22. Oktober 2003

[ Software ]

Microsoft Office 2003

Wenn ich die Berichterstattung so durchsehe, fallen mir nur drei wichtige Dinge am neuem Microsoft Office 2003 auf: Spamfilterung in Outlook, stärkere Integration mit dem Server und DRM, das Microsoft jetzt in "Information Rights Management" (IRM) umbenannt hat.

Inhalt

  1. Information Rights Management (IRM)
  2. Spamfilterung in Outlook
  3. Integration mit Serversystemen (SharePoint, Exchange)

Fangen wir mal an:

Information Rights Management (IRM)


Keep information private by helping protect your e-mail messages and files from unauthorized copying, forwarding, or printing using the information rights management (IRM) functionality (...)

(Feature Comparison Table)

Mit "IRM" soll sensitive information "geschützt" werden. Man kann nun verhindern, dass z.B. eine E-Mail weitergeleitet oder ein Word-Dokument gedruckt wird.

Dieser BBC-Artikel geht etwas mehr ins Detail (via Konstatin Klein).

In Office 2003, people can limit who else can open, edit, copy or even print a document. You can even set a time limit on it, so that a document will 'self-destruct' after a set period, though a copy will most likely remain on a central server.

Was mir noch nicht ganz klar ist, ist: Was passiert, wenn ein solches "neues", "geschütztes" Dokument mit einem nicht-Microsoft-Programm geöffnet wird? Geht das überhaupt nocht? Oder kapselt sich Microsoft mit diesem Schritt nun endgültig ab? (Da war doch mal was mit einer Strategie der Offenheit, die sich, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, nicht nur auf die Unternehmenspolitik beziehen sollte. Wie passt das zusammen?)

Und wie ist das mit E-Mail? Was passiert, wenn mir jemand eine IRM-te "nicht weiterleitbare" Mail schickt? Ist das dann in Wirklichkeit ein verkapptes attachtes Word-Dokument (mit dem ich dann nichts anfangen kann)? Funktioniert IRM nur in homogenen Microsoft-Umgebungen? (Ich sehe schon die Warnmeldungen in Outlook: "Warning! You are sending an Email to a user who is not using Microsoft Office. Are you sure you want to do this? Your sensitive data is in danger.")

[Nachtrag] Im BBC-Artikel gibt ein Kommentator dazu Informationen:

"There are two ways, technologically speaking, to prevent others from violating the DRM rules you set in your e-mail. The first is 'voluntary' adherence by all e-mail clients, which is easily circumventable by running another e-e-mail client, and gives the user a false sense of security. The second is to require everyone to use a Microsoft e-mail viewer application to read e-mail. "

Irre. Genau wie erwartet.

[Noch ein Nachtrag] Armin Grewe hat dazu einen Blogeintrag, der weiterführt.

Spamfilterung in Outlook

David Coursey ist auf ZDNet von den Spamfiltern in Outlook völlig begeistert (via MarketingWonk). Anscheinend funktionieren die Filter gut.

Es war klar, dass Spamfilterung als "Killerdienst" kommen würde. Wenn schon AOL seinen Spamfilter als USP bewirbt... Nur: Es ist schon bezeichnend, dass sie "hardcoded" in Outlook eingebaut werden muss. Funktionierende Spamfilterung existiert seit vielen Monaten und kostet kein Geld. (Coursey meint: "Perhaps the one thing that angers me most about spam is the prospect of paying $50 or more each year for a filtering service." - Warum benutzt er keinen kostenlosen Service?) Aber da kann man jetzt fast konstruktivistisch werden: Was in Outlook nicht existiert, existiert nicht. (*)

(*) [für viele Unternehmen, die so wahnsinnig sind, Outlook als ihren Mailclient einzusetzen, also die meisten]

Zum dritten:

Integration mit Serversystemen (SharePoint, Exchange)

Mit dem neuen Office koppelt Microsoft das Paket noch enger an seine Serversysteme wie SharePoint und Exchange. Volker Weber:

"Microsoft is pushing software development on top of the "Office System". Tightly integrated with backend systems like Sharepoint or Exchange, these applications will be raising the bar for competitors in the collaboration space.

There is a big IF in this plan. Customer will have to upgrade their infrastructure with the latest MS server technologies to enable these applications. If they don't do that, Office System cannot succeed. There is no other important reason to upgrade. This is going to be a long, a very long uphill battle, but I don't have any doubt that Microsoft will fight that battle to the end. (...) If Microsoft succeeds in building an Office System that integrates with the server, that will again change the way customers buy their infrastructure. "

Coda

Keine großen Überraschungen also. Microsofts DRM-Konzept ist völlig kaputt und wird nicht funktionieren. Die "Sicherheitsmechanismen" sind alle umgehbar. Wer wirklich betrügen will, den halten sie kaum auf. Für alle anderen machen sie das Leben komplizierter. Ein Kommentator beim BBC:

"It cannot work. Microsoft's system will just engender a completely false sense of security, lock you in to their proprietary system and cause endless annoyances for end users."

Ich habe ein dummes Gefühl, dass die IRM-Funktionalitäten mit zu dem am wenigsten genutzten Features werden könnten. Aber vielleicht irre ich mich und wir kommen, zumindest zeitweise, in eine Periode "geschützter" Dokumente?

Für Unternehmen wird die Strategieentscheidung jetzt immer klarer: Wenn sie den Microsoft-Weg gehen, müssen sie ihn immer vollständiger gehen, mit Microsoft-Infrastruktur "von oben bis unten" (Office, Outlook, Exchange, SharePoint, IIS...). Die Alternativen sind Lotus (klar) und Konzepte, die auf offenen Standards basieren. In denen man noch altmodisch E-Mail nach RFC 2822 verschicken kann...

Update (23.10.03) Luke Huttemann hat das neue Office installiert. Die Update-Routine funktioniert nicht. Die Qualitätssicherung bei Microsoft schläft, schläft, schläft. Aber das wussten wir ja eh schon. (Also nur zur Sicherheit, falls jemand geglaubt hat, die übliche Microsoft-Praxis würde sich aufgrund einer neuen Office-Version ändern.)

[26.10.03] Dan Giillmor: Microsoft Puts DRM into Office

This "Information Rights Management" scheme in the latest Microsoft Office will have some value for paranoid corporate types. For the rest of us it's an absolute disaster, and we should resist.

This is digital restrictions management (DRM), and Microsoft is using it to accomplish two goals. The first is to continue down the path it has followed so ardently in recent years, taking away customers' control of what they've purchased and keeping it in the hands of the companies selling it.

The other, plain-as-day purpose is to shut out competing operating systems and products. Soon you'll be getting mail you can only open with Office and the latest version of Windows. It's a classic monopolist's tactic, and it's worked before.


Via vowe.

[27.10.03] Rainer Volz über IRM: "...würde die Nutzung dieser Funktionen immer gleich eine deutliche Botschaft an die Empfänger mitsenden: wir vertrauen euch nicht! Gut Kommunikation wünsche ich."

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Der Outlook-Spamfilter arbeitet ganz gut. In Kombination mit SpamBayes kommt quasi gar nichts mehr durch.

Tammo am 23.10.03 09:39 #