24. März 2003

[ Unternehmen ]

"eBay ist kein innovatives Unternehmen"

Eine interessante Betrachtung in Backweave: eBay's Megalomania (via WebVoice):

Unlike Amazon, eBay is not an innovative company. Amazon has constantly improved the shopping experience by introducing useful features like collaborative filtering, personalization, book browsing, and web services.

eBay, on the other hand, appears to be coasting on its monopoly position, and not too smoothly either. (...)

Als Beispiel nimmt Jeff Chan die Angebotslisten:

It is true that items on eBay are hard to categorize, but some form of filtering can be useful. For example, when browsing servers, I want to be able to filter by the number and type of processors, memory size, number and type of drives etc.

Er schlägt eine Ontologie vor, bei der z.B. Server nach Anzahl der Prozessoren, Speicherausstattung etc. eingeordnet werden können. Sehr sinnvoll wäre das. Aber ich zweifle daran, dass EBay das hinbekommt.

Technisch ist das System ein Dinosaurier. Die Software wie auch das dahinterliegende Prozessmodell sind dermaßen kaputt, dass ich wirklich überrascht bin, dass das Geschäft immer noch in diesem Volumen laufen kann. Funktionalitäten sind doppelt vorhanden, Web- und Mail-Templates unübersichtlich, doppelt oder zum Teil gar nicht vorhanden (Neulich per Mail: "Sehr geehrter username, ...")... wenn das mein Laden wäre, hätte ich nur noch Angst.

Hier liegt vielleicht die Chance von Amazon. Amazon erscheint mir technologisch wie konzeptionell flexibler. Den Verkäufer interessiert nur, wie er sein Produkt am besten platzieren kann. In manchen EBay-Kategorien ist das eine Katastrophe: Dort kann man nur noch durch Fettdrucke, Fotos und andere kostenpflichtige versuchen, aufzufallen. Richtig gefunden wird man aber eh praktisch nur noch durch komplexe Suchen von Powerusern ("+Server +IBM +3 Prozessor|Processor -PC +HE ...") Dies muss verbessert werden, damit die Kategorien benutzbar bleiben.

Wenn Amazon das schafft, z.B. durch eine Art Ontologie wie von Jeff beschrieben, könnten sie, zumindest in manchen Kategorien, Ebay bestimmt Einiges an Marktanteilen abnehmen. (Welche wären das? In welchen Bereichen hat Amazon da kritische Masse?)

Langfristig wird eBay um eine Ontologie gar nicht drumrumkommen. Nur durch weitere Subkategorisierung lässt sich nicht zielgenau genug platzieren. Man stößt an eine Wachstumsgrenze. (Oder?)

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Hallo Martin,

ich bin gerade auf der "EBAYLIVE 2003" im Berliner Tempodrom und muss sagen dass mir die Veranstaltung eigentlich gefallen müsste (wenn man die 25,-€ Eintritt bedenkt) Aber mein bisheriger Eindruck ist eher durchwachsen. Mein eigentliches Highlight sollten die hier angebotenen Seminare werden. Und da hatte ich auch ziemlich große Erwartungen. Und wie ist es wenn man Erwartungen hat?

Man wird entäuscht. So war es auch im ersten Seminar "Weltweit handeln". Es schon schlecht oder besser gesagt peinlich wenn ein Ebay Mitarbeiter innerhalb eines Seminars eine Anleitung zum Kopieren von fremden Produktbeschreibungen gibt. Das Beste daran war, dass er es nicht mal hinbekommen hat.

So ging ich dann zum zwoten Seminar - "Tipps und Tricks von Powerseller" - mit entsprechend gesenkten Erwartungen. Entsprechend der azyklischen Gegenreaktion war dieses Seminar ein voller Erfolg. Referent diesmal war ein Externer. Selbst Powerseller. Er hat aus dem Nähkästchen geplaudert und einige interessante Kleinigkeiten preisgegeben.

Im Großen und Ganzen ist das hier alles aber eine Selbstbeweihräucherung erster Güte. Die Mitarbeiter bemühen sich, aber es fehlt an greifbaren kontroversen Diskursionen. Warum stellt sich ein Herr Justus nicht mal auf eine offene Podiumsdiskursion? Anstatt dessen führt er oberflächlichen Smalltalk mit Herrn Gottschalk. Nicht informativ aber medienwirksam. Thats business.

Was verstehst du unter einer "guten/praktikablen" Onthologie? Oder schwebt dir ein genereller Philosophiewechsel vor?

Marius am 27.09.03 15:55 #