungsvorschlag" und meinte "erkanntes Innovationpotential". Er sagte "Verbesserungsvorschlag" und meinte "Feature Request". Wenn man dann über Softwaretools zur Unterstützung des Projektmanagements redet, kommt nicht viel Sinnvolles raus. Kaufmännische SJ-Projektressourcen ticken anders alt geekige Informatiker-NTs.

Im zweiten Gespräch, anderer Gesprächspartner, redeten wir furchtbar lange über ein IT-Konzept, das ich mal entworfen hatte und stritten uns über seinen Wert. Bis mein Gesprächspartner ganz am Ende fragte: "Was ist eigentlich das Problem?" und ich meinte: "Ich glaube es gibt keins." Ich hatte das Konzept nie als Problemlösung, sondern vor allem als Gedankenspiel verstanden. ("So könnte man das machen, ob es was nutzt, müsst ihr selber rausfinden. Hat jemand ein Problem, auf das das hier passen könnte?")

Gleich zwei Annahmen spielen da mit: "Das Konzept bezieht sich auf ein existierendes Problem" und vor allem: "Das Konzept soll das Problem, das ich im Kopf habe lösen." Man kann das natürlich auch umdrehen: Ich selbst hatte die Annahme, dass es "klar" wäre, dass sich das Konzept nicht auf ein konkretes Problem bezieht. ("Wenn ich nicht definiert habe, dass es eine Problemlösung ist, ist es keine Problemlösung und wird auch nicht als solche aufgefasst werden." - Falsch.)

Sprachliche Grundlagen überprüfen. Annahmen überprüfen. Auch nachts um halb eins in Kneipen. ;-)

Damit natürlich überhaupt nicht in Zusammenhang stehend:

Gestern Abend trafen sich, nach spontanem Aufruf im Newsfeed, Rainer Wasserfuhr, Thiemo Mättig und meine Wenigkeit. Lehrreich war's für alle Beteiligten. (Widersprüche bitte in die Kommentare! ;-)) Thiemo hat's gebloggt. Danke!

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