13. Januar 2003

[ Strategie ]

Das Internet ist schuld!

Leicht amüsiert lese ich im Heise-Ticker heute morgen die Schlagzeile "Online-Buchmärkte machen Antiquariaten das Geschäft kaputt".

Dahinter verbirgt sich ein kurzer Eintrag: Im Focus wurde ein Funktionär des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels interviewt, der ein wenig jammerte:

Wilhelm Hohmann, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Antiquariat beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels, fürchtet angesichts der auftrumpfenden Internet-Konkurrenz um die Existenz stationärer Händler.
"Antiquariate gehen Pleite, denn jeder Trödler kann online Geschäfte machen", sagte er gegenüber Focus.

Ja, schon schrecklich: Da kommt das böse Internet und dann gehen die Geschäfte der hübschen Antiquariate kaputt.

So ist es nur leider nicht:

Unternehmen, die es verpassen, sich auf (technologischen oder sonstigen) Wandel einzustellen, sterben halt. Das ist schon immer so gewesen und ein sehr normaler Vorgang. Wenn sich die Welt wandelt, müssen sich Unternehmen wandeln - oder sterben.

Es ist keineswegs so, dass das Internet irgendwem irgendwelche "Geschäfte kaputtmacht" sondern so, dass jeder Unternehmer, jedes Unternehmen und jede Branche die Möglichkeit hat und hatte, sich damit auseinanderzusetzen, was die Entwicklung des Internets für ihn/es/sie bedeutet. Es war lange klar, dass man Bücher, auch gebrauchte, über das Internet vertreiben können würde. Es war lange klar, dass Amazon eine denkbar gute Ausgangsposition hatte, um das dominierende Online-Antiquariat zu werden. Heute, im Jahr 2003, überrascht zu tun oder darüber zu jammern, dass es genauso gekommen ist, ist albern und hilft niemandem. Übrigens auch keinem Antiquariat: Ein paar Focus-Leser werde vielleicht "Oh, wie traurig, die schönen Antiquariate!" seufzen und danach fröhlich weiter auf Amazon einkaufen. (Darauf, dass viele Antiquariate inzwischen auf Amazon und eBay hervorragende Geschäfte machen, wird in der Ticker-Meldung nicht eingegangen. Vielleicht geht der Focus-Artikel darauf ein- ich habe ihn online nicht finden können.)

Bitte auswendiglernen: Der Markt, die Welt ist nie schuld! Es ist immer der Unternehmer der handelt oder es eben nicht tut (fragen Sie mal Wolfgang Jokesch...).

Jammern hilft nicht. Handeln hilft. Entscheidungen treffen hilft. (Und wer noch nicht weiß, wie er handeln soll, kann sich ja einen dieser Berater besorgen... das soll manchmal hilfreich sein, habe ich gehört... ;-))

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Wer einem die Schuld gibt, der gibt ihm Macht.

Und der Unternehmer, der alles auf die anderen schiebt, ist machtlos. Ohnmächtig.

Wenn er erkennt, dass er fehlte, dann hat er machtvoll versagt.

Wer seine Geschicke in die Hand nimmt, der ist mit der Macht. Wer den Weg erkennt und nicht geht, braucht noch lang, um mächtig zu sein.

peter am 13.01.03 12:50 #
 

Sie haben Recht!

Mich wundert's, daß die Reisebüros noch großteils das Internet verschlaffen haben. Die Billigflieger forcieren Internetbuchungen und auch Lufthansa marschiert in diese Richtung, aber schauen Sie mal wie wenig sich tut bei den Reisebüros. Auch andere Internet-Dienstleister wie HRS (Hotel Reservation Service) wachsen ständig.

Ich meine nicht unbedingt, daß Reisebüros ihre Internet-Auftritte verbessern sollten (obwohl dies bei manchen dringend nötig ist), sondern eher, daß sie neue Nischen besetzen müssen und künftig innovativere Beratungsdienste anbieten müssen - wenn sie nur anbieten, was ich sonst im Internet bekommen kann, warum soll ich deren Büros betreten?

90% der Reisebüros werden sich in 2-3 Jahre wündern, warum deren Umsatz stetig schrümpft...

John Keys am 20.01.03 13:20 #
 

ein Berliner Antiquar mit 2 Läden
hat mir erzählt, dass er demnächst
eine Ladenmiete einspart und die
Geschäfte dank Internett besser als vorher
laufen.

Mir persönlich ist es bisher nahezu
unmöglich in Berlin Beratung anzubieten,
typische Argumente:
- was soll mir das bringen?
- mein Enkel wollte mir das mal zeigen
- es ist zu viel Arbeit das alles einzutippen
- welche Referenzen haben sie?
- ich zahl soviel Miete, da kann ich nicht
noch 100 Euro für einen gebrauchten PC und für die Internetgebühren ausgeben

ein Berliner am 24.01.03 11:06 #