20. Mai 2003

[ Blogosphere , Wissensmanagement ]

Mind Share

Steven Johnson schreibt in Wired über das Web und die Blogosphere.

Your mind becomes a part of the space as well. Your own personal site becomes an extension of your memory, (...) your memories also become part of the Web's collective intelligence. And a Web oriented around connected minds makes it easier for those minds to find one another in real life (...).

Er meint, dass durch Weblogs ein personen- bzw. mind-zentriertes Netz entstehen würde (im Gegensatz zu einem dokumentenorientierten Netzwerk) und führt aus, dass dies Wissen (im Gegensatz zu Information) verfügbar macht.

Ever since the Web entered the popular consciousness, observers have noted that it puts information at your fingertips but tends to keep wisdom out of reach. In a space organized around connected minds, however, the search for wisdom becomes more promising. The Web remains a space of functionally infinite data, but that space is increasingly mapped by human minds, linked in ways we're only beginning to imagine. If it's wisdom you're looking for, you couldn't hope for a better guide.
 

Wunschdenken. Ohne Qualitätskontrolle führt wildes, unkontrolliertes 'rumbloggen und -posten nur zu schlechterer signal-to-noise-ratio. Wofür werden eigentlich Journalisten bezahlt? Richtig: für die qualifizierte Selektion der Inhalte. Kann es sein, daß der Aufstieg der Bloggerei mit dem Niedergang des Journalismus zu tun hat? Mit & im Web treten die selben Phänomene der klassischen Medien auf. Wieso? Weil Menschen davor/dahinter sind.Nicht jeder, der reden kann hat auch etwas von Bedxeutung zu sagen.Ich bin allergisch gegen diese euphorische Maschinengläubigkeit.

Hans Augustin am 20.05.03 18:02 #
 

euphorische Maschinengläubigkeit?

hier geht es doch eher um das Gegenteil, nämlich darum, dass Maschinen Menschen verbinden.

Wofür werden eigentlich Journalisten bezahlt?

Bei einigen Herren stelle ich mir die Frage auch schon länger.

Der Filter sind wir selbst. Wir lesen, wem wir vertrauen. Ob er nun "Weblogger" oder "Journalist" oder "webloggender Journalist" ist, ist eher zweitranging.
Zudem darf sich jeder Hanswurst "Journalist" nennen. Das haben Blogger und Journalisten gemeinsam.

Heiko Hebig am 20.05.03 18:37 #
 

Da kann ich Heiko nur zustimmen.

Natürlich sind Journalisten da um Neuigkeiten zu filtern. Das Filtrat kommt demnächst in irgendein Massenmedium hinein,...broadcasting.

Und genau broadcasting ist für den meisten Blogs untypisch. Da geht's um eine relativ kleine Gruppe von Leuten deren konzistente Webpräsenz vertrauen eingeflösst hat bei mir.

Da geht's also mehr um Vertrauen zwischen Individuen, und nicht um Vertrauen ins Medium (wie zb. ich traue die Bildzeitung ja oder nein zu Journalisten mit Gewissen an zu stellen, um ihr broadcasting Signal zu füllen, da die Journalisten selbst völlig unbekannt bleiben auch wenn deren Name im Byline erwähnt wird).

Da steigert sich also die Signal zu Noise Ratio, statt zu fallen. Sie fällt bei willkürliche Suchaktionen ins Netz, weil dann zwar vielie Blogs zum Vorschein kommen, aber ohne das ich in irgendeine Vertrauensbeziehung zu den Autor stehe.

Alle Namen in meinem Blogroll sind das Resultat von über längere Zeit Blogs lesen, und Konversation mit den Autoren. Erst wenn die Vertrauensfrage für mich beantwortet ist kommt der Name im Blogroll.

Daher habe ich auch Bilder in meinem Bloggroll, als Expression meiner Auffassung das es bei Blogs um Beziehungen zwischen einzelne Personen geht, und nicht um eine Sammlung von Zeitungen und Illustrierten worauf ich abonniert bin.

Der Content ist Anlass der Beziehung aber nicht der Grund des Weiterbestehens dieser Beziehung, das ist der persönliche Kontakt.

Die meisten in der Blogliste habe ich inzwischen auch face to face getroffen oder werde ich demnächst treffen. Es sind meine on-line Bekannten und Freunde. Da brauch ich kein filternder Journalist der mir meine Freunde aussucht.

MfG

Ton

Ton Zijlstra am 20.05.03 20:31 #
 

Hallo Ton,

Danke! Schöner hätte ich das nicht ausdrücken können. Lass mich nochmal die aus meiner Sicht wichtigen Punkte zusammenfassen:

"Qualifizierte Selektion der Inhalte" (Hans) - das ist ziemlich genau das, was Blogger machen. Denn wir (die Leser, "Öffentlichkeit", you name it) definieren, was "qualifiziert" ist. Ob Journalist oder nicht ist mir ganz egal: Ich brauche eine Vertrauensbasis zwischen dem, der da schreibt und mir. Das ist es, wozu die Blogosphere führen kann und das ist, denke ich, auch ein Kernpunkt von Johnsons Ausführungen.

Im personenzentrierten Netz ist das Wissen viel tiefer als im inhaltebezogenen. Allein schon deshalb, weil ich nachfragen kann. Weil aus dem Gesamtzusammenhang der Publikationen einer Person im Netz, wie sie zum Beispiel in einem Weblog entsteht, viel mehr drinsteckt als in einem für sich stehenden Artikel eines Autors auf irgendeiner anderen Website. Weil durch Diskussionen Vernetzungen zu anderen Gedanken entstehen. (Dadurch lernen wir: Wenn wir einen Zusammenhang zwischen zwei vorher scheinbar unzusammenhängenden Dingen erkennen.)

Wo da die "Maschinengläubigkeit" sein soll, verstehe ich nicht. Es geht um Menschen. Weblogs ermöglichen ihnen, auf neue Weise miteinander in Verbindung zu treten. Und dabei entstehen wertvolle Dinge. Wie sonst hätte ich so feine Menschen wie Heiko und Ton kennengelernt? Wo sonst hätten wir diese Diskussion geführt? Wir können unendlich viel lernen hier. Nicht wegen der Maschinen. Nur wegen der Menschen. Die Technik hilft uns bloß, die Menschen zu finden und Kommunikation über geographische Distanz zu tragen.

Martin Röll am 20.05.03 22:50 #
 

Bei obigem post waren mir Blogs noch (relativ) neu; inzwischen ist mir klar, daß ich mich selber schon längst auch mit Blogs informiere (DailyPython, ZopeZen, über Uzopia zu Roell). M.a.W.: ich lerne dazu.

Mein Kopfschütteln über Technikeuphorie bezog sich vor allem auf das zweite Zitat. Bloggen ist auch filtern, ok. Vieles mag nützlich sein. Im Moment macht es nur eine Elite.Das wird nicht so bleiben. Und dann?

Hans Augustin am 26.05.03 21:01 #