8. Januar 2003

[ Blogging ]

To link or not to link

Markus Stolpmann fragt sich: "Wo liegen die Probleme mit Zitaten und Verlinkungen?" und schreibt absolut Unterstreichenswertes zum Verwenden von Zitaten.

Kurz zusammengefasst:

  • Zitate nicht um ihrer selbst willen, sondern nur als Beleg, Erörterungsgrundlage oder sonstiges Hilfsmittel verwendet werden
  • Quellen müssen sauber zurückverfolgt werden (vgl. in dem Zusammenhang den Artikel Kopiert statt gelesen auf telepolis: "Aufgrund [gemeint ist "laut"] einer statistischen Analyse lesen nur 20 Prozent der Wissenschaftler die Quellen, auf die sie in wissenschaftlichen Artikeln verweisen.".)
  • Credits geben, d.h. Quelle/Fundestelle nennen
  • Unbedingt lesen!

    Beim Thema Verlinkungen gehen unsere Meinungen aber auseinander: Markus schreibt:

    "Allerdings muss man wohl prinzipiell zwischen Links auf eine Homepage und Links auf Unterseiten unterscheiden"
    und geht auf Deep-Links ein:

    "Ein Link auf eine Homepage ist sicher immer werbend für ein Gesamtangebot [...] Wenn man jedoch Deeplinks setzt, dann macht man keine Werbung mehr für den Anbieter als solches, sondern nur für eine einzelne Seite [...]. Damit entzieht man den anderen Seiten des Anbieters [...] Besucher, denn die kommen jetzt direkt. Und damit ist unter Umständen ein Verlust von Werbeeinnahmen oder Umsätzen verbunden."
    Das ist komplett falsch: Wenn ich einer Seite mit einem Link "Besucher schicke" (eigentlich schicke nicht ich Besucher, sondern der Besucher wählt einen Navigationsweg, aber das können wir später vielleicht vertiefen), bekommt die Seite mehr Zugriffe. Es wird Ihr kein Traffic "entzogen", weil der ohne meinen Link gar nicht da wäre.

    Markus beklagt, dass durch tiefe Links möglicherweise

    "... der Abruf dem Verlinkten in Rechnung gestellt wird [MS verweist auf die Kosten des Traffics], aber nur dem Linker zu neuen Besuchern verhilft. Oder es wird per Deeplink z.B. auf Checklisten verwiesen, die eigentlich exklusiv für die eigenen Leser gedacht waren (wie es uns mit eDings schon häufiger passiert ist)."

    Tja - Pech gehabt! So ist das Web nun einmal aufgebaut!

    Vorbemerkung: Ich spreche im Folgenden nicht von der Slashdotting-Problematik sondern von nicht existenzgefährdender Verlinkung.

    Der URL existiert gerade um Inhalte direkt adressieren zu können. Und es wäre auch hirnrissig, wenn ich auf eine bestimmte Datei, z.B. auch auf edings.de verweisen wollte, meinen Lesern sagen zu müssen: "Die Datei liegt auf edings.de, bitte geht auf die Homepage und klickt Euch dann wie folgt durch...". Nein: Ich verweise direkt darauf, worauf ich verweisen will. (Unter Angabe der Credits, je nach Inhalt auch mit Rücksprache und unter Anbieten eines Mirrorings, da stimmt ich Markus wieder zu.)

    Wenn das dem Inhalteanbieter nicht passt, muss er zunächst Maßnahmen ergreifen, die das verhindern. Wenn eine Checkliste "exklusiv für die eigenen Leser" gedacht ist (wenn ich eDings einen Leser mittels Link "schicke" - ist das dann nicht schon ein "eigener Leser"? Wo ist das Problem, wenn ich einen Leser direkt zu einer checkliste führe, über der groß "eDings.de" steht?), dann gehört das Dokument halt nicht öffentlich auf einen Webserver. Ein Passwortschutz ist simpel zu implementieren, ebenso eine Verteilung über E-Mail, z.B. mit einem Autoresponder. Aber wenn das Dokument öffentlich verfügbar ist - warum sollte dann nicht darauf verwiesen werden?

    Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, zu verlangen, man solle sich vor jedem Link besser mit dem Verlinkten abstimmen - das ist viel zu kompliziert! Die Grundregel sollte sein: Was verlinkbar ist, kann verlinkt werden. Und erst danach kommen Einschränkungen. Wenn ein Autor nicht will, dass etwas von ihm verlinkt wird, sollte er es entweder mit technischen Mitteln verhindern oder aber es den Verlinkenden so einfach wie möglich machen, seinen Willen zu erkennen: Wenn auf einer Checkliste groß drauf steht "bitte nur nach Absprache verlinken" wird ein anständiger Mensch das respektieren. Aber wenn ein Inhalt diesbezüglich nicht gekennzeichnet ist, kann niemandem ein Vorwurf gemacht werden, der ohne Absprache tief verlinkt.

