7. August 2003

[ Blogging ]

Mal wieder: Zum Zitieren in Blogs

Wir hatten die Diskussion schonmal: Wie zitiert man anständig in Blogs? Gerade gibt es wieder eine neue Kontroverse und es scheint, als ob wir mit der Diskussion nochmal von vorne anfangen müssen:

Da übernimmt der Schockwellenreiter einen kurzen Text von Karina Matejcek, ohne die Quelle anzugeben.

2003-08-07.schockwellenreiter.JPG

Das "via: eDings" zeigt nur auf eDings.de und reicht somit überhaupt nicht aus: Zum einen ist ein "übernommen von" bzw. "zitiert aus" etwas ganz anderes als ein "via" (wie ich heute schon an anderer Stelle schrieb: Es muss klar sein, wer welchen Text geschrieben hat, wer der Autor des Textes ist, den wir lesen!), zum anderen wäre ein Verweis auf den Permalink viel hilfreicher.

Es geht weiter: Thomas Burg übernimmt den Eintrag ebenfalls und verweist auf den Schockwellenreiter!

2003-08-07.randgaenge.JPG

Und wieder: Nichtmal mit dem permalink in des Schockwellenreiters Blog, sodass man die Quelle zurückverfolgen könnte und letztlich vielleicht doch noch irgendwie Karina Matejcek als Autorin erkennen könnte, sondern einfach mit einem Link auf schockwellenreiter.de, wo der Text natürlich schon heute nicht mehr zu finden ist!

[Korrektur: Es gibt doch einen Deeplink zum Schockwellenreiter, den ich erst übersehen habe. Siehe unten in den Kommentaren.]

In den Kommentaren bricht daraufhin eine Diskussion aus, denn Karina Matejcek regt sich zu Recht auf, dass sie nicht mehr als Urheberin zu erkennen ist. Merkwürdigerweise spotten manche und meinen, dass die Originalquelle doch gut zu erkennen sei! Genau das ist aber eben nicht der Fall!

Die Krönung ist aber, dass sich am Ende Thomas Burg selbst zu Wort meldet, auf seine akademische Ausbildung verweist und erklärt, dass doch alles in Ordnung sei:

"Als ausgebildeter Philologe habe ich gelernt, dass es für den Leser wichtig ist, den Weg zurück verfolgen zu können. Das ist in diesem Fall gegeben."

Nein, Thomas, das ist eben überhaupt nicht gegeben.

Nochmal, einfach und zum Mitschreiben:

Die Originalquelle ist http://www.edings.de/eentry01032.html, die Autorin Karina Matejcek. Sie wurde vom Schockwellenreiter zitiert auf http://www.schockwellenreiter.de/2003/08/06.html#030806002. Jetzt einfach so einen Eintrag zu texten, in dem "Der Schockwellenreiter" nur auf schockwellenreiter.de verlinkt ist deshalb überhaupt nicht ausreichend!

Also, Thomas, Jörg, Weblogger und Webloggerinnen, verehrte Anwesende, lieber Herr Ministerpräsident, hier sind ein paar Guidelines (yeah, immer diese coolen englischen Beraterwörter) für das anständige Zitieren und Linken
Weil diese Formulierung wohl zu Misverständnissenführen kann, bemühe ich mich um Klarheit:

Hier sind ein paar Empfehlungen von mir, wie Ihr, geschätze Leser, in Euren Weblogs zitieren und linken könntet. Ich denke, dass wenn Ihr es tätet, die Welt viel netter und schöner wäre, als wenn Ihr es nicht tätet. Deshalb lege ich sie Euch hier recht freundlich ans Herz. Sie sind nicht allgemeingültig, verbindlich, "richtig" oder sonst irgendetwas und vor allem keine "Regeln", die Ihr befolgen müsstet. Sie stehen nur hier und Ihr dürft sie lesen und anwenden oder es sein lassen.

