22. Juli 2003

[ Blogging , Strategie ]

Link or Die. Rat für Weblogplattform-Betreiber

Eskalation eines Gedankens: Nico Lumma steckt mir einen Link zum Eintrag über Weblog-Werbung bei Delta-Radio. Ich texte ihm ein paar Ideen übers IM zurück. Merke, dass das doch ausführlicher werden könnte. Beginne, einen Kommentar in seinem Weblog zu verfassen. Renne in die Küche, um meine Nudeln vor dem Exitus zu retten. Habe ein weitere Idee. Und jetzt sitze ich hier, um das alles zusammenzuschreiben.

Was passiert gerade? Ein Radiosender wirbt für 20six:

"delta radio sucht dich für das delta radio Weblog! Dein Tagebuch, dein ganzes Leben - jeden Tag im Internet hier bei delta radio! Jeder wird an deinem Leben teilhaben, aber... niemand wird wissen wer du bist, denn du bleibst anonym!"

Erster Gedanke: Interessant, dass Webloggen jetzt aufs Tagebuchschreiben reduziert wird. Das "Web" kommt nur noch als Publikationsfläche vor. Aber Moment, war da nicht noch mehr?

Ich könnte jetzt die fundamentalistische "Aber das Netz ist auch eine Community! Nur rumtexten reicht nicht! Wir müssen uns vernetzen!"-Leier anstimmen, aber es geht auch viel besser: Betriebswirtschaftlich nämlich. Listen up, ihr 20sixes, twodays, freenets und myblogs, jetzt könnt ihr was lernen!

Ihr baut Blog-Plattformen. Leute registrieren sich und bekommen ein Weblog. Nun können sie Texte ins Netz stellen. Und irgendwie müsst ihr dabei Geld verdienen. Die Media-Geschäftsmodelle sind praktisch tot und ihr habt eh noch keine Inhalte und Leser, also wird brutalstmöglich Supply-Side-Weblog-Policy gefahren: Mehr Inhalte müssen her! Also mehr Weblog-Schreiber. Ob noch jemand liest, ist egal, aber wir brauchen mehr Blogs. Soweit alles klar und alles in Ordnung.

getting-blog-users1.gif

Die Blogplattform ist "da" wenn die User nach Blogs lechzend gerannt kommen.

getting-blog-users2.gif

Die Blogplattform missioniert auf potentielle User los, die dann auch herkommen.

Jetzt gibt es zwei Wege: Entweder warten, bis die User kommen, die Weblogs suchen, und dann "da" sein oder neue User "fischen" gehen. Solche, die noch gar nicht wussten, was ein Weblog ist und dass sie eins haben wollen, denen ihr aber, mittels Drogen oder Radiowerbung diesen Wunsch irgendwie induzieren könnt. Twoday nimmt den ersten Weg kombiniert mit guter PR und fährt nicht schlecht damit. 20six fährt den zweiten Weg.


"Eeeyy! Du kannst jetzt Tagebuch schreiben!" plärrt das Radio und die Zielgruppe sagt: "Boah, geil. Tagebuch. Echt jetzt. Tagebuch im Internetz. Nu los." Und sie texten los. Jede Menge Tagebuch-Content, jede Menge User.

Aber jetzt kommt das Problem: Ihr verdient nur Geld, wenn die User bleiben. Und wenn ihr so weiter macht werden die alle wieder gehen!

Sorry für die fetten Buchstaben, aber das war wichtig. Was macht ihr? Ihr nehmt eine Technologie, die "Weblog" heißt und gebt sie den Leuten, damit sie Text produzieren. Ihr baut ein wenig "Community" drumherum. Lasst Bonbons, Kommentare und andere Psychoanaleptica verteilen, damit es ihnen warm ums Herz wird. Das funktioniert auf kurze Sicht auch prächtig. Nur: Genau das hatten wir schonmal. Das ganze hieß Geocities, Xoom oder ganz generisch "Personal Homepage Community" und fetzte für ungefähr 24 Monate auch richtig. Und dann gingen alle pleite. Och.

Leute: Die Personal Homepage ist tot! Und auch wenn sie jetzt Weblog heißt, macht sie das kein bisschen lebendiger. Ich könnte Euch jetzt mit meiner ganzen Hype-Seniorität Geschichten erzählen, warum Geocities & Co alle draufgegangen sind, aber das mache ich nicht, das kann Stefan Smalla besser. Die Sache ist im Grunde auch ganz einfach: Wenn Plattformen durch die Nutzer Geld verdienen sollen, brauchen sie einen Lock-In. Und persönlicher Content produziert keinen Lock-In!

Hm, schon wieder fett. Das war auch wichtig. Wir müssen aber noch genauer werden: Wenn ich "Content" sage, meine ich genau das: Kein Mensch interessiert sich für die Tagebucheinträge anderer Menschen! Im Moment schon, weil die Anzahl der Leser immer noch viel höher ist als die der Schreiber. Aber das ändert sich schnell und dann werdet ihr genau die Effekte bemerken, die die Personal Homepageler vor 2 Jahren hatten: Die Anzahl der Kommentare pro Eintrag sinkt (Parallele: Gästebucheinträge). Die Anzahl der Einträge pro Blog und Zeiteinheit geht zurück (Parallele: Homepageupdates). Und nach und nach stirbt die "Community". Tot. HTML-Leichen.

Wir hatten das alles schon. Ihr kopiert das alte, gescheiterte Geschäftsmodell. Ihr fahrt "Old Media"-Strategien; die Radiowerbung ist der Gipfel davon. (Ich hab die Spots nicht selbst gehört. Ist das wirklich nur eine reine Werbekampagne oder wenigstens eine clevere Cross-Promo? Gibt es Audioblogging? Werden Blog-Einträge im Radio vorgelesen? Irgendetwas, um mit dem Medienbruch umzugehen? Nicht? Warum nicht?)

