26. Juni 2003

[ Marketing ]

Musikindustrie clueless: Angst-Marketing

Die Musikindustrie begreift es einfach nicht:

Heise News-Ticker: Musikindustrie gegen Tauschbörsen-Nutzer

Seit Donnerstag geht die Musikindustrie der USA massiv gegen Computer-Besitzer vor, die über Online-Börsen weltweit ihre Musiksammlungen austauschen. Nach dem Motto "Big Brother is Watching You" spionieren Scanner-Programme all jenen hinterher, die vom Heim-PC aus über Tauschplattformen wie Kaaza, Morpheus oder Grokster Songs und ganze CDs zum kostenlosen Download für andere frei gegeben haben.

Beim Spionieren bleibt es nicht. Innerhalb weniger Wochen sollen möglichst viele Download-Partner mit Namen und Adresse identifiziert und dann nach US-Medienberichten auf bis zu 150.000 Dollar (rund 130.000 Euro) pro frei gegebenem Song verklagt werden.

Anstatt Produkte anzubieten, die jemand kaufen will, jagen sie den "bösen Kriminellen" Angst ein. Das würde funktionieren, wenn es tatsächlich nur eine Minderheit wäre, die illiegalerweise Musik tauscht und damit die Industrie schädigt, während der Rest brav Tonträger kaufen geht. Nur ist dem nicht so: Alle tauschen.

Die Musikindustrie begreift nicht, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss. Dass es eine verdammt schlechte Idee ist, seinen Kunden als angseinflößende, Privatleute verklagende Maschinerie entgegenzutreten, sonder es besser wäre, wenn es einen positiven Grund geben würde, ihre Produkte zu kaufen. (Wobei auch das problematisch ist, weil die Produkte einfach Mist sind. Inzwischen haben wir also gleich zwei Probleme: Die Musikindustrie braucht neue Produkte und dann noch eine andere Art des Marketing. Nur läuft ihr langsam die Zeit ab...)

Get a clue. Lernt. Sonst sterbt ihr. Durch Angst-Marketing hat noch keine Industrie überlebt.

[Update 29.06.03] Heise News-Ticker: Tauschbörsen-Nutzern in Deutschland droht Klagewelle

[Update 08.09.03] Björn Ognibeni: Operation Successful, Patient Dying

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Yep, das ist genau der Punkt. Passend dazu schreibt Spiegel Online:

Ein Satz mit X

Bis zum Herbst, kündigte Steve Jobs vor wenigen Wochen an, solle der iTunes Music Store auch in Europa verfügbar sein. Daraus wird nichts: Streitereien um Rechte und Lizenzen verzögern den Start bis 2004.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,254571,00.html

Schade, kann man da nur sagen. Ich zumindest würde gerne einigen *guten* Künstlern Geld zukommen lassen, d.h. für eine MP3 in guter Qualität inkl. guter Downloadgeschwindigkeit einen angemessenen Betrag bezahlen. Um dies zu machen, müsste ich mir aber im Moment die Kontonummer des Künstlers besorgen und dann pro MP3-Download 25 Cent auf das Konto des Künstlers überweisen - etwas umständlich...

Grüße

Nico

Nico am 26.06.03 19:26 #