12. August 2003

[ Business Weblogs ]

Vorbehalte gegenüber Business Weblogs

Ton Zijlstra schreibt zu den "10 Gründen, keinen Unternehmensblog zu führen":

"These 10 objections sound like very likely to be brought up when introducing blogs in a company. But the reasoning behind these objections has nothing to do with blogging as such, but everything to do with such a company having missed the cluetrain."

Das ist sehr wichtig. Es gibt eine Menge guter Gründe gegen Business Blogs, aber wir sollten, wenn wir genauer rausfinden wollen, was Weblogs in Unternehmen anrichten können, in der Diskussion zwischen den Gründen, die wirklich in der Natur der Blogs liegen und denen, die Old-Economy-Borniertheit u.ä. sind, trennen.

[Update] (18.08.03): Ton Zijlstra hat noch einen interessanten Nachtrag.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Es ist schon bemerkenswert, was Du aus diesem einen Wort zu ziehen vermagst. Aber wenn Du unbedingt willst: Ja, ich glaube nicht an die "strategische Bedeutung der einheitlichen Sprache nach außen". Ich glaube an Menschen, die menschlich ko...

A2O — Business pur: Mit einer Zunge oder mit einer Überzeugung? (24.04.04 10:19)

 

Was ist denn die Natur eines Blogs?

Joern am 12.08.03 09:51 #
 

Joern,
Ich würde dabei an Technologieaspekte denken, an schreibfähigkeit, an etwas zu sagen haben, und an ein Publikum das über Blogs auch tatsächlich erreichbar sein muss. Also an Randbedingungen die direkt auf den Nutzwert von Blogs eingreifen. (Sehe auch mein Blogeintrag dazu auf Deutsch)

Mfg
Ton

Ton Zijlstra am 12.08.03 11:23 #
 

Dein Beispiel Ton, hat für mich nichts mit Corporate Blogging zu tun. Dort geht es um die Aussen- und Selbstdarstellung eines Politikers, also einer einzigen Person. Klar hat dieser Mann auch etwas zu verkaufen, nämlich sich, aber die Aufgaben eines Politikers sind doch andere. Ein Politiker ist vielmehr auf die Öffentlichkeit angewiesen, als es Firmen sind und je sein werden.

In Zeiten wo sich immer mehr Firmen hinter CallCentern mit First-, Second-, Third-Level Support vor ihren Kunden verstecken ist Corporate Blogging für mich ersteinmal nur ein Buzzword mit dem Consultants umher gehen, um ein paar Seiten Papier zu verkaufen.

Die paar Beispiele, die ich bis jetzt gelesen habe, beziehen sich meist auf one-man shows, dort fällt das Bloggen auch nicht schwer.

Spassig wären Corporate Bloggs allerdings, wenn es Trackbacks der Konkurenz gibt in denen die eigenen Produkte gepriesen und die anderen gedisst werden.

Also für mich ist dieses ganze Thema Corporate Blogging nicht greifbar, mir sind einfach zuviele Sprechblasen im Spiel. Daher auch meine Frage 'Was denn die Natur eines Blogs' wäre.

Joern am 12.08.03 12:04 #
 

geile Idee, die Firmen bzw. ihre Produkte per TrackBack aufeinander loszulassen. Wenn das nicht ein Thema ist, dann weiß ich auch nicht. Passiert übrigens schon auf sehr niveauvolle Weise zwischen IBM/Ed Brill und Microsftler Bloggern. Häufig köstliche Geschichten, aber bisher fand ich die auch nie unfair oder unter der Gürtellinie.

Aber letzten Endes gibt es ein deutsches, ungeschriebenes Gesetz unter UNternehmern: kritisiere nie Deine Konkurrenz. Das macht es ja so spröde hier mit den wirklich spannenden Möglichkeiten der Blogs. Schade eigentlich :-(

Robert Basic am 12.08.03 13:34 #
 

leute, leute! weblogs wollen auch gelesen werden, möglichst kontinuierlich. die zeiten, in denen eine website oder eine institution interessant wird, nur weil sie ein weblog besitzen, sind für mich lange vorbei.

wenn ich mir z.b. ein mobiltelefon oder digicam kaufen möchte, dann werde ich mich definitiv nicht monatelang durch die weblogs von mitarbeitern aller hersteller wühlen, um dann dann ein gerät von denen kaufen, deren entwicklungsleiter zufällig auch jimmy smith gut findet oder deren webmaster so toll über rss und copyright philosophiert.

firmenweblogs wird es wie den meisten weblogs gehen: sie werden im normalfall ignoriert und von ein paar vereinzelten leuten gelesen. erst wenn jemand etwas interessantes macht (oder postet), dann wird es überall verlinkt. da das internet bekanntlich dazu da ist, dass man als kleiner den grossen eins auswischt (siehe "jay and silent bob strike back"), erwarte ich, dass das interessante in den weblogs von grossen unternehmen genau die sachen sind, die für das unternehmen nach hinten losgehen werden.

kris am 12.08.03 19:05 #
 

@Martin:
Was soll das bitte mit der "Old-Economy-Borniertheit"? Ist die strategische Bedeutung der einheitlichen Sprache nach außen etwa out? Na dann: Prost Mahlzeit! Wenn jeder "Dödel" (ich habe lange darüber sinniert, ob ich das Wort verwenden soll) über seine Sicht der Missstände im Unternehmen berichten kann.