    [Nachtrag] Ulrich van Stipriaan macht mich auf diese ältere Kolumne von Jakob Nielsen "Deep Linking is Good Linking" (und ihre deutsche Übersetzung) aufmerksam. Danke!

    Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.

    Frank Patalong gibt sich auf SpiegelOnline alle Mühe, korrekt mit den aktuellen Äußerungen der Bertelsmann-Sitftung umzugehen. Sie will im Oktober eine neue Studie verkaufen und zieht deshalb gerade die alte...

    Das E-Business Weblog: Zur Kritik an der "Vergoogelung" des Webs (16.07.03 12:34)

    Wir hatten die Diskussion schonmal: Wie zitiert man anständig in Blogs? Gerade gibt es wieder eine neue Kontroverse und es scheint, als ob wir mit der Diskussion nochmal von vorne anfangen müssen. Hinweise zum sauberen Zitieren.

    Das E-Business Weblog: Mal wieder: Zum Zitieren in Blogs (07.08.03 12:16)

     

    ACK, Martin, wer eine Seite öffentlich abrufbar ins Netz stellt muß damit rechnen dass jemand einen Link darauf setzt und sich das jemand anschaut, denn wenn das nicht erwünscht wäre wäre die Seite ja nicht öffentlich im Netz, oder denke ich da mal wieder zu einfach?

    Wenn irgendetwas nicht öffentlich sichtbar sein soll dann muß man es halt "verstecken", sprich nicht über die öffentliche Seite verlinken, oder den Zugriff sichern. Wenn ich jeden fragen soll auf dessen Seite ich einen Link setze hänge ich das "Bloggen" an den Nagel und berichte ausschließlich über das Aufräumen meines Schreibtischs. ;-)

    ralle am 08.01.03 12:36 #
     

    wäre auch ein sehr schöner Abschnitt im Weblog-Buch!
    http://www.blogworld.de/buch/

    thomas am 08.01.03 13:21 #
     

    Ich bekam in meinem Beitrag mittlerweile ein paar Kommentare zu diesem Thema, und erwiderte dort unter anderem:

    Martin hat eine andere Sicht auf Deeplinks und erläutert das in seinem Blog auch ausführlich. Fazit quasi: Was verlinkt verden kann, das wird auch ohne Rücksprache verlinkt. Fair use ist für ihn ein Fremdwort.

    Interessanterweise war es ausgerechnet Martin, der sich in seinem Weblog im Dezember Der Eigner der IP-Adresse 217.9.121.62 möge sich bitte bei der Rezeption melden und sich zu den gestrigen Vorfällen zwischen 16 und 18 Uhr erklären. Danke. [Nachtrag] Es wird schon klarer. Ich hasse Spambots! Also ist es ihm wohl doch nicht ganz so egal, wo und von wem er verlinkt und besucht wird.

    Aber um Mißverständnissen vorzubeugen: Es ging mir nicht darum, jetzt jeden Link in Frage zu stellen. Zumeist ist die Sache ja problemlos. Im Zweifelsfall empfehle ich nachfragen oder zumindest benachrichtigen. Ich denke, es reicht zumeist, einfach eine Minute zu reflektieren, was da geschieht, wenn man einen Link setzt.

    Aber wer argumentiert, dass grundsätzlich jeder Deeplink problemlos ist, hat wohl noch nie mit einem Content-Anbieter zu tun gehabt und geht auch davon aus, dass die eigenen Inhalte nichts wert sind und nie in irgendeiner Form weiterverwertet werden.

    Und wer sich auf die Natur des Netzes beruft nach dem Motto "erlaubt ist, was möglich ist", der braucht sich auch nicht zu wundern, wenn jemand Abbildungen frech von fremden Servern verlinkt:


    (mit besten Grüßen auch an ralle und das-netzbuch)

    Oder?

    Beste Grüße
    Markus

    Markus Stolpmann am 08.01.03 14:34 #
     

    Du hast mich missverstanden, Markus. Ich schrieb ganz bewusst von einer Grundregel. (Also grundsätzlich sind Deeplinks ok, dann kommen die Einschränkungen. Im Gegensatz zu: "Deeplinks sind nicht ok, außer...") Wenn zu erkennen oder anzunehmen ist, dass ein Autor eine Verlinkung nicht wünscht, ist es anständig, nicht zu verlinken.

