19. Juni 2003

[ Business Weblogs , Wissensmanagement ]

Weblogs im Wissensmanagement - Mein Vortrag auf der Gurteen Knowledge Conference in London

(Eine Erfahrung, die man mal gemacht haben sollte: London Stansted Airport, nachts um drei.)

Mein Vortrag in London lief gut. Da niemand aus meinem Publikum wirklich wusste, was Weblogs sind, habe ich ganz von vorne angefangen und die Geschichte erzählt, wie ich zum Bloggen gekommen bin. (Einen Teil davon, habe ich auch schon einmal niedergeschrieben). Ich zeigte dann einige Beispiele von Weblogs (Momentary Lapses of Dilution / Gary Turner, Le Sofa Blogger / Peter Praschl weil sie die ersten Blogs waren, die ich kennengelernt habe und Ton's Interdependent Thoughts / Ton Zijlstra weil es toll ist.) und stellte die Unterschiede zu klassischen Publikationsformen heraus. Wichtig war mir dabei vor allem, dass es um persönliche, menschliche Kommunikation geht.

Weblogsarehumanwebsites.JPG

Ich erklärte die Wichtigkeit von Links, erläuterte verschiedene Interaktionsformen zwischen Weblog-Schreiber und -Leser (Kommentare, antwortende Postings, Email) und ging kurz auf technische Grundlagen (Referrer, Trackback) ein.

Auf eine Frage aus dem Publikum erläuterte ich, wie man Inhalte in Weblogs wiederfinden kann und es gab eine längere Diskussion über Google und Weblogs. (Das Thema ist einfach nicht totzukriegen.)

Ich zeigte dann kurz auf, wie einfach es ist, ein Weblog anzulegen und loszubloggen und ging dann darauf ein, wie die Zuhörer Weblogs in ihren Unternehmen einführen könnten: "Guerilla-artig" (das schriftlich zu erläutern, wäre furchtbar kompliziert. Kommt halt zu meinen Vorträgen! ;-)) oder über den "Offiziellen Weg", zum Beispiel so, wie ich das in meinem BlogTalk-Konferenzpapier skizziert habe.

Am Ende gab es nochmal drei Bullet-Points zu "Why your organisation should blog" zum CEO-damit-Totschlagen, die nur noch der Form halber da waren, weil das Publikum eh längst begriffen hatte, warum Weblogs toll sind. (Ich hatte es am Anfang schon gewarnt: "Ihr begreift das sofort, deshalb brauchen wir das Ende eigentlich gar nicht. Aber ich geb euch das mal trotzdem mit, falls ihr mal einen simpel denkenden Manager überzeugen müsst...")

Das Publikum war großartig. Lauter hochintelligente, interessierte, reflektierte Leute. Sehr gute Fragen, viele Unterbrechungen meines Vortrags (ich hatte darum gebeten). Lange, lange Diskussion beim Mittagessen (zu dem ich 20 Minuten zu spät kam, weil ich zehn Minuten überzogen hatte und danach noch von Zuhörern belagert wurde. So macht das richtig Spaß. :-))


Was bleibt zu sagen? Resumé der Konferenz: Wissensmanagement ist nicht tot. (Ein Glück. ;-)) Die Disziplin scheint eine Art Besinnungsphase durchzugehen. Die Technologiefetischsten sind praktisch von der Bildfläche verschwunden (wobei das auch an der speziellen Zusammensetzung der Teilnehmer dieser Konferenz gelegen haben kann; die meisten Teilnehmer schienen irgendeine Beziehung zu David Gurteen, dem Organisator zu haben.) Die "New Age Fluffy Bunnies" (ein von Dave Snowden für "KM-Weicheier" (keine Technologie, viele Meeting, mehr Händchenhalten) verwendeter Begriff. Dave hielt eine grandiose 1,5-Stunden-Keynote, die Matt Mower ausführlichst mitgeschrieben hat.) haben inzwischen auch dazugelernt und die ganzen Fundamentaldebatten wie "sind Datenbanken jetzt gut oder böse" sind endlich weg. Noch immer allerdings schwebt die große Sinnfrage herum: Warum machen wir eigentlich KM? Inzwischen hat man sich aber auf ein paar Antworten verständigt:

  • Zur Steigerung der Effektivität (nicht Effizienz) von Wissensarbeitern

  • Zum Verbessern von Entscheidungen

  • Zum Fördern der Bedingungen für Innovation

London ist so schön wie immer. Vor dem Natural History Museum gibt es eine tolle Ausstellung von Arthus-Bertrands Luftfotografien der Erde. Das Wetter ist toll: Sonne, Nebel, prasselnder Regen und Niesel alles innerhalb von drei Stunden. Die Haubentaucher im Hyde Park haben gerade Junge bekommen.

Danke, David für die Einladung! Ich komme gerne wieder.

[Nachtrag] Das Blogger-Meetup fiel am Abend sehr übersichtlich aus: Als ich zusammen mit Matt Mower gegen 19.30 am Treffpunkt auftauchte, war niemand mehr da und auch keine Nachricht aufzufinden oder jemand ans Telefon zu bekommen. Also warteten wir noch auf Anders Jacobsen und verbrachten den Abend zu dritt in einem Café am Cambridge Place. (Danach fiel ich noch in ein Café in dem Coffee, Tea and Shisha angeboten wurde. Ich konsumierte aufgrund Lagererschöpfung des mittleren nur ersteres
und unterhielt mich nett mit drei jungen, letzteres konsumierenden Irakerinnen.)

[Nachtrag] Matt Mower hat mich (im Gegenlicht) fotografiert und sein Resumé zusammengeschrieben.

[Nachtrag] Ich habe einige meiner Folien veröffentlicht.

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Curiouser and curiouser!: Gurteen Knowledge Conference round-up (21.10.05 23:27)

 

Hallo Martin,

Sieht so aus du hast dich riesig amusiert. Toll!
Und dankeschön für die komplimenthafte Erwähnung.

Ton Zijlstra am 19.06.03 17:27 #
 

Hi Martin,

ich hoffe die Weblog-Welle (unternemensmäßig) kommt jetzt auch nach Europa. Du scheinst ja mächtig daran zu schrauben. Das ist gut so;-) Wie du weißt bin ich auf deiner Seite. Hör mal deine Mailbox ab.

Machs gut.
Marius

Marius am 19.06.03 17:48 #
 

Well done, Martin, for presenting the big topic of Weblogs so neatly at the Gurteen KM conference. I enjoyed your talk and meeting you.

Am using the translated version of your weblog (amusing!) and will inform you when I set mine up.

Regards from Bristol,

Valerie Russell Emmott
Emmott Solutions Ltd.

Valerie Russell Emmott am 20.06.03 12:49 #