26. Februar 2003

[ Oekonomie ]

Technologieforschung in Deutschland

In der Bundesrepublik sind im Jahre 2001 gegenüber dem Vorjahr unverändert insgesamt 6,8 Prozent des Inlandsprodukts für IuK-Produkte und Dienstleistungen ausgegeben worden -- deutlich weniger als der Durchschnitt der westlichen Industrieländer. Deutschland ist "keineswegs dabei, den Abstand zu den im Einsatz von IuK-Technologien führenden Volkswirtschaften zu verkürzen".
Heftige Aussagen im Gutchten "Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands 2002" (PDF, 2.5 MB) des BMBF. [Nachtrag: Es gibt auch eine Zusammenfassung der Studie (PDF, 226 KB)]

Aber das ist erst das Symptom. Drastischer sind noch die weitergehenden Beschreibungen:

Würde man den Automobilsektor aus der Außenhandelsbilanz herausrechnen, "wäre Deutschland nicht mehr als ein Land zu bezeichnen, das im internationalen Handel auf forschungsintensive Produktionen spezialisiert ist".

(Alle Zitate aus einem heise-Artikel)

Wäre ich ein Politiker müsste ich jetzt wohl Sätze wie "Die Zukunftsfähigkeit der Deutschen Industrie steht auf dem Spiel!" bloggen. (Nein: Bedeutungsschwer in eine Fernsehkamera sagen; verbunden mit einer Attacke auf die bösen anderen [tm]. So viele bloggende Politiker gibt es ja noch nicht.) Aber ich bin keiner. Und Forderungen à la "Liebe Unternehmen, ihr müsste mehr forschen! Das ist wichtig für euch!" sind eh sinnlos. Entweder Unternehmen wissen über die Wichtigkeit der Forschung für ihr Geschäft oder nicht. Niemand forscht grundlos. Und niemand forscht, weil ein Politiker oder ein Consultant ihm sagt, dass das gut für ihn ist. (Oder übersehe ich eine schlagende Argumentationslinie? Hat jemand gar Erfolgserlebnisse gehabt? Her damit!)

Entweder Unternehmen verstehen den Wert der Forschung oder eben nicht. Und wenn das Nicht-Forschen wirklich schlecht ist, greifen die Mechanismen des Marktes: Entweder indem die Unternehmen die nicht forschen durch andere die es tun kurz- oder mittelfristig ersetzt werden. Oder - wenn das aufgrund von Trägheit nicht schnell passiert - global durch Verlagerung von Technologiestandorten. Und das könnte, in vielleicht gar nicht all zu ferner Zukunft, mal Deutschlands Problem werden.

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