    Was das Verwenden von Grafiken angeht, so wie Du es im Kommentar demonstrierst, weißt Du doch ganz genau, dass das so eben nicht anständig ist, selbst mit Verweis auf das Netzbuch. (Zur Verwendung von Bildern könnten wir unsere Artikel ja noch ausbauen.)

    Die Attacke des Spambots, auf die Du verweist, ist etwas anderes: Da geht es nicht um Verlinkung, sondern um das massenweise Abrufen von Inhalten. Und nein: Das ist mir nicht egal. Deshalb sperre ich diesen Bot ja jetzt auch aus. Aber wieder grundsätzlich steht meine Seite im Netz und kann abgerufen werden. Von jedem. Ob mit Deep-Link oder ohne.

    Martin Röll am 08.01.03 15:02 #
     

    Noch eine Frage, die sich mir da stellt: ist Verlinken eher mit "darauf hinweisen" oder mit "benutzen/zur Benutzung durch andere bereitstellen" gleichzusetzen?

    Martin schreibt:
    Aber wenn das Dokument öffentlich verfügbar ist - warum sollte dann nicht darauf verwiesen werden?

    Ist das nicht so, als würde ich Leute auf der Strasse darauf hinweisen, dass gerade Deine Haustüre offen steht und man heute gratis telefonieren kann? Das ist ja auch das Problem von Chip, Heise und Co. (und dem Schockwellenreiter -> Walser): Man kann problemlos sagen: "Es gibt eine gecrackte Version von xyz im Internet - man muss nur Google danach fragen!" aber eben nicht so problemlos "Unter xyz.de/abc/de.exe gibt es eine gecrackte Version".

    Was die Checklisten betrifft, so stört nicht die Verlinkung an sich, sondern dass andere Anbieter diese so präsentieren, als wäre es ihr eigener Content. Sie haben aber nie um Erlaubnis gebeten (sie hätten sie vermutlich bekommen, wenn man bereit wäre, die Quelle auch zu nennen und nicht im Link zu verstecken). Es handelt sich da um (zu der Zeit) nicht auf eDings verlinkte PDFs, deren URL nur per Mail bekannt gegeben wurde. Die Logik wäre dann, dass man jeden Server nach allen Dateien durchsuchen kann, die dort erreichbar sind - und diese dann öffentlich machen. Ich frage mich, ob ihr das wirklich wollt?

    Just my 0.02 euros.
    LG
    Markus

    Markus Stolpmann am 08.01.03 15:04 #
     

    Ich schrieb:
    Aber wenn das Dokument öffentlich verfügbar ist - warum sollte dann nicht darauf verwiesen werden?

    Markus fragt:
    Ist das nicht so, als würde ich Leute auf der Strasse darauf hinweisen, dass gerade Deine Haustüre offen steht und man heute gratis telefonieren kann?

    Ich denke nicht. Das ist eher so, als würde ich ich einen Artikel an meine Haustür pinnen und Leute auf der Straße zeigen darauf und rufen "Lies das!". Ich will schließlich, dass der gelesen wird. (Und wenn nicht, sollte ich entweder einen Zaun um meinen Vorgarten bauen oder spätestens auf dem Zettel ein "lies mich nicht!" vermerken.)

    Was das Präsentieren fremder Inhalte als die eigenen angeht, sind wir uns vollkommen einig. Vgl. auch meinen Hinweis im Newsfeed heute. Ich unterstelle Thomas Burg da nicht mal Vorsatz, aber durch Fahrlässigkeit/Faulheit entsteht hier praktisch der gleiche Schaden.

    Martin Röll am 08.01.03 15:22 #
     

    Hilfe!!!

    Ich hasse es, Diskussionen in zwei Blogs gleichzeitig zu führen und dann noch erleben zu müssen, dass ein Kommentar entsteht, während ich gerade meinen verfasse. Hast mich überholt ;-)

    Was den "Wert" betrifft: Einträge in vielen Weblog sind nun mal weniger kommerzieller Natur. Der "Wert" ist dann relevant, wenn ich verlinke: Man verlinkt doch in der Regel auf wertvolle Informationen, seltener auf Junk. Das Verwerten und Verlinken sind eben nicht immer zweierlei. Das Verlinken bedeutet Bequemlichkeit für den Leser, aber der verlinkte Inhalt auch einen Mehrwert für den Linkenden (stell Dir den Schockwellenreiter ohne Links vor ... und ich habe hier bewusst ein nichtkommerzielles Beispiel ohne Werbepartnerschaften etc. genommen).