@Joern:
Die Natur eines Blogs? Ich kann immer nur auf Müllers BöseBytes verweisen: Blogs sind nichts, auf das die Welt unbedingt gewartet hat (wie viele andere Dinge, z.B. Zeitschriften, Fernsehsendungen, Produkte) auch. Blogs bedienen eine Nische, und Business-Blogs bedienen die Nische in der Nische.

@Robert:
Konkurrenzkampf via Blog? Wir erinnern uns an die Veltins-schießt-gegen-Krombacher-KöPi-und-andere-Kampagne, die ruckzuck vom Bildschirm verschwand. Und wir erinnern uns an die Cola-Kriege: teuer und sinnlos. Das hat zwar nichts mit Blogging zu tun, das Ergebnis von "Konkurrierende-Produkte-Vergleich-Blogs" wäre IMO ähnlich. Selbstzerfleischung, Selbstbeschäftigung, Selbstbefriedigung, geistige Onanie. Der Kunde bleibt auf der Strecke.

@kris:
Du hast Recht: Die Firmenweblogs bedienen eine sehr sehr kleine Nische. Wer das nicht glaubt, der schaue hier und schaue sich mal den Menüpunkt "Foren" an. Ist zwar kein Blog, aber manchmal interessiert es die Masse einfach nicht.

Mit Business-Blogs stehen wir erst am Anfang einer langen Lernperiode. Ein Einzelkämpfer (so wie ich es auch praktiziere), der entscheidet alleinig über Risiko und Nutzen. Und er kann es Knall auf Fall wieder einstellen. Großunternehmen haben da schon einen weit weit größeren Koordiineriungsbedar. Business-Blogs sind letztendlich nur _eine_ Maßnahme im gesamten Marketing-Mix.
Ob Business-Blogs eine "Killerapplikation" werden? Das wird sich zeigen, und Prognosen sind IMO sehr schwer. Den ganzen Hype um die Blogs verstehe ich eh nicht, da in den meisten Fällen bereits vorhandene Themen einfach wieder udn wieder "verdaut" werden - als Schwabe erinnert mich das einfach an "saure Kutteln" ;)

Wolfgang am 13.08.03 00:16 #
 

Es ist schon bemerkenswert, was Du aus diesem einen Wort zu ziehen vermagst. Aber wenn Du unbedingt willst: Ja, ich glaube nicht an die "strategische Bedeutung der einheitlichen Sprache nach außen". Ich glaube an Menschen, die menschlich kommunizieren und nicht wie die Roboter, auch wenn der Call-Center-Boss und der Marketingchef das so wollen.

Zum Konkurrenzkampf: Wer sagt denn, dass die Unternehmen den Blödsinn der letzten Jahre (mein persönliches Lieblingsbeispiel ist ja die Mannesmann/Vodaphone-Schlacht) wiederholen müssen? Es gibt genug Dinge, über die man sich niveauvoll streiten kann - und für die Weblogs eine gute Plattform wären.

Martin Röll am 13.08.03 00:33 #
 

wolfgang, du bist mir heute viel zu trocken: "Selbstzerfleischung, Selbstbeschäftigung, Selbstbefriedigung, geistige Onanie. Der Kunde bleibt auf der Strecke" .. mir fallen tausend Möglichkeiten ein, die Konkurrenz zu befighterln ... Ed machts doch selbst vor, wie sauber und amüsant das geht und packt dazu sogar noch echte Infos ein. Spaß und Fun verboten im Business? Nahh, ...

Robert Basic am 13.08.03 10:04 #
 

Jau, das Wetter färbt eben ab ;)
Neben den 1000 Chancen gibt es m.E. ebensoviele Stolperfallen. Die Fehler der Vergangenheit werden sich wahrscheinlich immer wiederholen. Oracle hat z.B. mit der Eröffnung der Übernahmeschlacht um PeopleSoft die Kunden gänzlich aus den Augen verloren: die eigenen Kunden, die von PeopleSoft und die potenziellen. Marketing à la malheur.
Wenn jemand wie Ed die spitze Feder und die eiserne Disziplin hat sowie das ständig hohe Niveau hält: super! Zur Spaßbremse wird es halt dann, wenn z.B. jemand in die Falle "Wettbewerber X ist eh bald pleite" tappt.

Wolfgang am 13.08.03 13:55 #
 

Meiner Ansicht nach besteht mit den Weblogs für die Firmen die große Chance hauptsächlich darin, vorerst einmal die Form der internen Kommunikation zu verändern. Wie ein Kommentar bei m-e-x IMO richtig bemerkt hat, "passen Weblogs nicht in die Firmenkultur der meisten Unternehmen" (zitiert aus dem Gedächtnis). Das ist genau der Punkt.

Denn, wie ebendiese Firmen erkennen (oder auch nicht), ist diese Kultur gerade dabei, sich ziemlich radikal zu verändern. Das macht ihnen und vorallem den Mitarbeitern offenbar ganz schön Angst, wenn man sich so umhört. Eine Möglichkeit, damit umzugehen, ist definitiv, eine neue Kommunikationskultur innerhalb der Unternehmen zu entwickeln. Weblogs können, richtig gefördert und ohne Leistungsdruck implementiert, sicher einen guten Beitrag leisten.

Sich mit Weblogs an die Kunden zu wenden, dazu ist noch genügend Zeit. Später, wenn die dann in ihren eigenen Firmen mal auf den Geschmack gekommen sind ...

Wolfgang am 22.08.03 00:37 #