20. Mai 2003

[ Knowledgework und PIM ]

Inhalte für die Aggregatoren!

Heiko Hebig trifft den Nagel auf den Kopf:

A tech-savy audience, loaded with the latest applications and gadgets, is sitting around, waiting for haunting content to jam their aggregators. Heck, my Mom might get her own aggregator soon. Daily horoscopes or cartoons, recipes, yellow press, Big Brother is blogging you. Get creative.

RSS kommt. In der Weblog-Szene ist es längst da. Und (wieder so eine schlimme Prognose) in 3 Jahren hat auch der Durchschnitts-Netznutzer irgendeine Art von Software, mit der er seine Newsfeeds organisiert. Jetzt brauchen wir interessante Inhalte (ja, möglicherweise auch Geschäftsmodelle). Wer die zuerst liefert, spielt in der medialen Zukunft ganz vorne mit.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Ich denke eher dass Aggregatoren, im großen Stil eingesetzt, den Trend zu "Häppchen-Information" verstärken werden. Anhand einer Schlagzeile entscheiden zu wollen ob eine Information wichtig ist oder nicht (oder meinetwegen auch an einem kurzen Abstrakt) halte ich für sehr gewagt.

Es ist eine Illusion zu glauben man könne "Vollständigkeit" erreichen wenn man in seinem Aggregator 737 Newsfeeds hektisch durchguckt, es führt IMHO eher dazu dass man eigentlich nichts mehr mitbekommt.

Und es fördert eine weitere "Entsinnlichung" des geschriebenen Wortes, die erste Stufe war der Übergang von Buch/Zeitung zu elektronischen Texten. Was ist es doch ein "erhabener sinnlicher Akt" eine druckfrische Zeitung oder ein neues Buch aufzuschlagen, dagegen ist ein Text auf dem Schirm doch geradezu erschreckend banal. Und nun, die nächste Stufe, der Aggregator, er entführt den elektronischen Text auch noch aus seinem gestalterischen Umfeld und reduziert ihn weiter. Es macht doch einen erheblichen Teil der "Botschaft" eines Textes aus in welchem Umfeld er präsentiert wird, damit ist dann Schluß. Er wird nicht gelesen wenn die Schlagzeile im Aggregator nicht "reißerisch" genug ist um den im (eingebildeten ?) Zeitmangel befindlichen Aggregator-Piloten zum klicken zu verführen. Also fördert das Newsfeed-Wesen eine "Ver-BILD-ung" der Information, konsequent zu Ende gedacht. Das kann und soll nicht die Zukunft der Information sein, finde ich.

Aber das wird sie auch nicht sein. ;-)

Ralf am 20.05.03 15:53 #
 

Gähn. Das hab ich schon mal gehört, als in Deutschland das Kabelfernsehen eingeführt wurde. "3 Kanäle sind doch genug!"
Life is making a lot of choices.
Wenn Du den Bildschirm banal findest: prima. Kaufe ein Buch. Kaufe eine druckfrische Zeitung. Niemand hält Dich davon ab.
Es geht nicht um Schlagzeilen. Oder anders: es geht *mir* nicht um Schlagzeilen.
Es geht um den innovativen Einsatz neuer Technologien. Nicht mehr und nicht weniger.

Heiko Hebig am 20.05.03 18:47 #
 

Neue Technologien existieren weder im luftleeren Raum noch (sollten) sie Selbstzweck sein, sind sie aber oft genug. Mit RSS-Aggregatoren, in welcher Form auch immer, verhält es sich ähnlich: "Hier ist die Lösung. Was war nochmal das Problem?" Letztendlich hast Du ja genau das in anderen Worten formuliert.

Wenn Du neue Technologie suchst: Wikis sind eine vielversprechende. Partizipation, Leute entdecken ihre Lust am Schreiben und machen mit, Beispiel Wikipedia. Gleichberechtigt, gleichzeitig Sender und Empfänger. Aber das kann man ja nicht in "Gadgets" packen und dann alten medialen Content-Wein ein weiteres Mal gewinnbringend verkaufen, Stichwort "meine Mutter liest Horoskope und Rezepte auf einem kleinen RSS-Kästchen". Zu letzterem kann ich nur sagen: Gähn.

Ralf am 20.05.03 20:11 #
 

Wenn Du die Aufforderung, Horoskope etc. in RSS umzusetzen, wörtlich genommen hast, bitteschön. Meinetwegen - warum auch nicht. Viel wichtiger aber ist das "get creative".

Zu Wikis habe ich auch eine Meinung, aber darum geht es mir gar nicht. Und natürlich ist Wikipedia spannend!

Und welches Problem hat nochmal das WWW gelöst, bitte?

Ich will, wahrscheinlich genauso wenig wie Du, irgendeinen alten Content-Wein. Dann würde ich jetzt auch nicht hier tippen sondern gerade Fernsehen gucken. ;-)

Heiko Hebig am 20.05.03 20:43 #
 
Mit RSS-Aggregatoren, in welcher Form auch immer, verhält es sich ähnlich: "Hier ist die Lösung. Was war nochmal das Problem?"

