15. Juni 2003

[ Internet ]

Webseiten je nach IP

Mosaikum schreibt über Google, das je nachdem von welcher IP es abgefragt wird, unterschiedliche Seiten zurückliefert.

Man gebe einfach www.google.com in seinen Browser ein. Es erscheint zwar tatsächlich Google in englischer Sprache. Aber es ist nicht die Google-Seite, die Amerikaner, Italiener oder Indonesier zu sehen bekommen. Rechts unten steht "Go to Google Deutschland". Es ist also eine deutscher Version vom englischen Google. (...) Damit gibt es für einen Großteil der Deutschen keine Möglichkeit mehr, die echte amerikanische Google-Seite aufzurufen, außer über Proxy-Dienste.

Das ist zwar nicht das Ende des WWW wie KerLeone schreibt, aber trotzdem eine bedenkliche Entwicklung. Webseiten je nach IP-Adresse des Abrufers unterschiedlich auszugeben widerspricht voll den Grundgedanken, auf denen dieses Netz aufgebaut worden ist!

Solange es nur Kleinigkeiten wie diese Links auf Google sind, entsteht zwar noch kein Schaden, aber trotzdem ist es jetzt Zeit, sich dagegen zu wenden, bevor diese Unsitte weiter um sich greift.

(Merci an den Terassenblogger ;-))

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

Suchmaschinen tragen eine hohe Verantwortung, sobald sie so stark frequentiert werden wie Google. Sie tragen einen hauptsächlichen Teil mit dazu bei, Vertrauen ins Web aufzubauen. Doch wie sieht es aus mit ihrer Vertrauenswürdigkeit?

Usability Inside | web-blog.net: Quo vadis, WWW? (16.06.03 13:15)

Momentan macht ein Beitrag auf mosaikum.org die Welle in der Blogosphäre: Das Ende des WWW. Der Autor mokiert hier das...

Noch'n Blogg.: Das Ende des WWW? - Unfug! (16.06.03 15:58)

 

Auch wenn es im Zusammenhang mit Lieblingssuchmaschine Google immer mehr Entwicklungen gibt, deren Tendenz ich für bedenklich behalte: Die Steuerung des Google-Outputs ist nicht neu und imho auch nicht wirklich besorgniserregend. Soweit ich da informiert bin, wird wohl auch nicht die IP ausgelesen, sondern die Spracheinstellungen des Browsers. Man erhält also (mit einer IP unterwegs) mit einem Mozilla englisch andere Ergebnisse als mit einem IE deutsch.

Man versucht also schon, regional so relevante Ergebnisse wie möglich zu liefern. Auf der anderen Seite kann es aber auch (wie banal!) ganz einfach nur daran liegen, dass die Datenbank nicht in einem einzigen Rechenzentrum, sondern auf vielen einzelnen Servern verteilt ist.

Viel irrer macht mich die Google-Toolbar, die es leider nur für den IE gibt. Was da wohl so alles an Daten verschickt wird... Stichwort "related sites".

Nun ja, wie auch immer: Offenbar sind sie schon längst mitten unter uns...

Marcus Völkel am 15.06.03 19:27 #
 

Es geht mir nicht um Google. Ich finde es grundsätzlich bedenklich, Webseiten je nach IP (und es scheint wirklich die IP und nicht die Spracheinstellung zu sein, ich hab das eben ausprobiert) unterschiedlich auszugeben. Eine URL soll auf genau einen Inhalt zeigen und nicht auf "einen Inhalt abhängig von Kontext, Wetter und Deiner IP-Range". Personalisieren kann ich ja immer noch. Aber mir automatisch und unbeeinflussbar einen bestimmten Inhalt zu geben, der anders ist als von jemandem mit US-IP ist schlecht.

Martin Roell am 15.06.03 19:35 #
 

@Marcus: Es geht hier eben nicht um Browserregionaleinstellungen, dass habe ich in meinem Artikel deutlich geschrieben. An den Servern liegt es außerdem auch nicht, weil die ihre Daten regelmäßig abgleichen. Da können zwar durchaus mal unterschiedliche Ergebnisse dabei sein, aber das ist nicht vorsätzlich.

@Martin: Exakt das ist der Punkt, es widerspricht völlig der Grundidee des Netzes. Das die ganze Sache bei Google auftaucht (ich kenne keinen anderen Fall bisher), macht das ganze, da muss ich widersprechen, durchaus bedeutsamer. Immerhin spricht man vom Google-Gap: Seiten, die nicht in Google sind, sind mehr oder weniger nicht existent.

Außerdem geht es nicht um den einen Link zu Google.de auf der Hauptseite. Man mag sich vielleicht auch über die deutsche Werbung ärgern, die man nun auch bei Google.com bekommt. Entscheidend ist, dass zu befürchten ist, dass Google länderspezifische Indexe aufbaut (und aufgebaut hat), und diese nicht mehr wie bisher von einem anderen Land aus eingesehen werden können. Ins Extrem gedacht haben wir damit wirklich wieder nationale Netze, weil Google wie gesagt zu einem guten Teil bestimmt, was vom Internet wahrgenommen wird.

Dieses Horrorszenario ist duchaus mit der DDR zu vergleichen. Ostdeutsche durften keine Westmedien mehr lesen oder sehen. Und ich kann jetzt Google.com nicht mehr aufrufen. Ich sehe da Paralellen, und das ganze ist, wie Du sagst, sehr besorgniserregend.