Da war doch noch was? Das Web, nicht? Weblog. Nur zur Erinnerung, was ein "Web" ein "Netz" eigentlich ist. Es sieht ungefähr so aus:

web.gif Das Web. Unendliche Weiten. Oh, das war was anderes.
So. Nur viel größer. Und bunter (JPG, 110 KB). Aber es geht ja nur ums Grundprinzip. Das ist das Netz. Small Pieces Loosely Joined wenn ihr so wollt. Und jetzt zeig ich Euch, was ihr macht:

web2.gif Immer noch das Web. Aber jetzt ist eine Blogplattform da.

Ihr schafft neue Sammlungen von Seiten, die mit dem Rest des Netzes kaum vernetzt sind. Von der Dienst-Startseite linkt ihr auf ein paar einzelne Blogs, ansonsten gibt es kaum Verlinkung. "Individual Dots, Not Really Connected" oder so.

Damit rückt ihr an den "Rand" des Netzes. Ihr seid nicht dabei bei der großen Party. Eure User sind nicht dabei! Sie texten, solange das noch Spaß macht. Und dann hören sie auf, wechseln den Anbieter, gehen mal wieder an die frische Luft oder haben Sex. Aber sie zahlen nicht eure Gebühren. Eure Blogger kochen im eigenen Saft. Das macht keiner lange mit und Geld ausgeben tut dafür erst recht keiner. Nochmal: Content bringt keinen Lock-In! Seiten um Content zu publizieren hatten wir schonmal. Dass es jetzt noch einfacher geht und das Tagebuchlabel draufpappt, ändert nichts: Ihr habt am Ende immer noch eine langweilige Sammlung Personal Homepages.

Was fehlt, sind die Beziehungen.

Beziehungen. Kein Mensch verliebt sich in sein eigenes Tagebuch. Menschen verlieben sich in andere Menschen.

Weniger dramatisch: Alleine eine Website füllen ist todlangweilig. Gelesen werden ist spannend. Von den gleichen drei Usern gelesen und bonboniert zu werden ist langweilig. Von der Welt gelesen zu werden, gelesen werden zu können, ist spannend.

Das, was das Bloggen groß gemacht hat und das, was es geil macht, sind Links.

Links sind Beziehungen zwischen Websites und Beziehungen zwischen Websites sind Beziehungen zwischen Menschen. Content stirbt. Aber Beziehungen leben. Nur helfen die Plattformen den Usern nicht, Beziehungen zu bauen, sie verhindern es zum Teil sogar! Die Bonbonfabriken und der Login- und Cookie-Terror sind dabei nichtmal das schlimmste: Bei der ganzen Webloggerei sind völlig simple Links vollkommen auf der Strecke geblieben!

Ich kann mobloggen? Toll. Ich kann "Multimedia-Content" hochladen? Na irre. Smileys einbinden? Wahnsinn. Ungefähr 5 Minuten lang. Danach bin ich einsam.

Eure Plattformen werden nie so spannend wie das Netz! Da draußen gibt es das richtige Leben. Bei Euch gibt es nur Microcontentpublishing. Habt ihr schonmal jemanden getroffen, der das toll fand? Früher oder später wollen die User was anderes als "in eine Maske mit einer Textarea und einem BLOG-Button Text eingeben und zusehen, wie er im Web erscheint". Wenn ihr Euren Usern also wirklich was Gutes tun wollt, dürft ihr sie nicht vom Netz protegieren. Ihr müsst sie voll in das Chaos hineinschubsen!

Klar, das ist gefährlich: Denn da draußen ist es ganz furchtbar wild und es gibt keine Bonbons, dafür jede Menge Beleidigungen und Unanständigkeiten. Aber wie sonst sollen Eure User merken, was das Webloggen wirklich ausmacht? Ihr habt die Wahl gar nicht: Entweder Eure User vernetzen sich mit dem Web und werden ein Teil davon oder sie bleiben Diary-Autisten, die Euch zunächst nur Bandbreite kosten und dann ziemlich schnell wieder weg sind.

Au, das war jetzt fies, jetzt kriege ich jede Menge Ärger mit den Diaristen. Leute, bitte füttert weiter Eure Diaries! Ich finde das toll! Wirklich! Ich glaube nur nicht, dass die Blog-Plattformen mit Euch ein Geschäft machen werden, das war alles. Ich mein' das nicht so böse, wie es dasteht. Jeder, der sich beleidigt fühlt, ist auf eine Tasse Kaffee bei mir eingeladen. Und der Rest auch. Ich koche einen ziemlich guten Kaffee.

Aber bevor wir jetzt völlig vom Thema abkommen, schreibe ich lieber eine kleine Zusammenfassung und ein paar knackige Schlussätze, damit das auch alles hängenbleibt. Also:

Zusammenfassung

Die Weblogplattformen bringen jede Menge neue Leute ans Netz, die vor allem Tagebücher schreiben. Mit diversen Features soll auf den Plattformen eine "Community" geschaffen werden, die den Schreibenden Feedback verschafft und sie motiviert. Damit haben wir praktisch genau das gleiche Vorgehen, wie bei "Personal Homepage"-Diensten vor ein paar Jahren.

Die Homepage-Dienste scheiterten, weil die werbebasierten Geschäftsmodelle zusammenbrachen und sich herausstellte, dass der reine Inhalte und die reine Publiziermöglichkeit nicht interessant genug waren um User zum Zahlen zu bewegen.

Martin sagt: Content ist Mist. Content bewegt keinen Menschen dazu, für einen Weblog-Dienst zu zahlen. Links sind toll. Links sind toll, weil sie Beziehungen schaffen. Die einzige Chance, die Weblogplattformen haben, wenn sie langfristig Wert schaffen wollen ist, den Usern dabei zu helfen, Beziehungen zu anderen zu knüpfen und ein Teil des Netzes zu werden.