Jetzt aber los:

  • Zitate müssen sofort erkennbar sein. Ein Leser muss sofort sehen können, was ein Zitat ist und was eigener Text.
  • Die Quelle eines Zitates muss genau angegeben werden. Ein Verweis auf die Blog-Homepage reicht nicht. Linkt auf die "tiefen" Permalinks! Dafür sind sie da! Die Leser müssen ein Zitat schnell und einfach und genau überprüfen können. Und sie wollen auch die Kommentare und Trackbacks an der Originalquelle lesen!
  • Auch "via"-Links sollen genau bezeichnet werden. Wieder: Benutzt die Permalinks. Lasst die Leute ihren Weg durchs Netz selbst suchen. Gebt ihnen eine Chance, Kommentare auf anderen Seiten zu lesen. Helft Tools wie Technorati und Google, schöne Link-Systeme abzubilden.

Have a nice day.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Late Night Blog: Rollende Steine (07.08.03 13:13)

Jörg Kantel aka Der Schockwellenreiter, a popular German blogger, has a long tradition of cultivating his very own "quoting technique"....

hebig.com: Been caught quoting (07.08.03 16:50)

Zitate: ein allseits beliebtes Thema in der Wissenschaft und ein jeder Diplomand kennt den Trick, seine Arbeit mit schön vielen Zitaten zu schmücken, um beim Prof bzw. Assistenten gut dazustehen. Meistens werde diese Zitate nicht einmal wirklich gelese...

MEX Blog: Zitiermanie (07.08.03 18:31)

Thanks to Heiko, a controversey from the German blogging community has leaked into the Anglosphere. How should bloggers quote one another? Should a quote be immediately identifiable as a quote?...

PapaScott: Quote Unquote (08.08.03 05:08)

Die Weblog-Szene nähert sich bedenklich der Politik: Sie spielt Sommertheater. Das Stück heißt "Der Elefant kreißte und gebar eine Mücke"....

Aufgelesen: Sommertheater! (08.08.03 10:04)

Ett gräl om hur man bör och inte bör citera har brutit ut i den tyska bloggosfären. Tydligen har Schockwellenreiter (välkänd tysk bloggare) citerat Martin Röll (annan välkänd tysk bloggare) ordagrannt utan att uppge källan, vilket fått Röll att lacka u...

steffanie.net | logblogwhatever...: tyskt citeringsbråk (08.08.03 16:48)

Fakt ist: "IT&W bleibt auch weiterhin das coolste aller Weblogs. Jetzt mit vier Ventilenties! Aber: IT&W vergibt erstmals eine Windmacher-Lizenz zur kostenfreien Benutzung des linken (von den drei linken) Ventilators an unsere Freunde vom extrem lesens...

Aufgelesen: Cool. Sehr cool. (09.08.03 09:39)

Die Rock'n'Roller von gestern sind die Anzugträger von morgen.

Wortfeld: Bitter Sweet Blogging (09.08.03 16:34)

auf diversen seiten (u.a. hier, hier und hier) wird rege über das thema quoten (d.h. das angeben von zitierten oder "bezug-auf-nehmenden" quellen) diskutiert. in einem artikel in spiegel online über ein völlig uninteressantes thema sieht...

geekblog.de | die wunderbare welt des nichts: korrektes quelling (10.08.03 16:56)

Informativer roundup von Georg Bauer zum aktuellen Thema

thomas n. burg | randgänge: Netzwerkanalyse again! (13.08.03 02:04)

Im e-business Weblog schreibt Martin Röll einen Beitrag über das zitieren in Blogs. Anhand eines konkreten Beispieles, auf das ich momentan nicht zurückgreifen möchte, aber auch er nennt wichtige, eigentlich logische Regeln: # Zitate müssen sof...

Zentrale der Macht: Und nochmal Blogregeln. (13.08.05 01:11)

 

Nun, in Deiner Aufzählung sind mindest zwei Personen beratungsresistent. :-)

Volker Weber am 07.08.03 12:27 #
 

Lieber Martin, hier mein Kommentar

Thomas N. Burg am 07.08.03 12:29 #
 

Tipp: Klickere mal auf "Kommerzielle Seiten bauen mit Weblogsoftware" bei Herrn Burg.

kris am 07.08.03 12:31 #
 

Ansonsten stimmt es natürlich, dass bei den Randgängen verdammt schwierig ist, den wirklichen Autor eines Beitrages rauszukriegen.

kris am 07.08.03 12:35 #
 

Oh ja, bei Ihrem Kommentar Herr Burg gefällt mir besonders folgender Satz: /..Gebe aber zu, dass ich das Zitat hätte verifizieren und korrigieren können../ Zitiert: [Kommentar]
Gerade noch schnell am Ende die Kurve gekriegt würd ich meinen... *g*

tine am 07.08.03 12:38 #
 

kris: Ah, da ist der Deeplink zum Schockwellenreiter! :) Right. Insofern korrigiere ich also meine Aussage von oben: Es ist doch möglich (mit Mühe und wenn man jemanden wie kris hat, der einen darauf hinweist), die Originalquelle zu finden. Ansonsten bleibt's dabei: So geht das nicht. Danke!

