15. Januar 2003

[ Blogging ]

Jupiter Research bloggt

Jupiter Research Announces the Launch of Analyst Weblogs

(...) The new Web site at http://weblogs.jupiterresearch.com features Weblogs authored by senior Jupiter Research analysts and will offer timely access to analysis on breaking news, events and announcements. Each analyst will keep a frequently updated Weblog that will include interesting links, running commentary, personal thoughts and essays providing thought provoking insight that will enhance Jupiter Research's products. (...)


(gefunden bei Ross Mayfield)

Und morgen: McKinsey, IBM, Roland Berger.
Und übermorgen: DaimlerChrysler, RWE, DeutscheBank. Any Company that sells Knowledge.

[Nachtrag] Weitere Anmerkungen bei Stefan Smalla

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Ich bin mir nicht sicher, wie die großen Consultancies wirklich auf Weblogs reagieren sollten, da es doch einige massive Nachteile gibt:

* Wenn McKinsey ein Unternehmen berät, dann passiert sowas in der Regel unter starker Geheimhaltung. Wenn man jetzt aber den Consultant-Weblogs folgen würde, dann würde man sicher recht schnell mitbekommen, wer da beraten wird im Moment. Die Informationen, die so ein Weblog transportiert, sind recht vielfältig: Wo der Consultant gerade ist. Die Practice, in der er normalerweise arbeitet. Die Artikel, die er gerade liest. Die Themen, über die er gerade nachdenkt.

* Wie finden es die CEOs der Unternehmen, die erhebliche Summen an McKinsey-Consultants ausgeben, wenn sie im Internet bereits einfach lesen können, woran gerade gearbeitet wird. Natürlich sind die Artikel, die McKinsey jetzt sowieso schon oder für den McKinsey Quarterly schreibt, auch Zweitverwertung des Wissens, aber mit Weblogs geht man doch einen deutlich größeren Schritt.

* Wie schnell muß McKinsey da eigentlich nachziehen? Wieviele CEOs wissen im Moment schon, was Weblogs sind? Und wieviele wollen täglich sowas lesen?

D.h., im Endeffekt würde ein Weblog eines McKinsey-Beraters immer notwendigen firmenseitigen Regulierungen unterliegen, und ist das dann noch sinnvoll? Es wird sicher irgendeine Form von Weblogs für Berater geben, aber ich glaube, daß es aus Sicht der Blue-Chip-Beratungen noch nicht so klar ist, wie es denn ablaufen soll, wie das für Tech-Unternehmen oder Analysen-Verkäufer oder Individuen der Fall ist.

Stefan Smalla am 15.01.03 11:25 #
 

Wow, danke für den Kommentar! Ich antworte erstmal nur zum Klientenschutzaspekt, ein paar grundlegendere Gedanken kommen dann heute abend.

Also: Geheimhaltung des Klienten. Sehr guter Punkt. Mir fällt da für "richtige" offene Weblogs auch keine richtige Lösung ein. Wenn ein Consultant schreibt, wo er sich gerade befindet, wird man bei einem Big5-Consultant aus dem Kontext seines Weblogs leicht herauslesen können, wen er gerade berät.

Schon bei mir selbst tritt dieser Fall ja ein, wenn auch weniger extrem- der Kreis der Unternehmen, die sich von McKinsey beraten lassen, ist einfach eingegrenzter als der von einem "kleinen Krauter" wie mir. ;) Wer allerdings meinen Branchenschwerpunkt kennt (und auch der Stand schonmal im Blog), kann trotzdem leicht erraten, in wessen Gebäude ich gerade sitze. Hier ist das in Ordnung und mit dem Auftraggeber abgesprochen, aber in anderen Fällen komme ich wohl nicht umhin, z.B zu verschweigen, in welcher Stadt ich arbeite oder das sonstwie zu cachieren.

Ein Big5-Blogger wird wohl nicht drumrumkommen, seinen Aufenthaltsort komplett zu verschweigen, auch wenn ihn das in seinen Blog-Möglichkeiten einschränkt. Schon jetzt (reine Vermutung) schreiben die Policies der Consultancies vor, dass der Klient geheimzuhalten ist. Eine Blog-Policy (die sicher kommen wird), wird dann mehr oder minder explizit vorschreiben, was der Consultant über seinen Ort und seine aktuelle Arbeit sagen darf.

