23. September 2003

[ Knowledgework und PIM ]

Wikis für konstruktive Diskussion

Clay Shirky führt in History, Personalities, Wikis Redux aus, warum es hilfreich war, im Echo Project einen Wiki zur Diskussion anstelle von Mailinglisten oder gar Weblogs zu verwenden:

Mailing lists and BBSes amplify personality, and one shudders to think what a standards effort conducted by blog would look like. Classic discussion tools have a number of forced moves built in, like allowing the users with the fastest posting tempo to rule the conversation. They are also subject to any number of delaying and distracting strategies like ad hominem attacks, vertiginous changes in scope (e.g. "Plus, we could add an agent-based micropayment market for reputational capital!") or meta-conversations about the value of the actual conversation (e.g. "As long as there's a digital divide, does any of this really matter?") that, despite their irrelevance, almost universally excite social antibodies and lead to flame wars or enervating ping-ping discussions.

Wikis führen dazu, dass die Autoren ihre Egos zurückhalten, sachlicher diskutieren und so nicht so schnell "Positionen" (auch bekannt als "Diskussions-Schützengräben") entstehen.

Clay geht auch auf ein paar Kritikpunkte zu Wikis ein:

- "Can't find earlier conversations." I think Phil's suggestion that he held back from posting on the wiki because he couldn't check the archives (unlike a mailing list) is at best a red herring and at worst a cultural misunderstanding. If he has a point of view not reflected on the wiki, he should post it, period. Whether something was considered earlier doesn't matter if it should be discussed now. The ahistoricism of the Wiki Now lets ideas see re-consideration in new contexts, rather than prematurely consigning them to the dustbin.

Sehr weise auch die Erwiderung auf den Vorwurf, es sei "zu viel zu verfolgen":

"There's too much there to follow." This has nothing to do with the wiki -- (...) its a problem with any successful conversation that is wide-ranging, long-lived, and matters to a large number of participants, regardless of format.

Mailinglisten helfen da auch nicht weiter. Zwar kann man sie leichter überfliegen, aber inhaltliche Tiefe kann in ihnen nicht entwickelt werden. Und wer sich über sie tief einarbeiten will muss unendlich viel Rauschen ausfiltern.

Schon merkwürdig, wie wir hier über Wikis, Blogs, Mailinglisten diskuitieren und Vor- und Nachteile abwägen, während 95% der Welt da draußen immer noch MS-Word-Dokumente hin- und herschiebt, ausdruckt, Meetings abhält... oder?

[20.01.04] Ross Mayfield: Fisking the Fisk über Weblogs vs. Wikis bei unterschiedlichen Meinungen. (Via Lilia Efimova.) See also: Blogs and Wiki: WikiAndBlog (*)

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Word-Dokumente? Kennst Du noch nicht die Excelleritis? Alles und jedes wird als Exceldokument verschickt. Egal, ob das Sinn macht oder nicht. Immerhin bietet mir meine Kreisverwaltung nach Protest jetzt auch die Müllabfuhrdaten wenigstens als PDF. Aber hier nörgelt eh ein bekennender Wiki-Fetischist ;-)

roland am 24.09.03 01:13 #
 

Guten Tag,

habe in der letzten Woche testweise ein Wiki als interne Kommunikations- und Informationsaustauschplattform für eine Journalistenschule (15 Leute) eingeführt.

Die Wiki-typische Art der Vernetzung und Strukturierung von Informationen ist den Nutzern allerdings wohl noch fremd - bisher sind jedenfalls kaum neue Seiten entstanden. Spontanes positives Echo gab es dagegen auf die Möglichkeit, Inhalte sehr einfach zu aktualisieren - das klappt beispielsweise beim Telefonverzeichnis sehr gut.

Leider musste ich auf das recht schlichte PHPWiki zurückgreifen, da ausgereiftere Plattformen wie TWiki - mangels Perl - auf dem Webserver nicht laufen.

Mal schauen, wie sich die Sache weiter entwickelt...

Stefanie Schulte

Stefanie Schulte am 04.02.04 10:31 #
 

Ich habe die Erfahrung gemacht dass gerade Benutzer, die noch nicht viel mit Hypertext gearbeitet haben, am Anfang viel Anleitung brauchen um Wikis richtig bedienen zu können. Hilfreich ist es auch, wenn man 1 oder 2 Benutzer im Wiki hat, die schon Erfahrung haben und viel editieren, sodass die Neuen in den "Recent Changes" mitgucken können, was passiert und wie editiert wird.

Ich halte im März und April einen Workshop zu Weblogs und Wikis für Studenten, die gerade mit ihrer Diplomarbeit beginnen. Ich stelle dann auch einen Hinweis ins Blog.

Martin Röll am 04.02.04 10:54 #