Martin Röll am 07.08.03 12:48 #
 

Also Thomas hat zwar ein unintuitives Layout, aber er zitiert schon den Permalink: im Titel des Postings, innerhalb des Postingtexts. ALso sozusagen der erste Satz des Textes - der ist fast immer ein Link und geht dann auf den Permalink des Originalartikels. Er könnte es vielleicht besser sichtbar machen, so das man weiss welcher der vielen Links jetzt auf den Originalartikel geht.

Bei mir ist das relcht ähnlich aufgebaut: der Titel verlinkt auf den Permalink des zitierten Artikels, die Quellenangabe geht immer auf die Hauptseite der Website von der der zitierte Artikel kommt. Halte ich auch für durchaus sinnvoll so und so unüblich ist das Format auch nicht.

Die Kette der Links ist also durchaus rückverfolgbar, nur halt nicht so auf anhieb sichtbar (wie man an der Diskussion ja auch sieht). Und Technorati sollte also auch glücklich sein ;-)

Georg Bauer am 07.08.03 12:53 #
 

Daß eine Überschrift ein Link ist und dieser Link auch noch an eine andere Stelle der Quelle linkt als der Link, den man als Link zur Quelle vermutet, mag aus Sicht des Erschaffers des Systems Sinn haben. Leser dagegen freuen sich über einfache, schlüssige Regeln wie "Eine Überschrift ist eine Überschrift" und "Ein Link ist ein Link".

Bei der ganzen Diskussion sollte vielleicht nicht unbetrachtet bleiben, daß bestimmte Blogging Tools einer bestimmten Firma, und auch freie Kopien und ungefähre Nachbauten davon, eine "Ein-Klick-Plagiierung" (schreckliches Wort) ziemlich einfach machen und damit möglicherweise schludrige Schreiben durchaus fördern - was nicht heißen soll, daß das auf alle blogs mit diesen Backends zutrifft.

Haiko am 07.08.03 14:54 #
 

Es ist doch ganz einfach: Wer nicht mehr von mir »zitiert« werden will, schicke mir eine kurze Email. Er oder sie fliegt dann stante pedes aus meiner Blogroll raus.

Der Schockwellenreiter am 07.08.03 15:08 #
 

Ich will nicht »zitiert« werden. Ich will zitiert werden.

Martin Röll am 07.08.03 15:25 #
 

Und nehmt Euch nicht so wichtig: Ein Weblog ist keine wissenschaftliche Arbeit, für die die o.a. Zitierregeln gelten. Ein Weblog zitiert wie die Tagespresse und das kannst Du jeden Abend in der Tagesschau erleben: »Wie der Spiegel berichtete...« Und eben nicht: »Wie der Spiegel in Ausgabe 37/2003, Seite 55, Spalte 2 links unten berichtete...«

Und was anderes werde ich auch nie machen...

Der Schockwellenreiter am 07.08.03 15:27 #
 

Jörg: Es ist *so* einfach, einen Deeplink zu setzen. Vielleicht einmal copy-and-paste mehr. Und es hilft Deinen Lesern. Alleine das sollte schon als Grund ausreichen, es zu tun.

Martin Röll am 07.08.03 15:30 #
 

Genau. Wir machen es jetzt alle wie die Tagesschau und bloggen um punkt 20 Uhr.

Heiko Hebig am 07.08.03 15:30 #
 

Ich blogge von 7:30 Uhr bis 9:30 Uhr...

Der Schockwellenreiter am 07.08.03 15:33 #
 

Martin: Es geht nicht darum, wie einfach etwas ist oder nicht, sondern darum, daß auf einmal »Regelaufsteller« kommen, die mir vorschreiben wollen, wie ich zu bloggen habe. Und dagegen sind ich und mein anarchistisches kleines Blog nun mal allergisch. Da sind wir fies für...

