24. Oktober 2003

[ Blogosphere , Communities , Wissensmanagement ]

Sprachbarrieren überwinden

Ton Zijlstra denkt nach einem Artikel von Olaf Brugman über Sprachbarrieren und wie man sie überkommen kann nach.

Olaf führt in seinem Artikel am Beispiel vom Knowledgeboard aus, wie sich durch die verschiedenen Sprachen Teilnetze in Communities bilden. Ton meint, dass zentralistische Ansätze in der Übersetzung - sei es die Reduktion auf nur eine Sprache oder das Einrichten einer zentralen Übersetzungsstelle - nicht funktionieren werden.

Er sagt, dass man "Verbinder" braucht, die die Gräben zwischen den Netzen überspannen:

"To connect networks you need connectors, networkstraddlers. Through them knowledge and information can flow between two otherwise seperated networks. So would it be possible to identify and reinforce those Connectors? They would not need to be omniglot or even polyglot, just one or perhaps two foreign language skills would suffice.

These connectors would be able to mesh the different language-networks, and we can even work out mathematically how much meshing would be needed to make it robust."

Es geht dabei nicht darum, dass alles in jede Sprache übersetzt wird. Vielmehr soll ein Fluss von Ideen durch das ganze System in Gang kommen. Wenn dann genügend Interesse da ist, werden die interessierten Leute für eine Übersetzung nach ihren Bedürfnissen sorgen.

Ton beginnt dann, über sich selbst zu reflektieren - er bloggt in drei Sprachen um, wie er sagt, sich mit drei verschiedenen geographischen Netzwerken zu verbinden.

Ich will einmal das Gleiche tun:

In meinem Weblog schreibe ich auf Deutsch, greife aber sehr oft englische Quellen auf. Damit versuche ich, Diskussionen, in die deutschsprachige Blogosphere hereinzutragen. Das klappt mal gut, mal weniger gut. Wenn es klappt, ist es leider oft eine "Einbahnstraße": Wir greifen die englischen Artikel auf und diskutieren sie, aber unsere Ergebnisse fließen nicht zurück in die englische Blogosphere.

Es gibt noch zu wenig "Brückenbauer". Haiko Hebig ist es manchmal, wenn er über deutsche Themen auf Englisch schreibt, ebenso Heiko Hebig. Marysia Milonas ist eine (da haben wir es wieder: Sie wird diesen Eintrag nicht lesen können.). A Fistful of Euros ist vielleicht ein Projekt, das Brücken bauen kann (wobei: das ist im Moment komplett auf Englisch, oder?).

Vor einiger Zeit habe ich angefangen, gelegentlich auch auf Englisch zu schreiben. Ich tue das, um mich mit meinen englischsprechenden Bekanntschaften in der Blogosphere auszutauschen. Sie wissen, dass ich sie lese und wir diskutieren ihre Einträge oft per Email oder in ihren Kommentaren, aber wenn ich ihre Artikel auf deutsch aufgreife und die Gedanken entwickle, haben sie nichts davon. Auf Englisch schreiben ist aber schwer. Ich kann das, aber es dauert länger, ist mühsamer und klingt am Ende nicht so gut und nicht so "echt" wie es sein sollte. Es klingt wie ich durch einen Filter. (Wobei sich das wahrscheinlich durch mehr Routine lösen lassen sollte.)

Manchmal habe ich auch Themen, die ich einfach in einem größeren Kreis diskutieren möchte, als das in der deutschen Blogosphere möglich ist. Dann passieren so wunderbare Dinge, wie bei den Blogheadhunters.

Ich würde gerne viel öfter mit den "Engländern" diskutieren. Es ist schade, dass so wenige von ihnen deutsch sprechen. Wenn sie es wenigstens ein bisschen könnten, könnten sie meine Artikel überfliegen und mich dann bitten eine Übersetzung zu schreiben, wenn es sie besonders interessiert. Das würde ich dann gerne tun! Die Übersetzung könnte dann aufgegriffen und diskutiert werden... (Vor einer Weile habe ich das schon einmal gemacht. Das war schön.) (Ich stelle gerade mit Schrecken fest, dass ich meinen Schreibstil fast nicht wiedererkenne. Ich habe mich sehr verändert in dem 16 Monaten seitdem.)