Sie können ganz einfach anfangen und den Usern zum Beispiel mal behutsam die Funktionsweise des <a href="... erklären. Sie könnten ihre Vorbildblogger mit gutem Beispiel vorangehenlassen und die Leute ihre Neugier entdecken lassen. Sie könnten die Zäune niederreißen, die heute die Blogosphere davon abhalten, mit den "Neuen" zu spielen... die Möglichkeiten sind vielfältig und sie sind unausweichlich: Bleiben die Weblog-Dienste vom Web abgekoppelt, werden sie früher oder später sterben.

Link or Die.

Das war meine kostenlose Consulting-Lektion für heute. Wenn ihr's genauer wissen wollt, wisst ihr ja, welche Telefonnummer ihr anrufen müsst.


[Nachtrag] (23.07.03, 01:00)
Hier ist ein "manueller TrackBack" zu sierra von twoday.net, der den Artikel kommentiert hat. Danke!

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Martin Roell hat sich über die 20six-Blogs ausgelassen: Link or Die. Rat für Weblogplattform-Betreiber. Ausschlaggebend war ein Artikel bei Nico über Delta Radio Weblogger. Letztendlich prophezeit er 20six den Untergang, wenn die User ihrer Blogs keine...

Dirk Olbertz :: Blog: Wahrheit oder Pflicht? (22.07.03 08:20)

Martin Röll mit einem Rat für Weblogplattform-Betreiber --- Lesen

MetaBlog: Link or Die (22.07.03 09:35)

Völlig unfreiweillige bin ich momentan dem Röllwatch ausgesetzt. Als fiese Folter, quasi durch viele kleine Nadelstiche, will mich der Herr...

Noch'n Blogg.: Röllwatch (22.07.03 14:31)

Wie man unlängst bei Jim auf 20six lesen konnte, hat Frau G. wohl was böses über Tagebücher und 20six gesagt, und nun tummelt sich da alles in den Kommentaren und es geht darum, wie spezifisch das ...

PlasticThinking: Moe's Blog.: Von Tagebüchern, Technik und 20six (20.08.03 21:53)

moe fasst mal wieder sehr treffend zusammen: die 20sixer fühlen sich angepisst, wegen eines kommentares von anke und denke mir nur so dabei: "och, recht hat sie! ich finde diese "gated-communities" auch irgendwie unsympatisch. warum? weiss nicht genau...

roninarts: gated-communities & pauschalisieren meinerseits ;-) (21.08.03 01:02)

Jim, der auf 20six bloggt, zieht ein erstes Fazit: "Ich merke wie das Image der Plattform die Leute anzieht, die...

E-Business Weblog/Newsfeed: 20six - Jims erstes Fazit (30.09.03 13:44)

 

Kleine Anmerkung: Geocities wurde 1999 für US$ 3 Milliarden von Yahoo! gekauft.

Heiko Hebig am 22.07.03 02:17 #
 

Perfekte Argumentation. Lag mir schon lange auf der Zunge ...

Jim Basman am 22.07.03 07:34 #
 

Perfekte Argumentation? Für was? Was steht in dem Artikel was nicht schon seit dem Übergang von Gopher und FTP zu HTTP richtig ist? Was unterscheidet ein Weblog von Homepages? Der Updatezyklus, die Links?

Aus dem Beitrag kann man eher den Schluss ziehen, dass Weblogs genau so unsinnig wie Homepagecommunities sind, sofern man nichts zu sagen hat. Was ist daran neu?

Matthias Teege am 22.07.03 07:56 #
 

Hmmm, Beziehungen, das Salz des Lebens, wie wahr!
Und das Angebot mit dem Kaffee ist wirklich verlockend :>)

Gery Mooser am 22.07.03 09:19 #
 

@Matthias, der Unterschied ist technisch so marginal und doch dramatisch: das Verlinken per se ist ein wichtiger Bestandteil des Contents. Man redet und man flüstert miteinander. Und Homepages nicht? Mit Links? Du weißt, was Homepages millionenfach ausmacht. Man versteht Homepages nicht als Kommunikationsmedium, um Netzwerke von Interessierten zu bilden. Homepages sind eine tote Visitenkarte. Häufig.

Im Businessbereich sehe ich für mich als Geschäftsmann nicht den Deal, den man mit Blogs machen kann, sondern die Personen hinter dem Blog, mit denen ich einen Deal machen kann: cross corporate Networking heißt das auf denglsh und auf deutsch einfach nur Kooperationen. Das kann ich mit Firmenhomepages und News auf diesen Businesssites nicht.

Robert Basic am 22.07.03 11:00 #
 

Matthias: Hm, hab ich mich so undeutlich ausgedrückt? Es geht mir nicht darum, ob Weblogs sinnvoller oder unsinniger als Personal Homepages sind. Es geht mir allein um die Strategie der Plattformbetreiber. Ich sage, dass das, was auf ihren Blog-Plattformen entsteht, nicht geschäftlich tragfähig sein wird. Ob sinnvoll oder nicht ist eine ganz andere Fragestellung. Das hier soll nicht in die "Was ist ein Weblog"-Debatte enden, meinetwegen sind das was dort entsteht, auch Weblogs. Aber, wie ich schrieb: Das, was die Blogosphere groß und nützlich gemacht hat, sind Links. Wenn die Plattformbetreiber jetzt auf sie verzichten sollten sie besser ein paar sehr gute Gründe dafür haben.

Martin Röll am 22.07.03 11:23 #
 

Ja, nur was ist neu? Cunningham hat die Editierbarkeit von Seiten schon in seinen ersten Entwürfen des «www». Tools dafür gibt es seit Jahren. Was verleitet Martin Roell zu der Annahme, man könnte mit Weblogs erfolgreicher Geld verdienen als mit Homepages? Die Vernetzung von Müll macht diesen nicht interessanter. Genausowenig wie die kommentarlose Weitergabe von News von einem Weblog zum anderen. Weblogplattformen haben einfach keine Chance. Sie sterben wie jedes andere «Pseudo Geschäftsmodell» --- leise und übelriechend.