Der Schockwellenreiter am 07.08.03 15:35 #
 

Offensichtlich meinen einige Blogger, dass der Autor von Texten auf Urheberrechte verzichtet, bloß weil er einen RSS-Feed bereitstellt.

Der Feed ist aber nur eine spezifische Form, ggf. urheberrechtlich geschützte Inhalte anzubieten. Die Reduzierung der Form und die Geschwindigkeit beinhalten keine Erklärung, dass die Inhalte jetzt von Leuten ausgeschlachtet werden dürfen, die zu 99 % nur kopieren (was ja grundsätzlich in Ordnung geht), aber dabei noch nicht mal Wert auf ausreichende Quellennachweise legen.

Ansonsten ist dem Beitrag von Martin nichts hinzuzufügen.

Doch, halt: Ich finde es bemerkenswert, wie objektiv er die Sache im konkreten Fall beurteilt; der Herr Stolpmann steht ja sonst nicht auf seiner buddylist.

Udo Vetter am 07.08.03 15:46 #
 

Also Leute, die Diskussion ist doch recht wichtig, denke ich, es geht ja um des Selbstverständnis der Blogger bzw. des Bloggens. Eines glaube ich, haben wir bewiesen, kollaboratives Lernen kann durch Blogs samt Rss-Feeds unterstützt werden. Und das ist doch sicherlich der Kern der Sache.
Andererseits, es ist wirklich heiss und der inkriminierte Schaden ist, wenn überhaupt, ein geringer, wiewohl das der Geschädigte/die Geschädigte beurteilen muss, wenn es denn Geschädigte überhaupt gibt. Und wenn, dann wen und aus welcher Pespektive....

Thomas N. Burg am 07.08.03 16:11 #
 

Ich meine nicht, daß jemand, der einen RSS-Feed bereithält, auf das Urheberrecht verzichtet. Und ich lege großen Wert darauf, in meinem Blog immer die zitierte Quelle anzugeben. (Näheres dazu auch in meinem Impressum -- nach unten scrollen, der Absatz über Urheberrechte)

Aber das jemand - im vorauseilenden Gehorsam - über das gesetzlich Notwendige hinaus Regeln aufstellt, wie Blogger sich zu verhalten haben, das halte ich - gelinde gesagt - für leicht übertrieben.

Der Schockwellenreiter am 07.08.03 16:29 #
 

Zur Klarheit: Es ging mir - z.B. im Gegensatz zum Herrn Stolpmann - nicht um das Aufstellen von Regeln. (Ich glaube, da sind Jörg und ich uns auch einig. So gut kennst Du mich, oder? :)) Ich habe das oben im Beitrag auch nochmal klar gemacht. Die "Regeln" machen wir selbst, so wie wir RFCs selbst schreiben und uns dann dran halten (oder auch nicht). Mir ist vor allem wichtig, was *sinnvoll* ist. Nicht die Diskussion darüber, was "erlaubt/nicht erlaubt" oder "richtig/falsch" ist. Denn fast alles, was sinnvoll ist, ist auch erlaubt. :-) Mit _der_ Diskussion kommen wir deshalb IMHO eher zu etwas Nützlichem als mit "Regeln".

Martin Röll am 07.08.03 16:38 #
 

Ach so -- ja: Ich kann ja heute abend mein Template ändern. Ab morgen heißt es dann statt »via:« eben »Quelle:«. Ist das OK so, großer Meister? :o)

Ansonsten gehe ich gleich in den Sandmann, ein Bier trinken. Wer will, kann ja da (so ab 20:00 Uhr) mit mir über das Thema weiterdiskutieren.

:o)

Der Schockwellenreiter am 07.08.03 17:02 #
 

ich weiß nicht, ist das nicht etwas übertrieben, in der Blogosphere zu erwarten, daß man immer den originalen Originärersteller eines Beitrages in allen erwähnten und weiter erwähnten Blogs erkennen muß? Irgendwo ist immer eine Sollbruchstelle.