Wat nu? (Immer diesem schlimmen meditativen Blogeinträge ohne stringente Argumentationslinie... )

Ich hätte gerne mehr deutsche Blogs, die sich mit "meinen" Themen beschäftigen und die auch mit Englischen Quellen umgehen. Ich hätte gerne mehr Leute, die "international" bloggen und mich lesen. Ich will viel öfter auf Polnisch diskutiert, auf Schwedisch getrackbackt und von Franzosen nach der deutschen Blogosphere befragt werden!

Ich freue mich irrsinnig darauf, Ton und Olaf nächsten Mittwoch in Brüssel auf dem KM in NGOs-Workshop zu treffen. Ihr habt das prima hingekriegt mit dem Timing Eurer Artikel. :)

(Da fehlt jetzt natürlich noch der "Meta-Gedanke": Dieser Artikel macht ja genau das, was Ton beschrieben hat: Er greift die Ideen von Olaf und Ton auf und bringt sie rüber in die deutschsprechende Welt. Jetzt können wir sehen, was wir daraus machen.)

[26.10.03] Armin Grewe greift den Eintrag auf.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

This little weblog evolved from emails I sent out to a small group of friends, colleagues and associates on a...

hebig.com: Why the heck do I blog in English? (24.10.03 14:08)

 
Ich hätte gerne mehr Leute, die "international" bloggen und mich lesen. Ich will viel öfter auf Polnisch diskutiert, auf Schwedisch getrackbackt und von Franzosen nach der deutschen Blogosphere befragt werden!
Ja, das kann ich sehr gut nachvollziehen ;-/ Als neulich Volker Weber auf englisch über mein Weblog geschrieben hat und ich die ganzen Referrer von ihm überflogen habe, wurde ich ganz neidisch *g* Da waren Länder bei, von denen hab ich noch nie gehört!

Danke übrigens für den Link auf Olafs Artikel. Sehr lesenswert.

Marcus Völkel am 24.10.03 10:57 #
 

Das Problem ist ja ein altes: Was genau "übersetze" ich? Was verfälsche ich? Wieviel "Drumherum" muss ich zusätzlich erklären, um einem Leser in einem anderen Land mit einer anderen Muttersprache den Inhalt zu vermitteln? Das klappt, leider, immer nur Häppchenweise. Nur manchmal wird dann aus Blog-Häppchen eine Blog-Mahlzeit.

Heiko Hebig am 24.10.03 13:08 #
 

Ich habe mich entschlossen, überwiegend in englisch zu schreiben, weil die Leute, mit denen ich zu tun habe, alle englisch verstehen, aber nicht alle deutsch. Natürlich könnte ich leichter und besser in deutscher Sprache schreiben, aber was einen nicht umbringt ...

Themen, die für Nichtdeutsche keinen Sinn machen, bleiben auf deutsch. Wobei ich einige Leser habe, die dann über Bablefish wissen wollen, was das heisst. Wie man jemanden neugierig?

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Erzähle ich morgen. :-)

Volker Weber am 24.10.03 14:20 #
 

Sollte natürlich heissen: "Wie macht man jemanden neugierig".

In diesem Satz ein Wort. :-)

Volker Weber am 24.10.03 14:22 #
 

Martin,
I hope I was able to get most of it in Google translation :)

Sometimes I follow German-Spanish-French or more exotic referrers to my weblog, I try to understand what they wrote and I start feeling bad of not knowing enough other languages. I also suspect that there is a lot of interesting ideas develop in not-English-speaking parts of the blogosphere and I feel sad of not having access to them.

I would love to have someone writing "what's hot in German blogs" post every now and then to let poor not-speaking-German people to know what we are missing :)

And I'm waiting for a domain name to start writing in Russian - to have more human bridges...

Lilia am 24.10.03 19:31 #
 

Ich schreibe fast immer auf Englisch. Am Anfang habe ich ein paar Sachen zweisprachig geschrieben, aber nicht konsequent genug (müsste entweder immer sein, oder aus der Überschrift hervorgehen). Ich blogge auch manchmal Sachen, die bisher nur auf deutsch geschrieben wurden, allerdings decke ich kein breites Gebiet ab (juristische Übersetzung). Die Fotos sind oft aus dem deutschen Alltag an die Welt addressiert (z.B. dieses). Ich denke seit langem, das wäre ein Thema für ein Weblog, einfach über Themen in deutschen Blogs oder über das Leben in Deutschland.

MM am 24.10.03 20:28 #