Matthias Teege am 22.07.03 11:42 #
 

Interessant bei den ganZen Entwicklungen finde ich die Bereitheit Zum Zahlen: Wo keiner für eine private Homepage bereit ist (oder nur in eher wenige Fälle) Geld für Zu Zahlen, ist die Bereitheit für kostenpflichtige Blogs - oder kostenpflichtige ZusatZfunktionen größer... So meine EinschätZung.
Oder liege ich da falsch?

Und die Große Frage: was kommt NACH den Weblogs-Hype? Foren? Multimedia-Austausch-Portale, am Besten noch mit Handy-Anbindung?

Birthe Stuijts am 22.07.03 11:45 #
 

@Martin, die Kommentare überschnitten sich. Ich habe das Problem verstanden nur verstehe ich nicht warum das einer Erwähnung bedarf. Das die Konzepte der «Weblogplattformen» nicht tragen ist doch nun wirklich offensichtlich. Sie machen nichts neues. Klassisch Me2. Warum soll sich das auf einmal rechnen? Excessive Verlinkung rettet sie auch nicht.

Matthias Teege am 22.07.03 11:51 #
 

wenn ich mal gross bin, dann kaufe ich mir auch einen tabletpc und male bunte bilder :)

Nico am 22.07.03 11:55 #
 

"Die Vernetzung von Müll macht diesen nicht interessanter" - Aus Sicht des Mülls schon. ;-) Die "Weblogs bringen nichts neues, die Leute haben nichts zu sagen und schreiben nur ab"-Argumentation finde ich höchst risikoreich. Menschen haben schon immer mit anderen Menschen interagiert. Das von außen wahrgenommen Signal/Rausch-Verhältnis ist da nicht unbedingt wichtig. Kommunikation funktioniert dann, wenn sich zwei verstehen. Nicht, wenn es für den dritten schön aussieht. :) Das Netz routet Leute, die zusammenpassen, zueinander. Weblogs machen das möglich. Das ist Geld wert.

Martin Röll am 22.07.03 11:59 #
 

Ich denke, *reine* Weblogplattformen wie 20six werden es in der Tat sehr schwierig haben - ob nun mit oder ohne Links. Die wenigsten werden bereit sein, monatlich XY Euro zu bezahlen, "nur damit ich eine Seite im Internet aktualisieren kann", um es mal aus der Sicht eines Ottonormalsurfers zu sagen. Und wenn man diesem Ottonormalsurfer die Vorteile von einem Weblog erklären will, bleiben viel mehr Argumente ja nicht mehr übrig. "Und RSS kannst Du auch noch nutzen" wird nicht ziehen ("Ne, ich nutze SMS, das reicht mir"). "Und Du kannst zu anderen Seiten linken" wird auch nicht klappen. ("Zu wem soll *ich* den schon linken?") "Und hier, Du kannst Dir sogar ein Moblog einrichten" "Was ist denn jetzt schon wieder ein Moblog? Jetzt habe ich nach ner halben Stunde endlich mal verstanden was ein Weblog ist und Du kommst mir schon wieder mit was Neuem!"

D.h. als *reinen* Weblogdienst sehe ich da wenig Chancen. Funktionieren wird es vielleicht, Weblog-Funktionen im Paket mit weiteren Features zu verkaufen:

- Werden Sie Mitglied im Web.de Club und Sie erhalten 30 kostenlose SMS im Monat, eine .de-Domain für Ihre Homepage, 50 MB Speicherplatz und die Möglichkeit, Ihre Website ganz einfach via Web, Email oder SMS / MMS zu aktualisieren.

- Kaufen Sie jetzt ein Fotohandy von Vodafone und Sie erhalten kostenlos eine .de-Domain und 15 Frei-MMS pro Monat. Damit können Sie zum Beispiel Ihr eigenes Fototagebuch im Internet veröffentlichen!

- Werden Sie jetzt Kunde von Strato... blablabla.

Die Massen interessieren sich nicht für Weblogs, Moblogs und RSS. Und bevor ich ihnen erkläre was das alles bedeutet, nenne ich es doch lieber Onlinetagebuch. Das ist unter kommunikationsstrategischen Gesichtspunkten durchaus sinnvoll, wahrscheinlich sogar notwendig (siehe auch WAP: Die Leute haben bis heute nicht begriffen, was das ist, wieso sie es brauchen und erst recht nicht wieso sie dafür zahlen sollten). Klar, die Bloggergemeinde schreit auf wenn bloggen mit Tagebüchern verglichen werden. Aber die Bloggergemeinde ist eben auch nicht der Massenmarkt. Ich habe Bekannte, die relativ viel im Web unterwegs sind. Von Blogs haben die alle noch nichts gehört. Und wenn ich es ihnen erkläre, vergleiche ich Weblogs eben mit Tagebüchern.

Fazit:

- Um mit Weblogfunktionen Geld zu verdienen, muss ich sie im Paket verkaufen.
- Begriffe wie Moblog, Weblog und RSS sollte ich vermeiden - das versteht eh niemand.

Ich spreche hier wie gesagt vom Massenmarkt und nicht von den Leuten, die hier auf dieser Seite bloggen oder kommentieren. Auch gibt es sicherlich eine Nische, in der ich erfolgreich eine reine Weblogplattform betreiben kann (z.B. für die "richtigen" Blogger).

Nico Zorn am 22.07.03 12:48 #
 

ist es so unvorstellbar, was passiert, wenn man einen sozialen Interessenscluster von 10.000 Teilnehmern miteinander über eine Blogplattform vernetzt? Warum damit keine Kohle zu machen sein soll, ist mir einfach schleierhaft. Martin hats doch schon beschrieben, woran die Erfolgsphilosohie hängt.

