20. Mai 2003

[ Blogging ]

Der Spiegel - mäßig recherchiert - über Audioblogging

Auf Spiegel Online schreibt Mario Gongolsky über Audioblogging: Stimmen aus dem Web. (Danke, Franziska!) Ein paar Fehler stecken drin:


In Deutschland führen Kantel.de oder Bloghaus.de viele individuelle Blogs zueinander.

kantel.de ist die inzwischen umgeleitete Übersichtsseite vom schockwellenreiter, bloghaus.de ist zur Zeit nicht konnektiert, gemeint ist wohl bloghaus.net

Und noch schlimmer:

Softwareangebote wie Manila, Radio oder Sunlog realisieren das eigene Weblog im Handumdrehen, auch ohne HTML-Kenntnisse: Ein Offline-Editor, eine Internet-Einwahl und schon ist die Seite online.

Mit Sunlog "im Handumdrehen, auch ohne HTML-Kenntnisse" einfach losbloggen? Das will ich sehen. Und dann: Der "Offline-Editor". Hallo? Ausschließlich Radio (oder auch Manila?) verwendet einen Offline-Editor. 99% der Blogger, von denen im Artikel die Rede ist, editieren online.

Ansonsten befasst sich der Artikel mit einem Projekt aus Bremen dessen Sinn ich nicht verstanden habe. Vielleicht erklärt's mir ja jemand.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

German news magazine Der Spiegel ran an article about Audioblogs in its online edition. Schockwellenreiter Jörg Kantel and Martin Röll...

hebig.com: The magic of blogs (21.05.03 11:50)

 

Bis auf die "kleineren" Fehler finde ich den Artikel ganz gut. Das Projekt von der Uni finde ich auch recht interessant. Ich habe das so verstanden, dass jeder via Telefon / Mic. Beiträge "einspeisen" kann, die dann von beliebig vielen Empfängern gehört werden können (z.B. als Audio-Beitrag zwischen zwei MP3s). Okay, ob das Sinn macht ist die Frage ;-) Vielleicht wäre es ein ganz nettes Spielzeug, gerade für Jugendliche. Auch könnte man ja mit UMTS Videos statt nur Audio übertragen - damit könnten theoretisch z.B. ein paar Jugendliche einen eigenen "Sender" für Ihre Stadt ins Leben rufen und mit der Cam von Parties, der Uni oder was auch immer berichten. Dank der P2P-Technik würden dabei keine Kosten für den Datentransfer entstehen. Wenn man das System als Location Based Service anbieten würde, könnte sich z.B. ein Jugendlicher auf dem Handy einen Videobeitrag von einer Party in seiner Umgebung angucken. Nicht besonders spektakulär, aber irgendwie doch nett. Oder ist das jetzt Spinnerei?

Interessant finde ich auch die im Artikel angesprochenen weiteren Features, wie etwa die Bewertung von Beiträgen / Autoren.


Nico Zorn am 20.05.03 19:39 #
 

Ah... ja, jetzt begreife ich das. :) Herzlichen Dank!

Ich find's ein wenig schade, dass immer noch solche "unterrecherchierten" Artikel erscheinen, wo doch schon so viel über Blogs berichtet wurde. Müssen wir z.B. immer noch diese Tagebuchanalogien haben? Gut, ich rege mich da nicht so auf wie der schockwellenreiter, aber trotzdem... Oder, wie heute an anderer Stelle kommentiert wurde: "Wofür werden eigentlich Journalisten bezahlt?" ;-)

Martin Röll am 20.05.03 23:03 #
 

Hallo Blogger,
ich bin der Autor des Spiegel-Artikels "Stimmen aus dem Web" und stelle mich auf diesem Wege Eurer Kritik.

