23. Oktober 2003

[ Usability ]

Warum hat der GMX-Spamfilter einen Medienbruch?

Da ich mal davon ausgehe, dass die Penetrationsrate von GMX-Maildiensten bei meinen Lesern ähnlich hoch ist, wie bei meinen Studenten (dort: 40%. Die anderen 40% sind bei web.de, der Rest bei Hotmail und Konsorten), hoffe ich, dass genug Leute wissen, worüber ich schreibe:

Seit ein paar Monaten läuft bei GMX ein serverbasierter Spamfilter. Aktiviert man diesen und ruft man seine Mails über POP ab, erhält man einmal am Tag eine Mail, die einen Überblick über die "spamverdächtigen" Mails, die nicht ins POP-Postfach zugestellt wurden enthält. Die sieht dann so aus:

Statusreport vom 22.10.2003 03:05:27 bis 23.10.2003 10:52:52 Anzahl Mails in Ihrem Spamverdacht-Ordner: 653 Anzahl neue Mails im Spamverdacht-Ordner: 40

Informationen zu den neuen Mails:

[S] Von: "Frederick Shelton" 7uqnpzdp@aol.com
Betreff: how do you feel about this? qf

[H] Von: "" Jennifer233523@netzero.com
Betreff: till she holds me, I'll wait for you...........

[H] Von: "Arline Reeder" q383yqbp@mind.de
Betreff: There are hundreds of companies willing to pay ...


... und so weiter.

Wenn jetzt eine Mail fälschlicherweise als Spam einsortiert worden ist, muss man sich auf die GMX-Weboberfläche begeben, sich einloggen und die Mail per Klick wieder aus dem "Spamverdacht"-Ordner herausbefördern. Ein ekliger Medienbruch.

Warum eigentlich?

Viel einfacher wäre es, wenn ich einfach "Reply" drücken und die Mail beantworten könnte: Ich würde die Mails stehenlassen, die ich zugestellt haben will und alles andere löschen. Auf GMX-Seite würde ein Bot die Mail entgegennehmen, die Mails aus dem Spamordner herauspicken und sie freigeben.

Vorteile:

  • Der User hätte ein homogenes eMail-Interface und kein Herumgeklicke auf der Website.
  • Die Newsletterversender würden viel mehr Newsletter zustellen. (Bei mir bleiben eine Menge Newsletter im GMX-Filter hängen, aber um die anzuholen bin ich viel zu faul).
  • Auf mittlerere Sicht hätte GMX wohl weniger Supportanfragen.

Nachteile:

  • Man muss es implementieren. ;-)
  • Nicht jeder User wird begreifen, wie es funktioniert. (Muss er aber auch nicht: Er kann ja weiter das Web nutzen. Für ihn verändert sich nichts.)
  • Sonst noch was?

Hallo GMX-ler, sagt mal was. Ich weiß, dass Ihr hier mitlest. ;-)

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Für dieses Szenario wäre es interessant zu wissen wie viele GMX-User ihre Mail überhaupt downloaden oder ob nicht doch die Mehrheit sowieso das Webinterface benutzt.

bebal am 24.10.03 00:32 #
 

Ist das nicht ein einfacher Trick, um die Benutzer auf die Webseite zu locken? Wer nur POP3 benutzt, der bekommt zwar ständig den tollen Newsletter (der sich nur lokal filtern lässt), aber mehr kann GMX an solchen Menschen nicht verdienen. Dank Spam müssen die Leute hin und wieder die GMX-Seite besuchen und klicken vielleicht mal auf einen der netten Porno-Werbebanner.

Lars am 24.10.03 10:00 #
 

Lars: Würde mich wundern. Es dem User kompliziert zu machen wäre in einem Markt wie diesem denkbar unklug: Dann implementiert web.de das Mailinterface und die User sind weg - dank Weiterleitungsdienst gibt es ja so gut wie keinen "Lock-In" mehr.

Martin Röll am 24.10.03 11:27 #
 

Genau wegen dieser Problematik habe ich schon lange sämtliche Spamfilter von GMX deaktiviert und filtere zu Hause. Und das funktioniert mit Mozillas Mailclient sehr gut, sehr viel besser als die GMX-Filter. Nachteil ist natürlich mehr Traffic für GMX und für mich, bei einem Spamanteil von etwa 60% auf dieser Adresse. Wobei ich das verschmerzen kann, wenn sich aber zigtausende GMX-Benutzer so verhielten, würde GMX sicher was ändern.

Markus Glötzel am 24.10.03 14:45 #
 

Ich denke aber auch: Man will den GMXer auf dem Site haben. Nicht umsonst bedonnert einem GMX mit Werbung. Logo: So kommt das Cash rein.

Wer es halt gern werbefrei hätte: muss löhnen. Doch ob bei den Pro-Nutzern das Entspammen einfacher ist?

Problem aber am GMX-Filter ist: Zu viele "false positives", viele Newsletter und Mailinglisten-Nachrichten landen im Filter. ich hab sie aus und nutze Spampal.

Oliver Gassner am 26.10.03 13:10 #
 

Naja, nur weil man auf einmal die false positives nicht mehr online herauspicken muss würde ich nicht unbedingt sofort auf einen anderen Dienst wechseln. Dabei hat Web.de aus meiner Erfahrung mindestens genausoviele Probleme wie GMX (und die Online-Oberfläche ist bei Web.de einfach hässlich!)

Jetzt scheint allerdings auch Hotmail in diese Richtung zu arbeiten (Preview auf die "Zukunft von Hotmail")
http://g.msn.com/0HMPIM/6

Jens am 28.10.03 21:06 #