Matthias, "Die Vernetzung von Müll macht diesen nicht interessanter. Genausowenig wie die kommentarlose Weitergabe von News von einem Weblog zum anderen. Weblogplattformen haben einfach keine Chance. Sie sterben wie jedes andere «Pseudo Geschäftsmodell» --- leise und übelriechend". Ist das Dein Tellerrand? :-)))

Robert Basic am 22.07.03 13:22 #
 

@Robert: "wenn man einen sozialen Interessenscluster von 10.000 Teilnehmern miteinander über eine Blogplattform vernetzt"

Ich frage mich aber, wie das in der Praxis aussehen soll. Soll 20six die Leute dazu verdonnern, Links zu setzen? "Den leuten a href=" erklären... Hm. Wenn die Leute linken möchten, werden sie es tun.

Den Gedanken mit dem sozialen Interessenscluster gab es ja auch schon während des Community-Hypes. Auch in Communitys konnten die User Beiträge posten, kommentieren, verlinken etc. Der Unterschied zu Weblogs ist meiner Meinung nach irgendwo nicht besonders groß.

Nur Geld konnte man damit wie sich gezeigt hat nicht verdienen. Zumindest ist mir kaum eine *reine* Community bekannt, die wirklich Gewinne erwirtschaftet.

Nico Zorn am 22.07.03 13:46 #
 

Ups, Beitrag ist irgendwie nicht ganz angekommen. Was ich noch loswerden wollte:

Ich habe eigentlich nicht das Gefähl, dass 20six die User vom Netz abschottet. Mal provokant formuliert: Vielleicht schotten sich sogar eher die "richtigen" Blogger ab? Den Eindruck hatte ich zumindest, als neulich auf sämtlichen Seiten die Meldung "AOL plant Weblogs" mit Beiträgen wie "Meine Güte, jetzt kommen die DAUs und machen uns alles kaputt" kommentiert wurde. Hinzu kommen die Streitereien was das "richtige" System angeht.

Merkwürdig finde ich häufig auch die Blogger-Reaktionen auf Berichte in den "alten" Medien. Da wird dann schon mal ein Journalist öffentlich an den Pranger gestellt, nur weil er irgendeine Kleinigkeit verwechselt hat (dabei hätte eine freundliche Email an den Journalisten genügt). Aber das ist eine andere Geschichte...

Zurück zum Interessenscluster: Die Idee scheint 20six übrigens durchaus zu verfolgen, auf der Website gibt es ja bereits eine Suchfunktionen, mit der ich nach Bloggern mit meinen Interessensgebieten suchen kann. Klar, das ist noch nicht alles, was technisch möglich wäre. Trotzdem scheint die Idee für 20six nicht neu zu sein.


Nico Zorn am 22.07.03 14:01 #
 

das interessante an Blogs ist die quasi Erneuerung des Pushgedankens, was die Verteilung des Contents angeht. Dazu der "Rest" und voila, Du hast eine günstige, aber effektive Vernetzung-Lösung. Ich denke auch, daß die rein privaten Konsumenten für Blogplattformen nicht so interessant sind, lasse mich aber hier gerne eines besseren belehren. Allerdings, immerhin schätze ich mal, daß TypePad ihren Besitzern nicht wenig Cash bringen wird. Nur das ist eine reine Lizenzgeschichte und kein 20six Ansatz.

Es gibt aber in Deutschland wie auch in vielen anderen Ländern Gruppen, auf die Blogs wunderbar passen, weil sie bestimmte Probleme sehr gut, günstig und einfach lösen.

Robert Basic am 22.07.03 14:02 #
 

Nico: Ich bin nicht überzeugt, dass die künstlich auf Plattformen eingeengten Communities langfristig Bestand haben werden. Zwar können die Plattformgrenzen Gruppenbildung fördern (siehe antville), langfristig wird es für die User aber viel interessanter sein, auch mit Leuten zu reden, die nicht bei 20six bloggen. Deshalb mein Plädoyer für das Öffnen zum Netz hin. Die offenen Plattformen haben IMO größere Überlebenschanchen als die inzestuösen.

Martin Röll am 22.07.03 14:11 #
 

Nochmal Nico: Dein Beitrag war schon voll da. Nur wenn du ein "<a href=..." zitierst und das "<" nicht maskierst, hast du eben einen Link und der Rest des Texts verschwindet... Ich hab's manuell korrigiert.

Martin Röll am 22.07.03 14:15 #
 

macht euch mal keine sorgen, die drei doktoren werden schon wissen was sie tun. sie hatten doch mal diese auktionsplattform, die fuer 56k-modem-nutzer wie mich damals voellig unbenutzbar war. frames und javascripte machten damals das surfen mit mehreren fenstern unmoeglich. ich dachte, diese usability-maengel sind deren tod, aber sie haben damit fett kohle verdient.

kris am 22.07.03 14:32 #
 

@Martin: Danke für die Korrektur. Was das Öffnen zum Netz hin angeht ist das natürlich auch ein Spagat: Auf der einen Seite ist es sinnvoll, auf der anderen Seite will ich aber Geld verdienen, also das möglichst viele Leute mit 20six bloggen.

Wenn das Interessenscluster aber nun offen und für jeden zugänglich ist, werde ich es schwer haben für die Nutzung Gebühren zu verlangen.

Nico Zorn am 22.07.03 14:38 #
 

@Kris: Yep, ich könnte mir gut vorstellen, dass die die 20six soblad sie ausreichend User haben an Web.de, AOL, T-Online oder so verkaufen.

