22. April 2003

[ Technologie ]

Notoperation am lebenden (Windows ME-) Patienten

Mit Windows-Systemen erlebt man immer wieder witzige Überraschungen: Dieses Mal zerschoss sich unterwegs meine Registry, nachdem ich einen neuen Drucker mit einem nicht dafür vorgesehen Treiber installiert hatte. Ergebnis: Der Rechner erklärt beim Booten, dass da ein Problem vorläge und man doch bitte SCANREG laufen lassen möge. Das Problem nur: Egal, welchen Bootmodus man auswählt ("Abgesicherter Modus" - wer wird da eigentlich von was abgesichert?) bleibt der Rechner im Bootvorgang hängen.

(Warnung: Der Rest des Artikels ist ausschließlich technisch und beschreibt, wie ich die Kiste wieder repariert habe. Sehr spannend ist das nicht. Aber vielleicht hilft es mal jemandem mit einem ähnlichen Problem.)

Damit wurde die Sache interessant, da mein Diskettenlaufwerk ausgebaut zu Hause lag und damit das übliche Vorgehen über Starten per Bootdiskette, vom DOS-Prompt mit SCANREG die Registry reparieren, Neustarten ausfiel. Weil ich aber jetzt an die Daten ranmusste, wurde eine größere Notoperation fällig. Und die sah so aus:

Erster Schritt: Daten sichern. Ich war mir nicht sicher, ob ich das Windows-System wiederherstellen können würde, also wollte ich zuerst die wichtigsten Dateien sichern - Das waren nur drei, zu Hause ein zwei Tage altes Backup lag. Also: System mit Knoppix-CD starten. Versuch, mittels plip ein Netzwerk über die Parallelschnittstelle zu einem anderen PC aufzubauen (der verfügbare andere PC hatten keine Netzwerkkarte). Scheitern. Zweiter Versuch: Ein Iomega ZIP 250 über USB anschließen. Knoppix rebooten. Sich über problemloses Erkennen und writable Mounten des ZIP-Drives freuen. Überspielen der Daten von der ebenfall problemlos eingebundenen Windows-Platte auf das ZIP-Medium. Erfolg. Durchatmen. Fertig.

Zweiter Schritt: Ein Windows-System installieren. Hier wurde eine vernachlässigte Softwaremigration bestraft: Ich arbeite relativ viel in Natara Bonsai, einem Instant Outlining Programm. Der Fehler: Es speichert seine Daten in einem proprietären Format, welches sich nur in Bonsai öffnen lässt. Um weiterarbeiten zu können, brauchte ich also auf jeden Fall ein Windows-System, in dem ich Bonsai installieren konnte. (Für alles weitere hätten auch jeder Texteditor und damit auch die Knoppix-Bordmittel ohne Festplatteninstalation ausgereicht.) Also musste eine Windows 2000 CD her: Booten von der CD, Installieren auf die vorhandene (einzige) Partition, Verwenden des alten Filesystems, Zittern, ob der alte Platteninhalt überschrieben wird (er wurde nicht), Durchklicken duch die unendlich lange Installationsroutine, System starten: Geht. Alles noch da. Nur meine Grafikkarte wird nicht erkannt: Ich sitze vor 16 Farben und 800*600 Punkten. Aber theoretisch könnte ich jetzt die nötige Software installieren und weiterarbeiten. Aber erstmal der eigentlich spannende Schritt:

Windows ME reparieren. Im Bootmenu tauchte das alte Windows-System immer noch auf, es konnte aber nach wie vor nicht gestartet werden. Jetzt war aber ja ein laufendes "zweites" Windows-System da, mit dem ich "operieren" konnte: In Windows 2000 auf den DOS-Prompt gehen, ins "alte" Windows ME Verzeichnis wandern, "SCANREG" tippen. Das Programm startet, behauptet, "den" Fehler (welchen?) gefunden... und behoben zu haben! Ich möge doch bitte rebooten. Folgsam gehorche ich. Es rappelt, erneut wähle ich das alte Windows-System im Bootmenu aus, das System zählt lustig von null bis hundert seine "Hardwareinformationen in der Datenbank" hoch. Danach ist alles wie vorher, ohne die kaputte Druckerinstallation und ich sitze wieder vor meinem alten System. Bis zum nächsten Crash.

Zusammengefasst:
1) Wenn nicht mehr geht: Mit Knoppix geht es immer.
2) Regelmäßige Backups senken den Blutdruck und das Herzinfarktrisiko
3) Proprietäre Dateiformate sind Mist. Plain-Text rules. XML rules.
4) Windows ist kaputt, kaputt, kaputt. (Aber ich habe keine Alternative.)

Neue Priorität auf der Personal-IT-ToDo-Liste: 1) Endlich Windows ME rauswerfen 2) Schrittweise Natara Bonsai und alles andere, das proprietäre Formate verwendet, rauswerfen. Nur noch auf Plain-text bzw. XML basierende Formate verwenden. Wenn es keine anständige Windows-Software für Outlining und Mindmapping gibt, Linux auf dem Notebook (Dualboot) installieren. 3) Backupstrategie um dritten Speicherort auf dem Webserver erweitern.

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Doch, man hat immer zu Windows eine Alternative.

vowe am 22.04.03 13:50 #
 

Na dann kommst Du jetzt ja endlich doch noch zu W2k :-) Schließlich ist jeder Tag mit ME einer zuviel.

Zu Punkt 2, "Wenn es keine anständige Windows-Software für Outlining und Mindmapping gibt, Linux auf dem Notebook (Dualboot) installieren": Vielleicht vorher noch kurz schauen, ob es denn für andere OS vernünftige Outlining/Mindmapping-SW gibt ;-)

Dual-Boot würde ich mir gut überlegen, es nervt ganz enorm, zumal das Tool, das man gerade braucht, stets unter dem System läuft, das gerade nicht läuft. Vielleicht eher das seltener benutzte System als Virtuelle Maschine in VMWare laufen lassen, habe ich gute Erfahrungen mit gemacht.

Haiko Hebig am 22.04.03 18:46 #
 

vowe: Du hast ja recht. Der Mac wird mir immer sympathischer.

Haiko: Guter Punkt. :) Auf Deine VM-Erfahrungen komme ich dann noch zurück - ich habe mich bisher nie getraut, das auszuprobieren.

Martin Röll am 23.04.03 21:34 #