10. Oktober 2003

[ Buchmesse ]

Weblog-Vortrag auf der Buchmesse

Gestern sprachen Dieter Rappold (aka "The Austrian Dream Blogger") und Thomas Burg auf der Buchmesse über "Weblogs - Innovation im Publishing".

Moe hat eine Menge Fotos und einen auch sonst sehr lesenswerten Eintrag zu seinem Besuch gestern.

Hier sind ein paar Bilder:

Die Vortragenden werden eingeführt.

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Thomas Burg referiert.

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Oliver Gassner amüsiert sich.

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Klaus Eck auch.

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Sagte ich schon, dass er ziemlich groß ist?

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Thomas Burg zeigt seine Elvis-Imitation.

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Rappold grinst und denkt wahrscheinlich schon an die anstehende Russendisco.

Die Diskussion beim anschließenden Buffet (ich erspare Euch die Fotos) drehte sich dann darum, ob Dieter Englisch oder Deutsch geredet hatte (User-Driven Content, Baby!), ob eine Site ohne RSS sich Weblog nennen darf (Thomas Burg fast zerhackt von Oliver Gassner) und wie Lyssa zu ihrem Autorenjob kam.

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Interessant war's. Nicht nur für "uns", sondern auch für ein paar Leute im Publikum. Wir lernen immer mehr darüber, was Weblogs für Verleger bedeuten können. Und ein paar clevere Verleger lernen auch von uns.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Es gibt tausende von Autoren, die auf der Buchmesse fertige Romane anbieten und ihre Verschwörungstheorien unters Volk bringen wollen. Dieses Jahr kamen allein in meinem Umfeld 3 Teams vorbei, die ausserdem noch Bücher zum Thema Blog anbieten wollten. Die müssen echt hartknäckig gewesen sein, wenn ich an das Geschnaufe der Pressefrauen denke, die die Jungs in Empfang nehmen mussten.

Aber Lyssa scheint der Blogwelt ja schwer im Magen zu liegen, und alle denken - ich könnte doch auch? Besonders all diejenigen, die beim Thema Content schon mal versagt haben.

Nur weiter so, dann wird auch dieses Thema noch totkommerzialisiert.

Don Alphonso am 20.10.03 17:32 #
 

Diesen Vorwurf des "totkommerzialisierens" finde ich merkwürdig: Es gibt halt Weblogs. Und die Leute wollen was drüber wissen. Wenn Burg und Rappold nicht drüber reden, werden es andere tun. Und dass Leute anfangen, Bücher über neue Dinge zu schreiben, ist auch normal, oder? Was genau ist der Vorwurf?

Martin Röll am 20.10.03 18:07 #
 

Siehe das, was Neon versucht - die Blogger als Content-Steinbruch, die selbstständig das nötigen Input heranschafft. Bei Jetzt.de gab es schon die verlieben-lieben-entlieben-Bücher auf Basis der Tagebücher. Der Blogger als Produzent und Kunde, sobald es ein Buch ist; das wäre die eierlegende Wollmilchsau, oder? Ähnlich lief das bei Rebecca Casati - Blog zum Buchverkauf in der Zielgruppen-Community, oder gerade bei Rocktage.

Das ist alles irgendwo noch im Rahmen, aber was danach kommt, ist es nicht mehr:

Die AGBs von 20six sind auch in eine Richtung geschrieben, die einen echten Journalisten erst mal sprachlos zurücklassen - erinnert an Geschichten wie Ciao.com oder MeOme. Damals gab es auch schon ganz ähnliche Ideen, die Inhalte im Web zu verkaufen; Tanto hat damals via nettuner so eine Art frühes Sammelblog namens Metronaut im Programm, nur wollte das keiner. Letztes Jahr gab es dann die Idee, das ganze offline zu verkaufen; bei Ciao/Burda gab es den Plan für eine Zeitung, der sich aber zerschlagen hat.

Und jetzt eben die Blogplattformen, die sich Rechte sichern, die man nur für das Verkaufen von Inhalten braucht. Ein Schelm, wer böses dabei denkt?

Und da sehe ich - nachdem ich die gesamte Content-Problematik der Communities seit 1998 kenne - durchaus ein Problem. Denn die Methoden der inneren Kontrolle, die es da gab und die es für guten Content auch geben muss, kann man sich in einer Profiredaktion leisten - aber eine Amateur-Community wird durch sowas draufgehen. Ähnlich wird das bei den Bloggern laufen. Die Guten ziehen sich dann irgendwann auf andere Blogs zurück, aber das zerstört die Geschlossenheit.

Ich finde es super, wenn Autoren aus dem Netz den verstaubten Literaturbetrieb aufmischen. Hab ich ja auch gemacht, und der Erfolg ist einer der Gründe, warum jetzt Lektoren wieder Interesse haben, die nach the Buch in Nachfolge von ampool.de gesagt haben: Das Internet ist tot. Jetzt sehen sie: Internetautor wird in der SZ besprochen, Internetautor wird im Spiegel mit Tom Wolfe verglichen, Blumenbar-Verlag bringt die textdiebe (auch ein gutes Blogbuch), und dann riechen sie Blut. Klasse!

Aber Blut riechen auch die Reste der New Economy. Die Konzepte, von denen ich gehört habe, gehen teilweise in Richtung Sachbuch mit Themen wie "Blog-marketing" und "Blog-Content". Und da kriechen wieder die aus den Löchern, die beim Thema Content Syndication so ziemlich alles falsch gemacht haben, was man falsch machen kann.

Don Alphonso am 20.10.03 18:46 #
 

Mann, herzlichen Dank für den Kommentar!

Heute falle ich in diesen Eintrag bei praschl. Schauderhaft.

Es werden noch eine Menge "Blog"- und "Blog-Content"-Business-e kommen. Hoffen wir, dass die bald wieder sterben.

Martin Röll am 21.10.03 21:22 #