3. April 2003

[ Geschichten ]

Never judge a book by its cover

Ich wohne schon seit über einem Jahr in diesem Haus aber habe manche Nachbarn trotzdem praktisch nie gesehen. An der mittleren Tür im zweiten Stock (ich wohne im vierten auf der Ecke unter dem Dach) klebt ein Aufkleber, etwa so wie dieser nur mit einem viel hässlicheren Hund darauf. Ich hatte nie wirklich Lust, herauszufinden, was sich hinter dieser Tür verbarg.

Aber heute war es soweit: Ich hatte wohl zu fest geschlafen, das Klingeln überhört und der Briefträger hatte ein Paket für mich bei den Nachbarn abgegeben. Genau bei den Nachbarn hinter der "Mein Hund wird Dich zerfleischen - Betreten auf eigene Gefahr"-Tür.

Erster Versuch gegen 15 Uhr: Ich klingle und höre den Hund heranlaufen. Die dumpfen Aufschläge der Pfoten auf dem Boden lassen auf einen schweren, kompakten Kampfhund schließen. Er parkt sich hinter der Tür und beginnt furchterregend zu grollen und zu bellen. Ich lasse einige Sekunden verstreichen - Die Nachbarn sind nicht da. Vielleicht war's besser so. Den Hund will ich wirklich nicht sehen.

Nächster Versuch um 17 Uhr. Klingeln. Der Hund kommt. Er klingt noch bösartiger als vorher. Schritte. Ich mache mich auf das Schlimmste gefasst, nehme etwas Abstand. Die Tür geht auf.

Der Hund ist zwar kräftig aber ganz süß. Die Tür zum Eckzimmer steht auf, Spielzeug liegt herum. Eine junge Frau spielt mit einem Baby, das mich fragend anguckt. Vor mir steht eine weitere junge Frau und lächelt mich an. Ich erzähle ihr meine Geschichte, nehme mein Paket entgegen, danke und verschwinde wieder.

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Und wann gehst du wieder runter, um dir Salz zu leihen? Oder Zucker?

Heiko Hebig am 03.04.03 18:42 #