OK, das geht immer noch von offenen Weblogs aus. Mehr zu anderen Gedanken dann später.

Martin Röll am 15.01.03 13:20 #
 

Ich habe viel über die Consultant-Blogs nachgedacht und meine Glaskugel befragt und bin zu folgendem, vorläufigen, Ergebnis gekommen:

*Glaskugel an*
a) Es wird etwas geben, das "Weblog" heißt und auch so aussieht.
b) Aber es wird kein richtiges Weblog sein.

Die Gründe ergeben sich aus Stefans Kommentar: Denn (zu Deinem dritten Punkt) ich bin überzeugt, dass der "Weblog"-Begriff sich weiter verbreiten wird und Leute, auch CEOs, so etwas lesen wollen werden. Es wird also eine Nachfrage nach "Business Weblogs", wie z.B. denen von Jupiter geben.

Aufgrund der aus der Verbreitung eines neuen Modebegriffs resultierende Nachfrage werden Unternehmen versuchen, daraus Vorteile zu ziehen, auf den Zug aufspringen und "Weblogs machen". Im Zuge dieser Welle wird bestimmt auch mindestens ein großes Beratungshaus dabeisein.

Nach einer Weile werden aber die Probleme aus dem zweiten Punkt durchschlagen: Die bloggenden Consulter werden nicht sehr detailliert auf manche Dinge eingehen können, werden oft "unpersönlich" bloggen müssen. Es entsteht etwas, das zwar aussieht wie ein Weblog aber nicht dessen besondere Eigenschaften hat.

Damit wird die erhoffte große Leserschaft ausbleiben und die Motivation bei Bloggern und ihren nach mehr "billable hours" lechzenden Vorgesetzten schwinden lassen. Und dann werden die Blogs vergessen, dahinvegetieren gelassen oder eingestellt. Die Blogger machen dann wieder "richtige" Arbeit oder schreiben. eben wieder im "Quarterly".

*Glaskugel aus*

Der Cluetrain rollt und eine Menge Unternehmen werden versuchen, mit Weblogs die "Märkte sind Gespräche" und "Unser Kapital ist das Wissen unserer Mitarbeiter"-Philosophien umzusetzen. Aber nur wenige werden es schaffen.

Bei welchen Unternehmen können Weblogs gut funktionieren? Bei Jupiter zum Beispiel scheint es extrem gut zu passen (siehe die Diskussion in Stefans Blog). Bei den großen Consultancies werde ich zunehmend skeptischer. Mein Kopf raucht... ich muss da noch ein paar Tage drüber nachdenken. :-) Danke, Stefan!

Martin Röll am 16.01.03 10:27 #
 

Ich bin übrigens nicht so überzeugt, daß die großen Consultancies auf den Zug einfach aufspringen werden, sondern die werden den von Dir beschriebenen Kreislauf antizipieren. Die sind ja nicht doof. :-)

Was interessant wird, ist folgendes Szenario: Ein McKinsey-Berater schreibt privat ein Weblog und bewegt sich immer mehr in Richtung Wirtschaft. Muß er aufhören? Wird er ermahnt? Direkt gefeuert? Oder noch besser: Ein aktueller Weblogger geht zu McKinsey. Hört er dann auf? Freiwillig? Gezwungen? Ich selbst war mal vier Tage bei McKinsey zu einem Seminar und habe die immer als einen Traum-Arbeitgeber angesehen, d.h., es ist durchaus wahrscheinlich, daß ich mich dort mal bewerben werde. Es könnte schon sein, daß ich dann mit meinem Info Feed aufhören werde, und zwar freiwillig. Ich werde ja dann dafür bezahlt, für die Company zu denken. Und im Zweifel kann ich dann berufliche Inhalte nicht mehr von privaten trennen.

Na ja, noch ist es ja nicht so weit, also mache ich mir dann ggf. später Gedanken.

