22. September 2003

[ Internet , Smart Mobs , Trends ]

Eventteilnehmer vernetzen

Auf upcoming.org können Leute, die eine Veranstaltung besuchen wollen, sich mit anderen Teilnehmern vernetzen: Sie tragen die Veranstaltung ein, zu der sie gehen wollen, für jede Region wird ein RSS-Feed generiert, der von anderen abonniert werden kann. Jede Veranstaltung ist ein Blog-Eintrag, andere Teilnehmer können eine Art Kommentar hinterlassen, wenn sie auch kommen.

Jetzt gleich von second-generation social software apps zu sprechen oder in Begeisterung auszubrechen, ist zwar zu früh, aber ein paar interessante Punkte stecken in der Idee drin.

Bevor wir das aber zu sehr theoretisieren, machen wir das lieber am Beispiel.

Nico Lumma meint:

"Für Firmen wie Eventim wäre ein derartiger Dienst sicherlich spannend, weil die sehen könnten, welche Veranstaltungen von Interesse sind."

Viel mehr als das! Ein Dienst wie der von upcoming.org wäre für ein Unternehmen wie Eventim die Möglichkeit, zusätzlich zum vor allem transaktionsorientierten Geschäft eine Community aufzubauen. (Ob das sinnvoll ist oder nicht, ließe sich jetzt trefflich diskutieren. Es erscheint mir hier aber ziemlich eingängig, dass User die Plattform nicht nur zum Tickets-Kaufen, sondern auch zum Austausch mit anderen nutzen sollten. Und es ist im Grunde auch ganz einfach: Wenn Eventim nicht selbst dafür sorgt, dass Leute zusammenfinden, die zusammenfinden wollen, werden das andere erledigen! Ob das dann besser ist, als die Kontrolle selbst zu behalten?)

Eventim hätte gegenüber einem neuen Anbieter zwei große Startvorteile:

  1. Die Daten sind schon da. Es ist viel einfacher, beim Ticketkauf einfach eine "Trage mich in die Datenbank ein, damit mich andere Teilnehmer finden können"-Checkbox anzuklicken, als auf einer eigenen Website die Daten der Veranstaltung einzutragen.

  2. Der Traffic ist schon da. Die Wahrscheinlichkeit, andere Teilnehmer tatsächlich zu finden (und nur dann macht der Dienst ja Sinn) ist viel höher, als bei einer neuen Plattform. Wie lange wird es dauern, bis auf upcoming.org ausreichend Veranstaltungen und Teilnehmer aus Dresden zu finden sind? Wird es überhaupt dazu kommen? Wie lange bräuchte Eventim dazu?

Klar ist: Solche "sozialen Applikationen", die Menschen zusammenbringen, werden kommen. Sie werden RSS, FOAF und ein dringend benötigtes XML-Format für Kalenderdaten verwenden. Jeder Plattformbetreiber, der Nutzer hat, die irgendeinen Grund haben könnten, sich miteinander zu vernetzen, muss sich damit auseinandersetzen und entscheiden, ob er selbst die Vernetzungsmöglichkeit zur Verfügung stellt oder ob er sie dem Netz überlässt.

Interessanterweise sind das genau die Überlegungen, die wir bei der ersten Generation der Community-Sites vor ein paar Jahren schon einmal hatten. Damals sind viele Community-Ansätze gescheitert. Heute ist die Technologie und das Wissen über das Funktionieren sozialer Netze im Internet weiter. Was damals teuer war, kann heute günstiger implementiert werden. Vor allem hat sich aber die Nutzerschaft verändert: Die Leute nutzen das Netz anders als vor vier Jahren, haben andere Bedürfnisse und Wünsche.

Neue Marktbedürfnisse und Verfügbarkeit neuer Technologie... Klingt nach einer guten Zeit für Innovation. :-)

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Für Eventim wäre soetwas in Kooperation mit einer Kontaktbörse sinnvoll, für sich allein wird es Eventim nicht viel bringen, da die Vernetzung der Leute fehlt. Da könnte die Kontaktbörse aushelfen.

Joern am 22.09.03 09:58 #
 

Langfristig würde das für eventim sicherlich Sinn machen, aber zur Zeit haben denke ich noch zu wenig Leite einen RSS-Reader, bzw. wissen überhaupt nicht was RSS ist. Gibt es eigentlich irgendwelche Zahlen zur Verbreitung von RSS-Readern?

Nico Zorn am 22.09.03 10:24 #