Praxisbeispiel wie lächerlich sowas sein kann?
1. A schreibt 123
2. B erwähnt, daß A 123 gesagt hat und fragt sich nicht warum
2. C erwähnt, daß A 123 gesagt hat und fragt sich warum
3. D erwähnt, daß via B A 123 gesagt hat und erklärt B, warum er sich eigentlich nicht gefragt hat, warum A 123 gesagt hat
4. E erwähnt, daß C 123 gesagt hat und erklärt C, warum er 123 gesagt hat (Missverständnis, weil E -> C nicht korrekt gelesen hat und übersehen hat, daß 123 via A kommt)
5. A beschwert sich bei E, wie er dazu kommt, ihn nicht zu zitieren

Na, Leute, Jörg hat völlig Recht: wir sind in der Blogosphere und nicht im Max Planck Institut für Wichtig-Ist-die-Forschung-Also-Zitiert-Meine-Genialität, sprich: wer Nabelschau betreiben möchte, möge bitte im Text immer reinschreiben, dass sein Beitrag unbedingt unter Quellangabe zitiert werden soll. In 24 px Schriftart. Sonst kommt ein E und liest was falsches und wird von dem A Blogger angemacht.

Robert Basic am 07.08.03 17:26 #
 

Wobei noch nicht die Frage erörtert wurde ob ein Link mit einem Satz eine "schützenswerte geistige Eigenleistung" ist und somit überhaupt das Urheberrecht greift, das möchte ich mal stark bezweifeln. Wenn ich schreibe "Spiegel Online hat heute einen hübschen Artikel zu Ralf Schumacher, ein sehr lesenswertes Beispiel für einen Artikel über Ralf Schumacher: [Link]!" kann ich doch nicht allen ernstens verlangen dass jedermann meine "Verwertungsrichtlinien" ob dieses genialen Elaborats beachtet und immer mich als Quelle angibt sobald der Link mit diesem Text auftaucht, das ist eine groteske Verzerrung der Verhältnismäßigkeit.

Dem Theater von Herrn und Frau eDings nach zu urteilen ist es ja fast so als hätte jemand Frau Rowling das Manuskript für Harry Potter 6 entwendet und unter eigenem Namen veröffentlicht, es ging aber nur um einen Link mit einer etwas längeren Beschriftung. Die "guten Blogger-Sitten" verlangen dass man angibt wo man den Link her hat, und es ist seit jeher üblich die letzte Quelle anzugeben. Das war sowohl bei Thomas als auch bei Jörg der Fall, so what?

Noch ein Linktipp dazu:
http://www.jensscholz.com/2003_08_01_archive.htm#106027018309020320

Und wehe einer schreibt nun "Noch ein Linktipp dazu" in sein Blog ohne mich zu würdigen ... ;->

Ralf am 07.08.03 18:00 #
 

Ralf: Ersteres hat glaube ich auch niemand verlangt. Lass uns das nicht unnötig aufbauschen.

Zu dem Text von Jens: Klar hat er recht, wenn er schreibt, dass "es als Zweitverwerter reicht, die Quelle seines Zitats anzugeben", aber das hier ist das Netz und es ist ein Kinderspiel bis zur Originalquelle "runter" zu kommen. Deshalb ist es auch angemessen, das zu tun.

Wichtig ist vor allem, dass erkennbar bleibt, wer was geschrieben hat (was beim swr nicht mehr der Fall war) und dass nicht Quellen falsch angegeben werden (was bei Thomas Burg so war).

Martin Röll am 07.08.03 18:20 #
 

nochmals zum Mitschreiben: die Erwähnung einer Site ist also zitierwürdig mit Quellangabe?

Öhm... Dorfnet oder Internet?

Robert Basic am 07.08.03 18:26 #
 

> Wobei noch nicht die Frage erörtert wurde ob ein Link mit einem Satz eine "schützenswerte geistige Eigenleistung" ist und somit überhaupt das Urheberrecht greift ...

Darum geht es doch gar nicht. Deswegen nur mal am Rande als Info:
"Nach § 7 UrhG ist der Schöpfer eines Werkes der Urheber. Im Internet ist dies eindeutig, wenn jemand seine Seite vollkommen autonom und inklusive aller in ihr enthaltenen Elemente wie Texte, Bilder, etc. erstellt hat."

Siehe u.a.
www.rewi.hu-berlin.de/jura/ls/pls/ Seminararbeit3/UrhR_Internet.doc

Ich bin kein Jurist, aber die Beurteilung von schöpferischer und individueller Eigenleistung ist nur bei der Bestimmung von Miturheberschaft von Interesse (8 I UrhG).

