28. August 2003

[ Wireless and Mobile ]

Mobilfunk für den Irak

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die Vergabe von Mobilfunklizenzen im Irak.

Der irakische regierende Rat wird für drei geographische Zonen im Irak ("Nord", "Mitte", "Süd") jeweils eine auf zwei Jahre befristete Lizenz für den Aufbau eines Mobilfunknetzes vergeben. Was aber merkwürdig ist (lassen wir es erstmal bei dieser vorsichtigen Formulierung), ist, dass die Vergaberichtlinien die Beteiligung vieler wichtiger Player im Mobilfunkmarkt unmöglich machen. Unternehmen, die zu mehr als 10% im Staatsbesitz stehen, dürfen nicht mitbieten. Außerdem ist zwingend notwendig, dass ein Bieter mindestens fünf weitere Mobilfunklizenzen hat. Warum sind die Vergaberichtlinien so gewählt worden?

(Nein, ich will jetzt nicht das "die USA wollen die Europäer nicht drinhaben" hören. Das kann ich mir selbst denken. Ich will wissen, ob es da nicht wirklich inhaltliche Gründe geben kann. Ich will das genau wissen, ansonsten ist mir einfach in diese Kerbe zu hauen zu billig.)

Weiterhin schreibt die Süddeutsche von der Firma Batelco (gemeint ist die Bahrain Telecommunication Company), die auf eigene Faust schon mit dem Aufbau eines Netzes begonnen hatte und angeblich gezwungen wurde, ihr Netz wieder abzuschalten. (Hat jemand dazu einen Link?)

Ohne jetzt zu politisch werden zu wollen: Das hat wirklich Anklänge vom Kolonialismus: Da marschiert ein Staat unter Zerstörung der Infrastruktur (siehe auch SZ: Den USA droht im Irak ein finanzielles Desaster) in einen anderen ein, definiert, was erlaubt und was verboten ist (Mobilfunkmasten zu betreiben, ist erstmal verboten), und setzt eine Vergabeordnung auf, deren Kriterien höchst fragwürdig erscheinen und die Unternehmen des die Kontrolle ausübenden Staates bevorzugen.

Und dann auch noch sowas (man beachte das in letzter Minute):

In letzter Minute hat sich zudem ein Konsortium aus Investoren aus den USA, Großbritannien, Südkorea und dem Irak beteiligt. [...] Anders als seine Mitbewerber, die GSM-Netze aufbauen wollen, setzt das Konsortium auf den fast nur in den USA gebräuchlichen Standard CDMA. [...] Für die Iraker wäre die Einführung eines solchen Netzes jedoch unpraktisch. Ihre Handys würden in den Nachbarstaaten nicht funktionieren – diese nutzen alle GSM.

Mir gefällt das nicht. Mir gefällt das überhaupt nicht.

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Zu den fünf Märkten schreibt die FTD:
"Diese wenig griffige Formulierung soll laut Branchenkennern vor allem US-Mobilfunkanbietern gute Chancen einräumen. Da sie kaum Auslandstöchter haben, gilt bei ihnen der Nachweis von fünf Lizenzen auf dem Heimatmarkt als ausreichend."
(http://www.ftd.de/tm/tk/1059812038119.html?nv=se)
Tja.

Alexander Svensson am 28.08.03 20:45 #
 

Dort heißt es auch
"Eine politische Benachteiligung europäischer Handynetzanbieter bestreitet die CPA. "Wir sind schlicht der Meinung, dass es nicht im Interesse des irakischen Volkes ist, wenn ein Handynetzbetreiber einem ausländischen Staat gehört", sagte Linton Wells vom US-Verteidigungsministerium."
Das hätte ich ja mal gerne länger ausgeführt...

Martin Röll am 28.08.03 23:54 #
 

Die Details gibt's bei der CPA. Am 8. August wurden die Bedingungen etwas gelockert (10-prozentige Regierungsbeteiligung bezieht sich jetzt auf das gesamte Konsortium).

Alexander Svensson am 29.08.03 15:34 #