17. September 2003

[ Management ]

Zur Rolle der Fachpresse bei Entscheidern

Aus dem Newsletter von Hugo E. Martin kommt der Hinweis auf eine interessante Studie, die untersucht hat, welche Rolle Fachmedien für Entscheider spielen.

Auf Basis von 100 tiefenpsychologischen Einzelinterviews hat IFM ein System der Motive professionellen Entscheidens, eine Typologie professioneller Entscheider und ein System der Lektüre-Motivation freigelegt. Ebenfalls untersucht wurden die Phasen der professionellen Entscheidung und die Images der beruflichen Informationsquellen.
Die Ergebnisse sind nicht ganz überraschend, aber trotzdem interessant:

Hauptmotiv bei allen Entscheidern, egal ob sie "Verwalter" ("Ich muss das System am Laufen halten") oder "Gestalter" ("Ich muss das System aktiv verändern") sind, ist die Angst vor der Fehlentscheidung. Sowohl das Nichtstun wird dabei als risikohaft gesehen ("Ich könnte etwas verpassen"), wie auch das Agieren.

Die Fachpresse soll dabei "den Grundkonflikt zwischen 'Tun-Müssen' und 'Gestalten-Wollen' (...) positiv auflösen" und dadurch "Sicherheit schaffen", so die Studie (die von zwei Verbänden der Fachpresse in Auftrag gegeben wurde, also Vorsicht).

Wenn das so stimmt und ich mir dann die Preise mancher Fachmedien anschaue, konkurriert die Fachpresse praktisch mit der Strategieberatung. ;-) Da kommt mir gleich wieder eine alte Idee von John Robb in den Sinn, der meinte, ein Berater könne seinen Kunden spezielle, persönliche Newsfeeds verkaufen und so aus seiner Recherchezeit noch Geld machen, die Kundenbeziehung verbessern, blabla. Mit diesem Konzept würden sich die zwei Ansätze - Information bei den Medien und Kommunikation in der Beratung - vermischen. Die großen Research-Häuser machen ohnehin nichts anderes. (Nur haben die dickes Hochglanzpapier anstatt RSS und Tagessätze jenseits von gut und böse.) Ich sollte mal mein Geschäft neu durchdenken. :-)

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Spontane Gedankenblitze:

1) Man muß nur tief genug bohren, irgendwann stößt man schon auf Trivialitäten.

2) "Es ist noch keiner gefeuert worden, nur weil er bei IBM gekauft hat."
Da steht heute zwar nicht mehr derselbe Name drin, aber das Konzept hat sich überraschend wenig verändert.

3)RSS, Newsletter, Viel-X, Ohne-X, Papierversand, Fax ... die meisten Dinge ändern sich nicht *wirklich*.

Wolfgang Flamme am 17.09.03 17:35 #