Noch ein "übrigens", bloß um mal Feuer zu entfachen: Das Cluetrain-Manifesto finde ich, gelinde gesagt, suspekt.

Stefan Smalla am 16.01.03 16:54 #
 

Ich bin übrigens nicht so überzeugt, daß die großen Consultancies auf den Zug einfach aufspringen, sondern den von Dir beschriebenen Kreislauf antizipieren werden. Die sind ja nicht doof. :-)

Naja... und sie lesen ja auch das E-Business Weblog. ;-)

Es wäre interessant, sich mal genauer anzusehen, wo es schon bloggende Big5-Consultants gibt und wie sie mit der Beziehung zu ihrem Arbeitgeber umgehen. Anders Jacobsen ist zum Beispiel verschweigt nicht, für wen er arbeitet, kehrt es aber auch nicht gerade heraus. Er schreibt über Technologiethemen, stellt aber nie den Bezug zu seiner Arbeit her. Als wir uns einmal trafen, erklärte er mir, dass er sein Blog wie eine völlig private Angelegenheit betrachtet. Sicherlich gibt es ein paar Überschneidungen der Interessen, aber das führt bei ihm nach seiner Meinung nicht zu Konflikten.

Bei Dir wird das ganz sicher nicht klappen, Beruf von privat zu trennen - Du schreibst ja genau über die Dinge, wegen derer McKinsey sich um Dich reißen wird! Also geh da bloß nicht hin - ich will Dein Blog weiter lesen! :-)

Es gab doch auch schon ein paar Geschichten, wo Blogger wegen Ihres Blogs gefeuert wurden... was hatten die für Jobs? Findet da jemand noch ein paar URLs?

(Wir brauchen definitiv die Kommentar-Preview-Funktion. Kommt. Bald.)

Martin Röll am 16.01.03 17:42 #
 

Ja, Mark Pilgrim ist das gewesen, der mal wegen seines Weblogs entlassen worden ist.

Stefan Smalla am 16.01.03 17:56 #
 

*Glaskugel an*
a) Es wird etwas geben, das "Weblog" heißt und auch so aussieht.
b) Aber es wird kein richtiges Weblog sein.

Mich würde interessieren, was für Dich dann ein "richtiges" Weblog ausmacht? Ich glaube nicht, dass Unternehmen wie Jupiter Weblogs wegen des Hype-Effekts nutzen, sondern weil es damit für die Consulter eine einfacherer Möglichkeit gibt, über Themen zu berichten: personal publishing of microcontent.

Weblogs müssen nicht ins Detail gehen (welches macht das schon) und nicht die große Öffentlichkeit ansprechen (im Gegenteil eignen sie sich imo für Nischenkommunikation). Ich setze Weblogs durchaus im Projektgeschäft ein - als Extranet-Lösung. Ist ein Weblog kein Weblog, weil es nicht öffentlich ist? Ist ein Weblog kein Weblog, weil es weniger Links hat? Ich sehe in dieser Jupiter-Geschichte vor allem ein Anzeichen dafür, dass man Alternativen zu zentralisiertem, seitenbasiertem Publishing und komplexen CMS sucht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Markus Stolpmann am 16.01.03 20:14 #
 

Markus, ich stimme Dir zu.

Stefan Smalla am 16.01.03 21:31 #
 

Ich glaube nicht, dass Unternehmen wie Jupiter Weblogs wegen des Hype-Effekts nutzen, sondern weil es damit für die Consulter eine einfacherer Möglichkeit gibt, über Themen zu berichten: personal publishing of microcontent.

Im Wesentlichen stimme ich da zu, aber dieses Publishing geschieht ja nicht zum Selbstzweck. Stefan hat dazu bei sich im Blog einen schönen Kommentar geschrieben. Die Weblogs sind ein tolles Marketinginstrument. Und der Hype wird einfach mit-genutzt. Was das Haupt- und was Nebengrund ist, wird kaum herauszufinden sein.

Mit dem nicht "richtigen" Weblog meinte ich, dass dort weniger "gebloggt" und diskutiert und mehr "sauber" und one-way publiziert werden wird.

Martin Röll am 17.01.03 08:57 #