15. März 2003

[ Geschichten ]

Produktinnovation bei Roell Consulting - Bericht von einem interessanten Workshop

Am Donnerstag besuchte ich die Jahrestagung des seneka-Forschungsprojekts in Berlin. Mit dem Projekt habe ich zwar nichts zu tun und "Service-Netzwerke für Aus- und Weiterbildungsprozesse", der Untertitel des Projekts, klang auch nicht wirklich spannend, aber zum einen ist mir fast jede Gelegenheit recht, mal wieder nach Berlin zu kommen, zum anderen war für den Nachmittag ein Workshop "Wie kann die betriebliche Innovationsfähigkeit gesteuert werden? Innovationsmanagement aus der Praxis für die Praxis" angesetzt, der interessant klang. Also ging ich hin.

Positiv überrascht wurde ich vom Vortrag "Netzwerkfähigkeit von Menschen und Organisationen" von Prof. Dr. Jörg Sydow von der FU Berlin, der über Unternehmensnetzwerke, ihr Management und die Implikationen für Personalführung und Geamtstrategie referierte.

Noch besser wurde es dann nach dem (leckeren) Mittagessen, als Dr. Frank Ruff von der Daimler Chrysler "Society and Technology Research Group ("Its task is to provide an early-warning system for the DaimlerChrysler Board of Management on changes in the business and social environment, and customized research to individual clients within the group." DC-Geschäftsbericht 99) über "Unternehmen in der informatisierten Gesellschaft 2015" sprach und drei Zukunftsszenarien (die dann doch eher 2030 als 2015 waren) vorstellte, die die Forschungsgruppe entwickelt hatte.

Und dann kam der Workshop. Regeln für einen guten Workshopmoderator:

  • Es ist gut, große Gruppen zu teilen.

  • Aber nicht so, dass die eine riesig, die andere winzig ist.

  • Und nicht so, dass die eine Gruppe nur aus Männern besteht.

Die Berichterstattung hätte hier fast abbrechen können, denn aufgrund von Unachtsamkeit befand ich mich plötzlich in einer Gruppe mit nur 5 allesamt männlichen Teilnehmern. Die Erfahrung sagt: Solche Workshops funktionieren nie. Aber ich saß nunmal drin und es ging auch schon los. Es stellte sich heraus, dass die Teilnehmer interessante Leute waren - und sich fast alle mit Wissensmanagement befassten!

Die Workshopleitung versuchte uns dazu zu bewegen, ein 5*5-Schema zu Innovationsprozessen in Unternehmen, das auf der seneka-Methodik basierte auszufüllen. Da keiner diese (hochkomplexe, innerhalb von 4 Jahren entwickelte) Methodik kannte und wir sie auch nicht in 20 Minuten lernen konnten, wurde das ziemlich mühsam. Und da meinte einer: "Warum nehmen wir uns nicht eine Fallstudie?" Damit kam meine Stunde:

"Kleines Beratungsunternehmen beginnt, Gedanken im Web zu veröffentlichen, erhält Anfragen zu dieser Art des Content-Publishing, macht sich Gedanken zum Start eines neuen Produkts." Ich erzählte meine kleine Geschichte und traf zu meiner Überraschung auf großes Interesse. Zwar war der "Produktinnovationsprozess" relativ überschaubar (wenn ich innovieren will, dann innoviere ich!), aber trotzdem konnte der Moderator mit allerhand klugen Fragen richtig viel daraus ziehen. Und während er und die anderen Teilnehmer der Runde sich in meine Gedanken reinfragten, kam ich selbst überhaupt erst richtig dazu, zu reflektieren, wie Innovation bei mir und in den Projekten, in denen ich arbeite funktioniert.

In der Nachbetrachtung musste ich ein wenig schmunzeln: Da hatten jetzt 6 hochqualifizierte Leute zusammengesessen und die Köpfe nur für mein Unternehmen rauchen lassen. Ich hoffe, ich kann mich irgendwann einmal revanchieren.