Das "Problem" ist doch ganz einfach: Ich will eine große Anzahl von Quellen in kurzer Zeit überblicken. Das kann ich tun, indem ich jeden morgen 10 Webseiten aufrufe und überprüfe, ob sich was Neues getan hat (Zeitaufwand vielleicht 3 Minuten reine "Prüf"-Zeit) oder indem ich den Aggregator hochfahre und reinschaue (Zeitaufwand 10 Sekunden). Der RSS-Aggregator ist also meine "Lösung" für mein "Problem". "Luftleer" finde ich da gar nichts. Oder übersehe ich da etwas naheliegendes?

(Ich finde RSS im übrigen noch viel spannender. Aber das ist erstmal die ganz banale "Problemlösung" und ein ganz einfacher Nutzen.)

Martin Röll am 20.05.03 22:29 #
 

Heiko: Nicht ganz, Du würdest dann für Sachen die im Fernsehen schon mal gelaufen sind teures Geld bezahlen um den "Content" auf Deinem Mobiltelefon oder PDA anzuschauen.

Martin: Das ist die aktuelle Problemlösung, klar, aber es ging ja um RSS als "Killerapplikation" der Zukunft und die dazugehörenden "spannenden" Angebote, das sehe ich nicht. Ich habe auch mal mit Amphetamin rumgespielt, aber ich war mir nie sicher ob sich etwas verpasse und habe dann meistens doch die Website angeschaut, eine reine Update-Prüfung liefert, zumindest was Weblogs angeht, meine Blogroll auf Basis von blo.gs.

Ralf am 20.05.03 22:36 #
 

Ich meine natürlich "Amphetadesk", nicht "Amphetamin". Nicht dass hier die Drogenfahnder mitlesen. ;-)

Ralf am 20.05.03 22:37 #
 

Wah, das gibt morgen geile Google-Referrer... ;-)

Ralf: Right. Punkt verstanden. Ich halte es da allerdings mit Heiko: "Get creative." In RSS und Newsaggregation steckt noch mehr Potential als nur Blog-Verfolgung. Ob's dann Horoskope sind... egal. :)

Und wo wir schon über Technik reden: Große Empfehlung, sich mal den SharpReader anzusehen (und wenn es nur per Screenshot ist). Das Ding ist noch um Welten besser als Ampheta...desk (das ich vorher benutzt habe).

Martin Röll am 20.05.03 22:55 #
 

Ich bin ein Informationschrunchie. Ich bin zu ungeduldig zum endlos langem Lesen und ich habe auch ein sehr kurzes Gedächtnis für Dinge, die nicht wirklich wichtig sind. Das ist auch nicht mein Talent - mein Talent ist es, diese Informationen zu verarbeiten und in anderer Form (offline) als Multiplikatorin weiterzugeben; Welten zu verbinden.

Blogs?
Das waren sehr lange Zeit durchaus interessante Webseiten. Die man in mehr oder minder unterschiedlichen Zeitabständen besuchen mußte um zu erfahren, ob es dort was neues gibt. Sowas mag ich nicht, mochte ich noch nie. Es ist für mich viel zu ineefizient. Hatte eine Webseite keinen Newsletter - adieu. Wobei schon ein Newsletter nicht für mich gut genug ist, lieber eigentlich Newsgroups.

RSS?
Mit RSS werden Blogs auf einmal interssant. Alle Blogs die ich lese (ca 150) sind nicht Blogs. Es sind Feeds hinter denen ein Blog oder eine Informationsseite hängt. Die mir die Möglichkeit gibt, mit meiner Art der Informationsaufnahme zu arbeiten.

Einfaches Beispiel Telepolis. Die haben viele interessante Artikel. Habe ich nicht regelmäßig besucht. Jetzt, mit RSS, bekomme ich mit, was es dort gibt.

Die Feeds bedeuten nicht 150 Blogs mit vielen Einträgen - einige haben eher zwei pro Woche. Oder Nachrichten, wo es mir reicht, die Überschriften zu scannen und bei Interesse genauer reinzusehen.

Ich erwarte von niemandem, daß er meine Art der Informationsverarbeitung übernimmt. Aber ich weiß sehr gut, was ich haben will.

Feeds sind noch nicht die 100%-Lösung. Aber schon mal 90%-Punkte mehr als 'nur ein Blog da draussen im Netz'.

Nicole

Nicole Simon am 22.05.03 02:29 #
 

Ein Punkt, der hier noch gar nicht intensiv dikutiert wurde, sind die Filter. Mit Feeds und einem Aggregator kann ich mir die Artikel selektieren, die meinen Interessen (=set of keywords) entsprechen. Und ich rede hier nicht von dummen Filtern, so wie "Wenn Wort im Titel = soundso", sondern von Filtern, die auch Assoziationen unterstuetzen und selbst lernend sind. Show me more.

Peter Grossmann am 22.05.03 15:07 #