16. September 2003

[ Business Weblogs ]

Blogs im Labor: Lässt sich das Wachstum beschleunigen?

Sebastian Fiedler denkt über persönliches Webpublishing in Lernumgebungen nach. Er stellt fest, dass in klassischen Kursen oft (Lern-)Prozesse beschleunigt werden sollen, die ansonsten, frei, länger dauern würden. Das ist aus problematisch, wenn man persönliches Publishing einbeziehen will, denn dessen Qualitäten entwickeln sich erst im Laufe der Zeit. Sebastien Paquet meint, dass es bei ihm vier Monate gebraucht hätte, bis er mit seinem Weblog in ein Netzwerk integriert war.

Sebastian fragt sich jetzt, wieviel des "evolutionären Wachstums" man über die Dauer von einem Semester beobachten könnte und ob es überhaupt möglich ist, in einem Semester die Möglichkeiten persönlichen, kollaborativen Publizierens aufzuzeigen.

Now, my question is: what parts of this evolutionary growth model could we hope to seed and watch unfold over the period of a semester? ... or will we never be able to touch the "real potential" of personal and collaborative Webpublishing in formal instructional settings because of the usual constraints on time, pace and structure?

Lilia Efimova stimmt zu, dass Blogs Zeit brauchen, um zu "wachsen" und fragt sich aber, ob sich der Prozess irgendwie beschleunigen lässt. Ihre Ideen:

  • Integrate weblogs with meaningful activities: use weblogs as communication medium (e.g. by asking team to document design decisions), eliminate other assignments...
  • Simulate/stimulate connections: ask outside experts to comment on classroom blogs, ask students to comment on each others weblogs, reveal posts close to each other by using topics/categories...

Ich denke, um ein Blog-Netzwerk schneller wachsen zu lassen, braucht es eine Art Infomediär. Jemanden, der Blog-Netze "versteht", der weiß, wie sie sich "in der Natur" verhalten. Er könnte dann in einer geschlossenen Umgebung, wie etwa einem Kurs, den Teilnehmern helfen, Verbindungen aufzubauen. Er könnte das Blog-Netzwerk durchsuchen und herausfinden, wo sinnvolle Links gesetzt werden könnten. Er könnte dann Teilnehmer A auf einen Eintrag bei B aufmerksam machen: "Schau mal, das ist doch genau Dein Thema - willst Du nicht etwas dazu schreiben?" und so die Netzwerkbildung vorantreiben. Oder, vielleicht noch besser: Er könnte selber mitbloggen und die Verbindungen, die er im Netz sieht, gleich selber dokumentieren. Er würde dann zu einer Art "Leitblogger" werden, an dem sich die anderen zunächst orientieren. (Das kann gut oder schlecht sein. Gut ist es, wenn die anderen von ihm lernen und sich dann schneller selbst vernetzen. Schlecht ist es, wenn sich dadurch eine gefestigte "Hub"-Struktur ergibt und alle nur noch auf das Zentrum starren und von ihm abschreiben.)

Hm, spannendes Thema. Da gibt es noch viel nachzudenken.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

hab hier nen interessanten Artikel von Martin Ršll gefunden, in dem er Ÿber die, auch hier schon diskutierte , Problematik schreibt, wie man seinen Weblog in in ein bestehendes Wissens-Netzwerk integrieren und Linknetzwerke aufbauen kann.

Der "FloLog" von Florian Kopp: weblogs und die entstehung von netzwerken (19.11.03 01:53)

 

ich denke auch, dass man das nur durch pädagogische moderation der bloggenden runde bewerkstelligen kann, auch wenn man sich dann damit wieder die macht- / hierarchieproblematik ins haus holt.

Moe am 16.09.03 13:19 #
 

Martin, I wish you could write in two languages at the same time :) Translation doesn't work good enough to enjoy your style :)))

Lilia am 16.09.03 16:48 #
 

Klingt alsob du hier jemanden sucht die mehr oder weniger das optimale Meshing-nivo herstellt (sehe auch dein Beitrag ueber 'routing in meshed networks'. (Und wo die zu vermeiden Situation ist das ein Sternformiges Netzwerk entsteht, wie du selbst ja auch schon sagst.)

Ton Zijlstra am 16.09.03 19:33 #
 

Heh, schöner Vergleich. :-) Ich denke, am Anfang geht es überhaupt erst darum, eine Vernetzung herzustellen. Sobald sich die Netzteilnehmer von selbst vernetzen, sollte der Infomediär aufhören mitzubloggen und das Netz sich selbst überlassen. Denn ab dann sollten die Teilnehmer das organische Wachstum in seiner "natürlichen" Form und nicht in der "künstlich beschleunigten" Form beobachten und erleben können.

Martin Röll am 16.09.03 19:50 #
 

Worin liegt der Vorteil des organic Meshing?

Ist die Gruppe klein, ergibt sich von allein schnelle eine dichte Vernetzung. Inbesondere wenn die Tasks/Rollenverteilung begünstigend in der Gruppe entwickelt/vergeben sind. Unterschiedliche Begabungen werden sich durch ein natürliches Mentoring nicht so gravierend auswirken.

Habe ich eine sehr große Gruppe, kann die starke Vernetzung dazu führen, dass die zusammengetragenen Daten zu umfangreich und zu unstrukturiert ist, um als Wissensnetz zu dienen. Ggf. ist das Bildungsniveau zu unterschiedlich und Einzelne werden auf's Galtteis geführt, brechen womöglich im entscheidenden Moment ein. Möglich auch, dass im Herdentrieb fast die gesamte Gruppe sich auf brüchigem Eis befindet.

Silke Schümann am 19.09.03 22:53 #