1. November 2003

[ Wissensmanagement ]

"KM in NGOs" Workshop in Brüssel

Ich frage mich manchmal, warum Leute so erpicht darauf sind, mit Events "die Erwartungen zu übertreffen". Der KM in NGOs-Workshop in Brüssel erfüllte jedenfalls genau meine Erwartungen (ja, sogar den schlechten Kaffee hatte ich erwartet) und das war gut.

Es gab wenige mittelmäßige, viele gute und einige sehr gute Vorträge, viele neue Ideen und Gedanken, viele Lern-Erlebnisse, gute Gespräche und vor allem interessante, intelligente, gebildete Leute, die mit sehr viel Respekt miteinander umgehen. Das ist ohnehin das, was mir an diesen Veranstaltungen am besten gefällt: Es herrscht eine Atmosphäre von gegenseitigem Respekt, die man viel zu selten findet. Jeder der da ist, weiß, was er kann und was er nicht kann, jeder weiß und geht davon aus, dass er vom anderen lernen kann. Sehr, sehr konstruktiv.

Worum ging's eigentlich? Um Wissensmanagement in NGOs. Es hatte dazu im Februar schon einmal einen Workshop mit 50 Teilnehmern gegeben, aus dem dann die NeiGbOurhood" entstaden war, die SIG für KM in NGOs auf dem Knowledgeboard.

Ein paar Notizen aus einigen Vorträgen:

Verna Allee


Verna Allee hielt den ersten Vortrag und knüpfte mit ihren ersten Bemerkungen zur Rolle der Manager, die ihrer Meinung nach heute vor allem zum "Sinn machen" da sind ("Why are we asking the questions we are asking?") für mich sehr gut an Gunter Duecks Ideen im Ausganng von E-Man an. Sie führte aus, wie Wissensmanagement auf strategischer, taktischer und operationaler Ebene aussieht und hob die Bedeutung von Informationstechnologie auf der operationalen Ebene hervor. Es wurde wieder klar, dass es dort vor allem um die Informationslogistik geht. Sie ist ein Hygienefaktor für alle weiteren Bemühungen beim Wissensmanagement.

Verna hob die Bedeutung der Sprache hervor, was mich, der ich gerade meine Begeisterung für die Sprachphilosphie entdecke, sehr froh machte. Eine Feinheit in NGOs: "Knowledge Management" kommt überhaupt nicht gut an. "Knowledge Sharing" hingegen finden alle toll. "Communities of Practise" kann man nicht überall so nennen.

Wir wissen viel zu wenig über kollektive Intelligenz. Es gibt riesige Wissenschaft über indivduelles Lernen und "individuelle Intelligenz". Aber gibt es sowas überhaupt (bzw. ist es wichtig)? Verna sagt voraus, dass kollektive Intelligenz, kollektives, kollaboratives Lernen das Forschungsthema wird.

Deutlich wird, dass das "Knowledge Café"-Prinzip immer mehr Interesse bekommt. Inzwischen gibt es wohl schon Bücher dazu. Bemerkenswert. (David Gurteen moderiert eins auf der KM Europe, Dienstag, 13:45 Uhr.)

Verna beschrieb Organisationen als biologische Systeme. Sie sind Netze, mit Kognition, Perzeption und unvorhersagbarem Verhalten. Sie tauschen mit ihrer Umwelt Materie und Energie (Tangibles) und Wissen und Information (Intangibles) aus. Letzere werden kaum betrachtet. Sie erzählte von zwei Projekten bei Cisco und Ebay bei denen Unternehmensbeziehungen analysiert und visualisiert wurden - inklusive der Wissensprozesse. Diese müssen wir verstehen, bevor wir in Technologie investieren.

Zu NGOs: Es werden immer mehr. Sie sind global vernetzt, in sich und untereinander. (Es gab dazu ein schönes Projekt bei dem mit einem Spider die Vernetzungen der NGO-Websites untereinander analysiert wurden.) Sie werden wie Rheingolds Smart Mobs. Sie sind global action networks mit viel Macht.

Nico van Oudenhoven


Nico van Oudenhoven hielt einen faszinierenden Vortrag. Er sprach über die Bedeutung von Gefühlen für unser Handeln. Ein Gedanke, den er äußerte: Wir können (sollten?) unsere Gefühle als Strukturierungshilfe für Inhalte nehmen. Eine Organisationstaxonomie die auf Core Values basiert? Da muss ich noch etwas drüber nachdenken. Da steckt irgendetwas Größeres drin.

John Moore


John Moore sprach über Vertrauen. Wir sprechen von Vertrauen oft wie von etwas binärem: "Ich vertraue ihm." "Ich vertraue ihm nicht." Wir sollte von Vertrauen viel mehr, wie etwas flexibles und kontextabhängiges sprechen.

Vertrauen vs. Risiko. We take risks to identify trustworthy links.

Unglaublich guter Vortrag. Einer von der Sorte, die man schriftlich überhaupt nicht wiedergeben kann. Absolutes Highlight war, wie er Wissensmanagement und Marketing über das Vertrauen verknüpfte. Intuitiv habe ich das schon immer gewusst (warum berate ich eigentlich bei Wissensmanagement und Marketing?), aber so formuliert hatte ich das noch nie gehört. Wunderschön.

Fehlen noch die Kaffeepausengespräche und die geheimen Informationen, nicht? Na gut, also: Bloggen wird das nächste große Ding. Wirklich. Ich weiß es jetzt sicher. ;-)

Danke Olaf Brugman für die Organisation und die rührende Vorbereitung dieses Tages. It was great to meet you in person. Dank u well voor de invitatie!

NGOBruessel-GeertKobus.jpg
Geert Kobus spricht über "KM in a multilingual setting"

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

At the NGO conference (blogged yeserday and the day before) I met Martin Roell, a German blogger and e-business guru. He's blogged the event in German so I got a chance to try Google translate which is charmingly erratic. Verna...

The Ourhouse Weblog: Google translates compliments well... but strangles a lot of stuff! (01.11.03 18:15)

Last week I've visited a great day of presentations and conversations in Brussels. Olaf Brugman hosted a workshop on knowledge sharing for NGO's. Five of those presentations I'd like to mention here, although I take it the proceedings will become...

Ton's Interdependent Thoughts: NGO workshop in Brussels (02.11.03 20:20)

 

Hallo Martin,

"Dank u well voor de invitatie"

Fast total richtig! Wuerde wel statt well schreiber jedoch. Und vielleicht statt das etwas altmodische invitatie uitnodiging benutzen.

Aber sonst: voellig einverstanden mit deiner Beschreibung vom Workshop. Morgen vielleicht auch meine Ueberlegungen dazu.

MfG aus London,

Ton

Ton Zijlstra am 01.11.03 18:19 #