Nico Zorn am 22.07.03 14:42 #
 

Technisch gesehen sehe ich Weblogs als eine Art spezialisiertes Content Management System, dass von jedem zu bedienen ist (Schon wieder so eine Definition). Darin liegen zunächst ungeheure grosse Möglichkeiten. Ob das nun RSS Features heisst oder Moblogging ermöglicht wird, ist für mich zweitrangig. Es werden noch viele viele Features kommen. Und es wird ein langfistiger Trend, der sich sicher in viele Facetten entfalten wird.

Martin spricht in seinem Beitrag von der Vermarktung von Weblogs. Und dass sich Plattformbetreiber zu sehr von der Vermarktung von Homepages haben verleiten lassen. Das sei ihr Fehler. Dem pflichte ich voll bei. In dem Punkt halte ich seine Argumentation für schlüssig. Jetzt aber die Gretchenfrage: Wenn nicht so, wie dann Vermarkten. Wofür soll wann wem Geld gezahlt werden? Und wieviel? Denn ohne einen wirtschaftlichen Nutzen für die Betreiber wird es für WEblogs auf Dauer schwer. Darauf habe ich heute keine echte Antwort.

Jim Basman am 22.07.03 15:20 #
 

@Jim: Ich denke, dass Weblogs - wie bereits gesagt - langfristig im Paket mit weiteren (Webhosting)-Diensten verkauft werden. Alles andere würde irgendwo auch keinen Sinn machen: Kaum jemand wird XY Euro an ein Unternehmen für die Domain und den Speicherplatz zahlen, noch einmal ein paar Euro für die Möglichkeit, die Seite einfach zu aktualisieren und dann noch einmal ein paar Euro an GMX für die Emailadresse und einen Spamschutz. Und für jeden Dienst müsste ein gesonderter Vertrag abgeschlossen werden...

Nico Zorn am 22.07.03 16:04 #
 

Warum man damit kein Geld verdienen kann, ist relativ einfach erklärt, es fehlt das «Return-on-Investment». Der Kunde K investiert X Euro monatlich in sein Weblog und erwartet, zu Recht, einen angemessenen Return, der mindestens die Kosten decken sollte. Für eine «Privatnase» ist der ROI, wie Martin richtig erläutert, der Genuss des Gelesenwerdens. K ist aber publizistisch unterqualifiziert, möchte für sein Geld aber trotzdem gelesen werden. Martin schlägt in dieser Situation die Verlinkung externer Quellen vor. Will das Weblogportal im Geschäft bleiben, muß es Leser liefern. Er stellt also ein paar Studenten ein, welche durch die Weblogs der User ziehen, um Kommentare zu verfassen und damit Interesse zu simulieren. Damit gelingt es dem Provider, den Kunden eine Weile bei Laune zu halten. Wechselt die Anzeige aber von cool auf uncool, fliegt sowas auf. Wie ich schon sagte, es kann nicht funktionieren. Erschwerend kommt hinzu, dass die Höhe des Genusses entgegengesetzt proportional zur Konsumhäufigkeit ist. Die Quote derer, die über kurz oder lang die Lust verlieren, dürfte, wie immer, bei 80 Prozent liegen. Der verbleibende Rest wird unter einer steigenden Zahl von Anbietern aufgeteilt, die glücklich über den nächsten Hype sind. (Vielen Dank Birthe)


Für alle die, die jetzt mit sowas kommen wie "Ja, Image, Kundepflege, Kundenbindung, Werbung, blah ..." kann man doch nicht messen sei gesagt, man kann. Man muß sogar, denn ansonsten verkauft man nicht.


Es gibt hier deutliche Parallelen zur IT Sicherheitsbranche. Auch dort werden den Kunden die dicksten Bären aufgebunden (die heißen zwar nicht «sozialer Interessencluster» ,aber im Trend ist gerade «sie verbessern dadurch ihr Basel II Rating»), aber die potentiellen Bezahler sind schlauer als man denkt. Sie ignorieren die Branche, sodass auch diese sich in ziemlichen Schwierigkeiten befindet. Einer der bekanntesten Menschen in dieser Szene ist Bruce Schneier, und der schrieb in seinem letzten Crypto-GRAM:


"Here's my hint to anyone trying to sell computer security: demonstrate value. Demonstrate ROI. Demonstrate that your product enables customers to manage their risk better. FUD doesn't work anymore. It doesn't sell anything, and it pisses off your potential customers."


Zu dem «sozialen Interessenscluster von 10.000 Teilnehmern» sage ich jetzt mal nichts weiter, außer "schreibe einen Artikel, wenn Du einen mit 1000 Nutzern gebaut hast". Das ist ja schlimmster
«New-Economy speak» und wirklich Lichtjahre von der Realität entfernt. Das liegt schon außerhalb der Definition von Vision und auch von Kommunikation. Sowas traut sich nicht einmal
«hyperwave.com», und die haben das Schlimmste schon im Namen.


Ich hätte jetzt noch gerne was zu Martins Kommentar gesagt, der meine Argumentation etwas verdreht hat, aber ich will hier nicht langweilen. Außerdem muß ich mich von dem «sozialen Interessenscluster» erholen. Sorry, Robert aber das war echt hart, ganz zu schweigen von dem Tellerrand. Achso, ich habe unter http://www.jteege.de/cgi-bin/awki.cgi/SozialerInteressencluster
Platz für die Erklärung von «sozialer Interessencluster» gelassen. Des Links wegen.


Link or let it be and die all the same.

Matthias Teege am 22.07.03 16:23 #
 

@Nico: Weblogs im Package mit anderen "Grundnahrungsmitteln" wie Mail etc leuchtet mir ein. Also in Deutschland beispielsweise bei GMX (Wird GMX jetzt einen Weblog-Provider kaufen?). Oder als Zugabe zu Produkten wie bei Application Servern für den Einsatz in (Intranet) oder um (Extranet) Unternehmen herum.

Dann hätten Weblogprovider keinerlei Chance. Das wäre die Schlussfolgerung. Ein Hype der zerplatzt. Das glaube ich noch nicht so ganz, auch wenn dein Gedankengang einen gewissen Charm hat ...