Aber nochmal, Martin geht es doch nicht um Copyrights. (Correct me if I am wrong.) Martin geht es nicht um Gesetze. Es geht, wenn ueberhaupt, um ein paar Spielregeln. Und ein Verstoß wird auch nicht mit der Todesstrafe bestraft. Lediglich mit Unmut.

Heiko Hebig am 07.08.03 18:54 #
 

Scheint mir eine typische Sommerlochdiskussion zu sein, die weit am Ziel vorbeischießt. Weil nämlich:

1. Es gibt keine Zitierregeln in der Blogosphäre. Und wer sich anmaßt, welche einführen zu wollen, erntet mit Recht nur Gelächter, denn einer relativ anarchischen Community wie der Blogosphäre Regeln vorzuschreiben, ist ungefähr so sinnvoll wie gegen Windmühlen zu kämpfen. Auch Dave Winer merkt das gerade relativ deutlich.

2. Es gibt Urheberrechte. Und wenn jemand seine Urheberrechte durch mangelhaftes Zitieren verletzt sieht, dann soll er den Verletzer kontaktieren und die Einhaltung des Urheberrechts einfordern (sprich: verlangen, dass ein ordentliches Zitat gesetzt wird oder das unrechtmäßig erfolgte Posting gelöscht wird). Und nicht öffentlich herummotzen und/oder Zitierregeloberlehrer spielen. Das ist nämlich kindisch.

Ich für meinen Teil bemühe mich immer um korrekte Quellenangaben. Niemand kann aber von mir verlangen, dass ich einen Text bis zur Ursprungsquelle zurückverfolge, wenn diese durch mehrfaches Zitieren (was ja häufiger vorkommen soll) irgendwo am Weg verlorengegangen ist.

In diesem Fall scheint das Posting von Thomas durch das Zusammenwirken seiner Blogsoftware mit dem RSS-Feed von Jörg, der keine Quellen mitliefert, entstanden zu sein. Daraus sollte man nicht unbedingt ableiten, Thomas habe bösartig oder absichtlich gehandelt.

Niemand reißt sich einen Haxen aus, wenn er auf solcherart unabsichtlich geschehene Fehlzitation per privatem E-Mail hinweist. Wie eDings reagiert hat und wie hier die Debatte teilweise geführt wird, ist allerdings nur kindisch. Sollen sie doch bitte wirklich ihren RSS-Feed einstellen, wenn sie Angst haben, dass er benutzt wird.

Horst am 07.08.03 19:20 #
 

Sicherlich ist der Stein des Anstosses eine Bagatelle und von der schöpferischen Leistung kein gutes Beispiel, um die Diskussion zu führen. Und garantiert hat es auch keiner böse gemeint. Was mich aber wundert, ist die Leichtigkeit, mit der manche für die Blogosphere die allgemein gültigen Regeln des Urheberrechts relativieren.

Wenn "großer Meister" Röll ein paar sinnvolle Vorschläge für die Etikette beim Verwenden der copy&paste-Taste macht, bleibt er damit - soweit ich das beurteilen kann - sogar deutlich hinter der aktuellen Rechtslage zurück. Er definiert eigentlich einen Mindeststandard; dieser sollte konsensfähig sein.

Man muss aber mal der Tatsache ins Auge sehen, dass die Blog-Szene entweder mangels Interesse wieder eingeht - oder sie entwickelt sich zu einer 2. Medienlandschaft. Spätestens dann treten massenweise Marketingblogger ohne inhaltlichen Plan auf, die nur auf den Zug springen können, indem sie fröhlich plagiieren. Das werden sich die Leute, die eigene Inhalte produzieren, nicht bieten lassen. Der Unterton in den Diskussionen der bloggenden Unternehmensberater míteinander ist signifikant für das, was kommt.

Ein anderes Beispiel:

Rainer Langenhan vom Handakte WebLawG hatte bemerkt, dass eine Kieler Anwaltskanzlei die RSS-Feeds unserer Blogs so schön in ihre Homepage einbaute, dass man nicht bemerkte, woher die Inhalte wirklich kamen. Wir haben uns direkt und freundlich an den Kollegen gewandt. Der hat ebenso freundlich reagiert und den Missstand behoben.

