23. März 2003

[ Internet ]

"Sich aufdrängen" im World Wide Web

Dieter Müller meint in einem Artikel auf multimedia.de (via netzbuch):

Blogging ist heiß und cool, die eigene HomePage ist "out", das eigene Weblog ist "in". Priviligierte Luxusmenschen vertrauen nicht länger auf das billige Bündel Papier (Made in China), um ihre Gedanken, Sehnsüchte, Schweinereien, Träume und Erlebnisse ihrem treuen, schweigsamen Freund Tagebuch zu erzählen. Nein, heute muss es eine globale Infrastruktur mit Servern, Datenbank, PHP- oder Perl-Skript sein, um die eigenen Gedankenfürze der ganzen Weiten-Web-Welt aufzudrängen.

und macht sich auch im Rest des Artikels über den "Blogspace", in dem seiner Meinung nach das Wort bis zur Unkenntlichkeit zerkaut wird, lustig.

Er übersieht nur eine Sache: Kein Mensch "drängt sich auf". Du liest mein Blog freiwillig! Das Web ist unendlich groß, deshalb kann es keiner "vollschreiben". Es ist genug Platz für jeden Blödsinn da. Jeder kann und jeder darf schreiben - so viel er will. Gelesen wird nur, was interessant ist.

"Aufdrängen" ist nur per Mail, durch Posts im Usenet, meinetwegen noch durch übermäßiges Kommentieren auf anderen Seiten möglich. Aber nicht durch Bloggen.

Du bist freiwillig hier. Das hier ist nicht das

Zeitalter der allgemeinen Medienprostitution (in dem) jeder jedem alles ans Hirn bloggen muss
sondern du bist einfach nur auf die falschen Seiten gesurft. Selbst schuld. Und was unterscheidet Deinen Artikel eigentlich von einem Blogeintrag?

[Nachtrag] Bei dem Thema darf natürlich die Empfehlung von Small Pieces Loosely Joined nicht fehlen. Ein tolles Buch.

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Um die Relevanz dieser Äußerungen in Hinblick auf funktionierendes eBusiness zu bewerten, kann man einen Blick auf die Website des Autors für "consulting & design for ePublishing" von orangeguru.net zu werfen. (Screenshot)

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Durchgefallen! Und manche readonly Flasher habens sowieso nicht verstanden, was das mit dem Bloggen alles soll. [just my 5 cents]

Peter Grossmann am 24.03.03 11:46 #
 

Schön getastet - aber nicht richtig kapiert was die Kolumne ausdrücken wollte: politischer Wandel kommt nicht durch die Weblogs von Hausfrauen, Hackern und anderen sabbernden Tastaturhelden.

Insbesondere wenn es sich dabei um ständig wiedergekäutes und recyceltes Wissen aus dritter Hand handelt.

Also erst lesen, dann meckern.

Dieter Müller

Dieter Mueller am 30.03.03 23:34 #
 

Die angesprochenen "sabbernden Tastaturhelden" streben mit ihrem "Wiederkäuen" auch keinen politischen Wandel an. Insofern ist ihre Aussage so korrekt wie trivial.

Martin Roell am 31.03.03 00:13 #
 

Kommt darauf an, wie man "politisch" definiert: Manchmal sind's langfristig die kleinen Dinge, die die nachhaltigsten Veränderungen bewirken. Und die Tatsache, dass jeder mit geringem Aufwand seine Ansichten (oder Befindlichkeiten, warum nicht?) einem potentiell breiten Publikum kundtun kann, hat meiner Ansicht nach schon einen gewissen (politischen) Reiz.

Was die "sabbernden" Tastaturhelden betrifft: Könnte es sein, dass sich hier jemand gekränkt fühlt, weil plötzlich jede "Hausfrau" (ziemlich tief, lieber Herr Müller) ganz leicht in den eigenen, bisher so ätherischen "Kompetenz"bereich einbrechen kann?

Wolfgang Jokesch am 01.04.03 10:26 #