Jim Basman am 22.07.03 16:54 #
 

"Verdrehen" wollte ich da nichts, tut mir leid wenn das passiert ist. (Wir können das gerne per Mail weiterführen, wenn es für die Kommentare hier nicht wichtig genug ist!)

Aber was hast Du gegen das "Hyper"(link) in "Hyperwave"? ;-) (Das erinnert mich gerade irgendwie an "Love is like a Heatwave" - muss die Hitze draußen sein.)

Martin Röll am 22.07.03 17:18 #
 

zu aller erst möcht ich mal auf einen entscheidenden Unterschied zwischen einem Blog und einem Tagebuch aufmerksam machen: ein Tagebuch schreibt man und liest es vielleicht später nach ein paar jahren noch einmal durch. bei einem weblog ist das wie wenn man sein tagebuch in der WG auf dem Küchetisch liegen lässt und man anschliessend um sein Leben rennt oder alternativ mit einem Fest begrüßt wird. Das heisst am ende sind nicht der Inhalt und die links entscheidend. das einzigste was zählt ist das feedback, bzw. die daraus entstehende Kommunkiation. und wer etwas zu sagen hat und wert auf eine antwort legt, der wird mit sicherheit bereit sein für diese möglichkeit geld zu bezahlen.

der erfolg oder misserfolg des vorhabens einer blog-community hängt daher in meinem aufgen überhaupt nicht von dem instrument des blogs und der platform, ab sonder einzig und allein von der fähigkeit der nutzer nit anderen zu kommunizieren. d.h. das sich auch hier langfristig einfach nur ein spiegelbild der realität abzeichen wird. wer wenig leute kennt und immer probleme hatte neue leute kennen zu lernen wird es auch hier nicht einfacher haben, und wer in der realität schon immer viel geredet und kommuniziert hat, wird auch hier noch mehr möglichkeiten finden sich mit anderen auszutauschen. der beweis? schaut euch martin an. genauso wie er hier die ganze zeit artikel ins netz stellet ist er in der realtät, redet einfach die ganze zeit ;o).

was das jetzt für den erfolg eines weblogs bedeutet? nun ja, ich denke die zielgruppe ist klar, die leute mit 50 Emails am Tag und 25 Telefongesprächen die Stunde (ein bichen weniger ist auch ok). mach ihnen klar dass es ein spass und effzienz medium ist. das in der masse der verfügbaren kommunikatiosnmedien eine lücke füllt die durch kein anderes medium ersetzt werden kann... wie? keine ahnung es gibt zu viele möglichkeiten.

ach ja noch was, ich habe kein Blog.

@martin: als consultant und weblog-fraund, wie kann man den nun mit weblogs geld verdienen? du solltest es ja wissen? der community gedanke wankelt schon ziemlich stark. andere ideen?

jerk am 22.07.03 17:29 #
 

@Matthias, zu Deiner Feststellung von "New Economy Speak" (war ne gute Zeit, aber sich heute als Dienstleister hinstellen und behaupten, wie dumm das alles war, ist schon ziemlich doppelzüngig, aber ist mir egal, jeder verkauft nun mal seine Haut als der Dienstleister mit dem Herz für den Kunden :-)) und sozialen Clustern (oder war es Interessenscluster?): es gibt massig solcher Zielgruppen, da ist nix zu bauen. Du bist mir irgendwie zu schnell mit Deinen Urteilen, oder einfach keinen Geschäftserfolg?

Robert Basic am 22.07.03 17:43 #
 

wie kann man mit weblogs geld verdienen? ganz einfach: weblog-software, community-plattform oder consulting-dienste verkaufen und zu sehen, wie andere damit kein geld verdienen. ;-)

kris am 22.07.03 17:47 #
 

Ey! Die persönlichen Seitenhiebe will ich hier nicht sehen (das geht an Robert und Matthias). Mir ist egal, wer angefangen hat, ich hab euch eh beide lieb. ;) Aber streitet Euch bitte, ohne persönlich zu werden. Merci.

Martin Röll am 22.07.03 17:50 #
 

er hat aber angefangen *schaum vorm mund* er wars er wars ... passt schon ;-)

Robert Basic am 22.07.03 18:14 #
 

Du schreibst: "...wenn ihr so weiter macht werden die alle wieder gehen!"

Viele werden wieder gehen, einige werden bleiben. Na und? Solange es genug sind, um schwarze Zahlen zu schreiben kann ich daran nichts finden. Es wird einige Strohfeuer geben, aber die gab's vor der Radio-Werbung auch schon.

Lass es mich anders fragen: Was willst Du uns mit dem "Rat für Weblogplattform-Betreiber" sagen?

Torsten Crull am 22.07.03 20:11 #
 

Es sind aber nicht genug, um profitabel zu arbeiten. So einfach ist das. Es wird immer Dienste geben, die genau das bieten, was den Tagebuchbloggern reicht und die nichts kosten. Das macht den Plattformen, wenn sie bei dem aktuellen Community-Ansatz bleiben, das Geschäft kaputt. Das ist meine These. (Nun, eine davon.)

Martin Röll am 22.07.03 20:18 #
 

Wo ist das Problem? Wenn die Weblog-Plattformen kein Geschäft machen, dann werden sie einfach wieder verschwinden oder ihr Business-Modell anpassen. Wem gönne ich einen Link? Demjenigen, der mich unterhält, informiert oder meine Sympathie verdient. Dabei spielt es nicht unbedingt eine Rolle, ob es sich um einen Tagebuchschreiber oder ein Business Weblog eines Consultants oder Journalisten handelt. Entscheidend ist letztlich jeweils die Qualität des Contents. Wenn der jedoch "Mist" ist, dann verzichte ich lieber auf einen Link.