Das ich kein Blogger bin, muss ich niemenden erklären, oder? Erst einmal entschuldige ich mich für die fehlerhaften Basics (Bloghaus.net / Moveable Type), aber nun mal Klartext:

Es ist immer erstaunlich, wieviel Prügel man bezieht, wenn man sich auf eine Netzgeschichte einlässt, deren Szene - na wie soll ich sagen - eingefleischt, eingeschworen, vielleicht sogar ein bischen elitär ist. Typische Beispiele dafür wären der Glaubenskrieg IBM contra Mac, die OS-Szene oder eben die Blogger. Es scheint einigen runter zu gehen wie Öl, einen Artikel zu lesen und mit Fug und Recht behaupten zu können, Sie wissen es besser.

Schlecht recherchiert. Wofür werden Journalisten bezahlt?

Ich war erschrocken, auf die Detailfehler hingewiesen worden zu sein und bemühe mich darum, diese noch korrigieren zu lassen. Kein Problem. Tatsächlich habe ich vom Bloggen lange Zeit nur vom Kollegen Gärtner gelesen. Erst dieses Jahr habe ich mich aufgemacht, die deutsche Bloggerszene zu suchen. Später dann hat mein Kollege Niels Gründel dann einen Warblogging-Artikel auf unserer Netzkritik.de veröffentlicht, der bei Euch sehr positiv aufgenommen wurde.

"Wir machen kein Tagebuch"
Der Vergleich bietet sich einfach an. Bei allem Respekt: Viele Einträge erinnern mich an ein Tagebuch. Auch ein Logbuch ist ein Tagebuch. Es hat nur eine andere Zielsetzung.

Neben den vielen kritischen Mails der letzten 24 Stunden, kamen Glückwunschbotschaften von Kollegen und - hört, hört - dankbare Zuschriften von Nichtbloggern, durch den Artikel motiviert worden zu sein, Blogs zu besuchen. Ein paar Radioleute meldeten sich ebenfalls, mit reichlich hochgezogenen Augenbrauen.

Ganz nebenbei sei angemerkt, dass ich versucht habe, mit Blogbetreibern in Kontakt zu kommen. Dabei ging es mir um die Prüfung meiner Thesen: Kann das Blog einen Teil des Newskuchens im Web abbekommen? Sind die Stern Shortnews in Euren Augen eigentlich noch Blogs? Ist es nicht so, dass sich die Blogszene nur intern wahrnimmt. Also wieviele Besucher Eurer Blogs sind selbst keine Blogger? Ich brauchte diese Antworten, um meinen Eindruck mit Eurer Selbsteinschätzung abzugleichen. Von fünf bekannten Größen Eurer Szene, bekam ich nur eine Antwort. (Bloghaus) Jetzt aber bekomme ich hundert Zuschriften :-))

Trotz der sachlichen Mängel meines Artikels: Blogs sind - und Eure Kritik belegt dies - geschlossene Gesellschaften im offenen Web. Die Bremer Audioblog-Geschichte könnte genau da einen neuen Ansatz liefern. (Theoretisch würde das genausogut mit geschriebene Blogs funktionieren.) Na, das ist doch was.

Eure Kritik schreibe ich mir hinter die Ohren. Vielleicht antworten beim nächsten Versuch über Blogs zu schreiben ein paar Blogger mehr. Doch als nächstes nehme ich mir einen Blog vor, auf den ich bei meinen Recherchen gestossen bin und portraitiere die absolut erstaunliche Arbeit einer Bloggerin. Stay tuned!

Mario Gongolsky am 21.05.03 10:41 #
 

Mario,
ich weiß ja nicht, was es im Detail an Kritik gehagelt haben könnte in den hundert Zuschriften, die Du bekommen hast. Aber wieso jetzt die Tatsache, daß das (öffentliche) Kommentieren bzw. die Korrektur von Sachfehlern belegen sollte, daß Blogs "geschlossene Gesellschaften im offenen Web" sind, verstehe ich nicht.
Trotzdem bin ich natürlich gespannt, welches Blog Du als nächstes porträtieren wirst.

Heiko Hebig am 21.05.03 12:04 #
 

Der Schockwellenreiter ist der Populärste und hat im eigenen Log zugegeben, dass die Art der Fragen ihn nicht animiert habe, zu antworten. Sich im Anschluß darüber zu beschweren, dass nicht seine Ansichten vertreten werden ... naja nicht unbedingt sehr fein.

