6. Juli 2003

[ Trends ]

PC-Preise und der "digital divide"

David Weinberger hat eine interessante Beobachtung gemacht: Man kann einen voll ausgestatten Dell Desktop PC mit 15 Zoll Flachbildschirm für 499 US-Dollar kaufen.

Er schreibt:

It's been a while since I checked PC prices. They've entered the color tv range. Wow. It's soon not going to take much money to cross the digital divide in this country.

Ich hatte mich erst verlesen und hatte "video" in der Ausstattungsbeschreibung bei David als "TV-Karte" misinterpretiert. Damit hatte ich die Assoziation, dass ein "TV-fähiger Computer" nur noch geringfügig teurer wäre, als ein normaler Fernseher. Man käme also in einen Bereich, in dem der Computer im Prinzip zum Substitut für einen Fernseher werden könnte. (Ja, mit jeder Menge Einschränkungen: Computer sind hässlich, 15-Zoll-Flachbildschirme nicht so schön wie große TV-Röhren etc. etc.)

Trotzdem wird durch die sinkenden PC-Preise die Konvergenz bei Heimelektronik weiter vorangetrieben. Und die Hersteller haben das ja inzwischen auch verstanden. Spannend.

Noch ein anderer Gedanke: Ist es nicht so, dass heute Sozialhilfeempfänger das Recht auf einen Fernseher, nicht aber auf einen PC haben? Was wäre, wenn man einen PC mit TV-Karte zu einem ähnlichen Preis wie einen Fernseher kriegen könnte? Und wenn dann alle (neuen) Berechtigten mit PCs ausgestattet wären, was hätte das dann für Folgen?

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Was sollte sich dann ändern? Ein Internet-Zugang auf Sozialhilfe wird sich schlecht argumentieren lassen solange es keine kalkulierbaren Kosten dafür gibt.

Jörn am 08.07.03 08:34 #
 

Die Kosten für einen Internetzugang sind ziemlich gering, wenn ein PC vorhanden ist: Analogmodems kriegt man auf jedem Flohmarkt geschenkt, der analoge Telefonanschluss kostet für Sozialhilfeempfänger wenn ich das noch richtig weiß keine Grundgebühr ("Sozialanschluss"?), damit fallen bloß noch variable Kosten an - also etwas in der Größenordnung von 1 Eurocent die Minute.

Martin Roell am 08.07.03 12:49 #
 

Und genau das ist das Problem. Sozialhilfe soll eine Grundversorgung sein, nur wo fängt sie an und wo hört sie auf? Sind 50 Minuten Internet Grundversorgung oder Luxus?

Den Fernseher bekommt man über Sozialhilfe um das Informations-Grundbedürfniss zu decken. Das kann man sicher auch im Internet, aber auch eine ganze Menge mehr, die Bürokraten werden sicher gleich an Tittenseiten denken. Ich denke nicht, das man denen das so schnell ausreden kann.

Jörn am 08.07.03 15:00 #
 

Vielleicht reden wir aneinander vorbei: Was sollte einen Sozialhilfeempfänger davon abhalten, von seinem frei verfügbaren Geld 5 Euro im Monat in den Zugang zum Internet zu investieren?

Martin Roell am 08.07.03 15:20 #
 

Hm, natürlich nichts. Allerdings wird schnell der Ruf nach Erstattung laut, aber anyway :)

Jörn am 09.07.03 09:52 #