KerLeone am 15.06.03 23:05 #
 

Asche über mein Haupt - da hat sich tatsächlich einiges getan, von dem ich nichts bemerkt habe. Ich bin in meinem ersten Kommentar ganz offensichtlich von veralteten Tatsachen ausgegangen - und offenbar wird bei Google wesentlich konsequenter weiterentwickelt als man denkt. Und in der Tat ist diese Entwicklung besorgniserregend.

Schlimmer aber ist, dass solche Entwicklungen nur beobachtet werden (mal schauen, was sich da so tut). Solange Fast, Alltheweb, Vivisimo und Konsorten keine echte Alternative bieten werden, können Unternehmen wie Google tun, was sie wollen.

"Nur das Ergebnis zählt." Dieser Satz erscheint mir gerade in einem völlig anderen Licht...

Marcus Völkel am 16.06.03 10:35 #
 

Es gibt auf der deutschen Google-Seite noch den Link "Google.com in English". Da kommt man, soweit ich weiß, zu der us-amerikanischen Website.
google.de und google.com haben schon immer unterschiedliche Ergebinsse geliefert, also habe ich auch schon immer beide Suchmachinen benutzt, so als seien sie voneinander unabhängig.
Zudem gibt es andere Suchmaschinen, die man nutzen kann. Und auch Google erfasst nur ca. 10-20% aller Webseiten, die verfügbar sind. Da ist die Lücke sowieso riesig.
Man muß sich eben im klaren sein, dass das Suchergebnis bei Google nicht das Gesetz ist, genauso wie das Ranking.

Markus Broisch am 16.06.03 12:19 #
 

@ markus broisch
Du hast die Sache nicht ganz verstanden. Natürlich kann man ganz normal bei Google.com suchen, auch international. Aber theoretisch wissen sie ganz genau, dass Du aus Deutschland bist, und deswegen liefern sie dir eine andere Seite (und andere werbung zu den Suchergebnissen). Diese Sache ist nicht umgehbar. Damit haben wir ein nationales Internet. Du bekommst die Werbung und exakt die Seite (und einige wenige suchergebnisse) nicht mehr, die Amerikaner bekommen.

KerLeone am 16.06.03 12:31 #
 

Also vielleicht bin ich zu sehr vorbelastet, aber was ist bitte so schlimm am GeoTargeting? Google ist keine Wohltätigkeitsorganisation sondern lebt von Werbeeinnahmen. Ausserdem gibt es bei Google *nie* "exakt die Seite, die Amerikaner bekommen". Selbst innerhalb der USA unterscheiden sich die Inhalte, und das liegt nicht nur daran, dass das Search-Frontend auf eine Vielzahl von Servern verteilt ist.

Heiko Hebig am 16.06.03 18:39 #
 

Gab es aber vorher defintiv auch schon. Zum Beispiel hat man keine Chance aus de auf die Showtime-Seite zu kommen.

Flo am 17.06.03 00:00 #
 

Heiko: Ich habe nichts gegen GeoTargeting wenn es Werbung oder andere nicht wesentliche Seitenbestandteile betrifft. Wenn es aber um Inhalte oder Kernfunktionalität geht, wird das für mich bedenklich. Diese Verwendung von Google geht für mich in diese Richtung.

Martin Roell am 17.06.03 00:10 #
 

Flo: Kinderspiel:
http://anon.free.anonymizer.com/http://www.sho.com/

Martin Roell am 17.06.03 00:13 #
 

Ok, ich drehe die Frage mal um: Was sind denn die "Kerninhalte" von Google? Die Inhalte, die ein Nutzer in Hamburg sieht? Die Inhalte, die in Nord-Kalifornien zu sehen sind? In Florida? In Hong Kong? In Frankreich?

Heiko Hebig am 17.06.03 02:09 #
 

@Martin: Klar, und was ist das Problem daran das Gleiche mit Google zu machen?

Flo am 17.06.03 13:41 #
 

ich fahre einen englischsprachigen mozilla. wenn ich www.google.com eingebe, lande ich automatisch auf www.google.de.

nein, an der spracheinstellung liegt es nicht.

stickyshanghai am 18.06.03 22:57 #
 
Ok, ich drehe die Frage mal um: Was sind denn die "Kerninhalte" von Google? Die Inhalte, die ein Nutzer in Hamburg sieht? Die Inhalte, die in Nord-Kalifornien zu sehen sind? In Florida? In Hong Kong? In Frankreich?

Jetzt könnten wir ja sprachphilosophisch werden...
Die "Kerninhalte" sind "die Kerninhalte an sich", die nur in einer Form existieren (sollten). Ich denke an die "Idee" eines "Kerninhalts", daran wie die Website sein sollte, nicht daran wie Google uns das jetzt vorsetzt.

Martin Roell am 19.06.03 14:16 #
 

Flo: Nichts, natürlich. Ich wollte nur Deine Aussage ("keine Chance") widerlegen.

Martin Roell am 19.06.03 14:17 #
 

und was ist mir google und dem Anonymizer ...
http://anon.free.anonymizer.com/http://www.google.com/

Leider Essig wie ein Test zeigte. Der Grenzzaun bleibt erhalten.

tempa am 20.06.03 01:47 #