Von vorhandener Sachkritik auf eine geschlossene Gesellschaft zu schließen ... ist denke ich Quatsch.

Eine offizielle höhere Autorität, die zweifelsfrei definieren kann, was ein Weblog ist und was nicht, ist mir noch nicht begegnet.

Klassische Tagebuchelemente finden sich selbst in dem Weblog vom Schockwellenreiter in der Art "... war heute mit Zebu ..." Sich gegen diesen Begriff zu wehren, hat meiner Ansicht nach, etwas mit dem Vorurteil zu tun, dass Tagebücher in rosa Sarah-Key-Büchern von pupertierenden Teenagerinnen geschrieben werden mit entsprechendem Inhalt.

Was nun die geschlossene Gruppe anbelagt, so existieren sie und nur Insider oder die die fleißig etliche Monate zurück 4-5 Weblog verfolgen, um alle Bezüge und Anspielungen zu verstehen. Dies ist ein natürlicher Prozess in Kliquen, die über längere Zeiträume mit einander kommunizieren. Weblogs sind in der Regel privat geführt und unterliegen eben keinem redaktionellen Controlling um Verständlichkeit und Publikumswirksamkeit zu erhalten.

tempa am 23.05.03 19:10 #
 

Nachtrag:

"Kommunikationskulturen sind bestimmt durch die Kommunikationsgemeinschaften, denen sie zugehören. Die meisten Menschen im städtischen Kontext sind Mitglieder mehrerer Kommunikationskulturen. Typisch ist die städtische Trennung von Beruf und Privatleben. Aber auch Zugehörigkeiten zu Vereinen, Gruppierungen informeller und formeller Art schaffen unterschiedliche Zugehörigkeiten, genauso wie die traditionellen soziologischen Charakterisierungen nach sozialer Schicht und/oder Klasse. Das Konzept des sozialen Netzes erlaubt es, diese Vielfalt zu fassen: jedes Individuum ist in mehr oder weniger dichte, mehr oder weniger komplexe Beziehungen zu anderen Menschen verstrickt, die ihm mögliche Kommunikationspartner und -gelegenheiten anbieten. Eine Kommunikationsgemeinschaft zeichnet sich dann dadurch aus, dass sie über ein relativ dichtes soziales Netz verfügt, innerhalb dessen Kommunikationen nach geteilten Annahmen und Werten verlaufen; wenn jemand in dieses Netz hineinkommt, dann muss er auch diese Annahmen und Werte zu teilen beginnen."

Quelle: Internationale Kommunikationskulturen: 11. Kulturelle Faktoren: Wohnung und Privatsphäre

Fand das Zitat hier sehr angebracht ;o)

tempa am 24.05.03 17:47 #
 

Hallo Mario,

vielen Dank für Deine Antwort! Schön, dass wir auf diese Weise weiter diskutieren können!

Es ist immer erstaunlich, wieviel Prügel man bezieht, wenn man sich auf eine Netzgeschichte einlässt, deren Szene - na wie soll ich sagen - eingefleischt, eingeschworen, vielleicht sogar ein bischen elitär ist.

Im Netz ist es eben leicht, schnell und extrem Feedback zu geben... und da es leichter ist, Fehler zu kritisieren, als allgemeines Lob zu verteilen, wird eben auch mehr kritisiert. Aber kommen Dir die Blogger da wirklich "schlimmer" vor als andere Netz-Communities?

Trotz der sachlichen Mängel meines Artikels: Blogs sind - und Eure Kritik belegt dies - geschlossene Gesellschaften im offenen Web.

Das sehe ich nicht. Mach ein Blog auf, linke, und sei Teil davon! Wo etwas "geschlossen" sein soll, sehe ich nicht. Hier kann jeder schreiben, kommentieren, linken. Sogar meine Oma (die z.B. keinen Newsreader bedienen könnte). Wer mitspielen will, darf mitspielen. Aber führ' das mal bitte ein wenig weiter aus, vielleicht übersehe ich da was.

Wer ist die Bloggerin über die Du schreiben willst?

Martin Röll am 29.05.03 20:57 #