Das Web wird's (hin-)richten. Der Kampf um Augäpfel ist nichts wirklich Neues. Wahrnehmung und Verlinkung erhält immer derjenige, der attraktiv ist. Jedoch ist es bei 2osix immer wieder erstaunlich, welche Inhalte gefragt sind: Bilder, Community-Inhalte, persönliche Geschichten und weniger sachliche Informationen...

Warum sollen Links und Tagebücher nicht zusammenpassen. Schließlich haben beide durchaus etwas mit einer gewissen Eitelkeit zu tun. Wer möchte nicht gerne gelesen werden, wenn er oder sie online oder offline schreibt...

Klaus Eck am 23.07.03 01:19 #
 

ja, die these "link or die" ist nicht ganz richtig. sie muss eher "get linked or die" heissen.

kris am 23.07.03 10:54 #
 

Ich habe dazu heute einen Essay verfasst. Sag mir mal deine Meinung dazu ...

Jim Basman am 23.07.03 15:41 #
 

Hallo Martin,

Du hast einen interessanten Punkt angesprochen,

"Ist das wirklich nur eine reine Werbekampagne oder wenigstens eine clevere Cross-Promo? Gibt es Audioblogging? Werden Blog-Einträge im Radio vorgelesen? Irgendetwas, um mit dem Medienbruch umzugehen? Nicht? Warum nicht?)"

Doch genau das wird geschehen, und damit ist es zumindestens aus Sicht von Deltaradio lohnend. Big Brother im Radio, mal schauen was dabei rauskommt und wie sich Delta entscheidet.

Die Idee selber finde ich großartig, zumindestens aus der Sicht von Delta, über alles andere kann man sicher diskutieren.

my2cent
Volker

Volker Graubaum am 23.07.03 15:50 #
 

Volker, Du sagst "das wird geschehen": Weißt Du das sicher oder ist das Deine Spekulation?

Martin Röll am 23.07.03 15:54 #
 

website muss keine tote visitenkarte sein
weblogs verleiten zu trash und unnötigem exhibitionismus
die vermeintliche anonymität führt zu unvorsichtigkeit.
weblogs kommunizieren innerhalb der community und selten ausserhalb. diese form von geistigem inzest ist a la longue nicht wirklich befriedigend. denn das netz ausserhalb ist viel weiter und aufregender
querverweis: platos höhlengleichnis (im netz)
die website ist die wahre persönlichkeit.
selbstentfaltung durch die eigene domain
und mit nem guten FTP-server ist das updaten genauso schnell

woelfin.at am 23.07.03 18:23 #
 

Hallo Martin,

sie haben es zumindestens schon zwei bis dreimal angekündigt, das die Inhalte (oder Teile) in einzelnen Sendungen vorgelesen werden.

Würde auch zum Konzept von Delta Radio passen, da kein anderer Sender IMHO so sehr auf persönliche Ansprache und Veröffentlichung von Hörer Meinungen setzt, bzw es so sauber lebt.
(OK, oftmals mehr als anstrengend *fg*)

Gruß Volker

Volker Graubaum am 29.07.03 10:38 #
 

Hallo Martin,

die Interaktion ist da. Habe vorhin eine kurze Zusammenfassung zu dem Blog bekommen, mit dem Hinweis, das ich den doch auf deltaradio lesen kann (also es ist ein Link zu einem Delta-Radio gebrandeten 20six Blog), und man kann abstimmen, welchen der drei Blogs man am besten findet.

Inhaltlich lass ich mich mal überraschen, wie der noch wird... ;-).

Witzig vielleicht, das die Moderatoren auf Deltaradio entweder sich wenig Zeit nehmen, oder nicht klug genug sind, um das gelesende zu verstehen, da sie schon nach 3 Einträge das erste durcheinander bekommen haben.

Gruß Volker

Volker Graubaum am 29.07.03 20:57 #
 

Vieles von dem, was Ihr über 20six schreibt, trifft zu. Bin nun seit Anfang April auf dieser Achterbahn und habe in meinem gesamten virtuellen Leben noch keine derartige Ansammlung von (kontinuierlichen und immer wieder neuen) Fehlermeldungen erlebt.

Information der UserInnen wird bei 20six ganz klein geschrieben, während nach außen hin community (Gemeinschaftssinn) propagiert wird - Psychospielchen eben. Ansonsten erfährst Du NICHTS; es sei denn, Du surfst im Internet und besuchst externe weblogs.

In der community hat es interessante Leute; darum bin ich noch da. Im übrigen benutze ich die Plattform als "Sandkasten": zum Spielen und Lernen - für mehr nach dieser Episode. Ich informiere, kommentiere, verlinke nach Strich und Faden. Eigentlich zu schade für 20six. Aber jede/-r hat schließlich mal klein angefangen.

Sobald mir einer ein eigenes weblog baut (bin technisch unbegabt, auch darum 20six), bin ich weg - nicht, ohne meine WebLogs möglichst spurlos zu löschen, wie ich es schon mit dem gespiegelten Blog getan habe, der zu Testzwecken genutzt werden sollte, wozu ich aber gar nicht eingeladen war. Die Plattform steht noch immer, obwohl umgehende Löschung nach Beendigung der Beta-Phase versprochen worden war.

Und so weiter und so weiter... . Irgendwann werde ich vielleicht über 20six einen Erfahrungsbericht verfassen; wird sicherlich ein Büchlein.

Sybilla
www.20six.de/Sybilla ("WebLog Sybilla")
www.20six.de/Sybilla1 ("NotizBlog")

Sybilla C. am 01.08.03 08:31 #
 

bin ich ueber segert.net und den link "Anstiftung zum Weblog" doch tatsaechlich wieder hier gelandet und muss feststellen, dass ich ne ziemlich spannende diskussion verpasst habe ;-) martin, dein beitrag gefaellt mir, ueber 20six habe ich eine ziemlich deckungsgleiche meinung.

Gerald am 09.11.03 01:35 #