Was wäre aber gewesen, wenn er unsere Inhalte weiter abgekupfert hätte? Dann hätten wir die Diskussion hier an einem ziemlich konkreten Fall führen können und es ziemlich schnell im Namen des Volkes erfahren, ob in der Blogosphere eine anarchische Grundhaltung überlebensfähig ist...

Udo Vetter am 07.08.03 20:38 #
 

Das Rechts- oder Unrechtsbewusstsein ist nicht schlechter und nicht besser als im Querschnitt der Bevölkerung entwickelt. Da sollte man sich nichts vormachen.

Ich habe allerdings Probleme, wenn sich die Diskussion auf eine sogenannte Verfehlung aufhängt die keine ist. Der Kommentar hat keinerlei geistige Höhe.

Es handelt sich auch nicht um die seitenweise Übernahme einer Datenbank, was ebenfalls einen Schutz genießt. Dann wäre noch unlauterer Wettbewerb ... nun auch das will mir nicht einleuchten ...

Mehr hierzu:
von Christian Schnackenburg unter http://www.rewi.hu-berlin.de/jura/ls/pls/Seminararbeit3/kapitel2.htm

und von Henry Krasemann unter
http://www.ejura.de/Aufsaetze/urheber.htm

Bleibt der Akt der Höflichkeit, den ursprünglichen Entdecker eines Links im Netz ordentlich zu benennen.

Hier genügt meines Erachtens durchaus die Erwähnung der Quelle ohne Deeplink mit einem einfachen "via". Es mag einen Tick freundlicher sein, einen Deeplink zu setzen. Ich erinnere mich, dass gerade eDings sich über Deeplinks echauffierte und diese nicht wünscht.

Unangebracht ist der Ton, der in eDings angeschlagen wird. Diese Verunglimpfung und angesichts nur bedingt erkennbarer Schutzwürdigkeit u.U. als Verleumdung zu wertende Äußerung, hat den Spott verdient.

Die ansonst begrüßenswerten Empfehlungen zum Zitieren verlieren angesichts des Aufhängers an Kraft.

Schade. Sehr schade.

Silke Schümann am 07.08.03 22:35 #
 

Leute, hört einfach auf den Maddin. Wäre schön, wenn man sowohl die Originalquelle würdigt als auch denjenigen, der sie für einen ausgebuddelt hat. Am besten mit Permalink, damit die Sucherei entfällt.

Dann setzt ihr das ins rechte Verhältnis mit der Wichtigkeit und der Länge der Nachricht.

Dann könnt ihr zu dem Schluß kommen, daß beide detailliert ausgewiesenen Angaben in diesem konkreten Fall vielleicht etwas überdimensioniert sind. Denn machen wir uns mal eines klar: Die wirkliche Arbeit hat in dieser Sache vermutlich/hoffentlich Carola Heine geleistet und das wird von allen gewürdigt.

Und es schmückt sich auch keiner mit fremden Federn: Thomas nennt explizit den SWR, der SWR nennt eDings, alle nennen Carola. Ich meine, das spricht doch eigentlich für eine gesunde und aufrechte Grundstimmung in der BS, daß alle ausnahmslos und spontan credit gaben. Vielleicht nur indirekt und fehlerhaft, also der eigenen Quelle statt dem eigentlichen Urheber, aber immerhin.

Da habe ich jedenfalls schon Schlimmeres erlebt.

Wolfgang Flamme am 08.08.03 00:56 #
 

Merci Heiko, merci Udo, Horst, Silke, Wolfgang.

Horst: Ich wiederhole mich nur ungern: Kein Mensch fordert "Regeln". Auch hat (zumindest hier) niemand Thomas Burg Bösartigkeit unterstellt.

Da die Diskussion hier schon lange weit am Ziel vorbeischießt - es wird immer noch über Recht und Unrecht diskutiert wird (das ist völlig unwichtig! Es geht nur um eine Netiquette!) und es werden "Regeln" kritisiert, die überhaupt niemand fordert (möglicherweise Herr Stolpmann. Aber nicht ich. Und über seine Ideen wird woanders diskutiert, nicht hier.) - schließe ich den Kommentarthread. Vielen Dank für die rege Beteiligung.

Martin Röll am 08.08.03 08:14 #