    IMO profitieren Leser und Linkender viel mehr von einem Link als der Verlinkte (im Regelfall). Was die Frage nach der Sichtweise betrifft: Deeplinks sind grundsätzlich okay außer... oder Deeplinks sollte man immer erst mal überdenken. Das ist ja nicht sehr weit auseinander. Mir ging es darum, dass man erst nachdenken und dann linken sollte. Nichts anderes. Dass es zumeist keine Probleme gibt ist klar. Aber gerade deshalb ist es imo gefährlich zu sagen: das ist erst mal okay, es sei denn....

    Aber generell glaube ich, dass wir wirklich ganz ähnliche Ansichten haben. Wir starten jetzt eine Initiative, dass man bei manuellem Verlinken ebenfalls die robots.txt beachten sollte *g* Jetzt muss ich mich aber mal wieder der Diskussion im HIRSCHgarden widmen :-)
    (Geht nicht, der radio.weblogs.com-Server wird gerade geslashdoted - gebt zu: wer hat den Link wo gesetzt?)
    LG
    Markus

    Markus Stolpmann am 08.01.03 15:35 #
     

    vgl. hier.

    Simon am 09.01.03 00:13 #
     

    LOL, Markus, ich habe mich gefragt was die Abbildung da macht und wieso mir die bekannt vorkommt. Wenn Du sie genau so irgendwo einbauen würdest hätte ich nicht mal etwas dagegen.

    Übrigens, wie schon Martin bemerkte, verwischst Du ein wenig die Grenze zwischen Verlinken und Contentklau, selbstverständlich ist es völlig "unethisch" ein Bild oder Deine Checkliste als eigenen Content auszugeben. Das ist aber etwas anderes als "Gejammer" über entgangene Werbeeinnahmen wg.angeblich bösen "Deep Linking".
    Wer irgendwem Inhalte exklusiv anbieten will muß sich halt um technischen Schutz (Anmeldungen, Referrer-Abfragen) bemühen, öffentlich ist aber öffentlich.

    BTW, "Deep Linking" gibt es sowieso von der Theorie her nicht, da ja jedes Dokument technisch gleichberechtigt ist und URIs erfunden wurden um jedes Dokument eindeutig zu identifizieren ist es ein wenig pervers "Haus-Metaphern" von "Eingang" und "Ausgang" aus dem "Meatspace" mit Gewalt dem Hypertextmedium aufzupfropfen, das gibt es auch erst seit die "Marketing-Gurus" aus der Fleischwelt sich plötzlich ungefragt in unserem schönen Cyberspace breit machen ;-)

    ralle am 09.01.03 07:44 #
     

    @ralle:
    "Deep Linking" gibt es sowieso von der Theorie her nicht, da ja jedes Dokument technisch gleichberechtigt ist

    Vielleicht ist genau das die zentrale Frage. Wir sprechen doch von "Homepages" (die würden der Haustüre entsprechen) und "Unterseiten". Deeplinks sind ein wenig wie Beamen bei Enterprise. Und Beispiele wie GMX zeigen ja, dass es technisch auch kein Problem sein muss, zu unterscheiden und Deeplinks zu unterbinden oder speziell zu behandeln.

    Ich gebe Dir recht, dass die Diskussion ein wenig abgeglitten ist. Ich meinte ursprünglich ja auch nur, dass der Anbieter eine Möglichkeit braucht, ohne gigantischen technischen oder organisatorischen Aufwand eine bestimmte Verlinkung als unerwünscht zu kennzeichnen und dass es fair wäre, das dann auch zu akzeptieren.

    Ich will auch nicht das Geschäftsmodell von spargeraete.de verteidigen sondern denke auch an einen Schüler oder Studenten, der eine umfangreiche Flash-Animation auf seinem billigen Webspace hat und der dann plötzlich für den Traffic zusätzlich zur Kasse gebeten wird. Oder einen Fall, bei dem jemand feststellen muss, dass sich jemand an seinem Inhalt bereichert oder ihn schädigt durch gezieltes Setzen eines Links.

    Meine Überzeugung ist nur, dass jemand möglicherweise gerne Informationen bereitstellt, aber vielleicht gar nicht absehen kann, was dann daraus irgendwann mal erwachsen kann. Deshalb muss imo der Verlinkende reflektieren und nicht in erster Linie der Verlinkte. Es gibt aber offenbar viele, die meinen, dass alles was technisch möglich auch automatisch legitim ist ("The web is for sharing - we share!") - und diese fordernde Sichtweise bezweifele ich. Aber vielleicht sind wir ja wirklich eine Gemeinschaft von Fordernden, die sich demnächst wundert, wenn mancher einfach bestimmte Inhalte gar nicht mehr öffentlich bereitstellt? (Siehe auch diverse Diaries im Web, die nur noch auf Einladung erreichbar sind, oder die zunehmende Diskussion über das Bezahl-Web.)

    Viele Grüße
    Markus

    Markus Stolpmann am 09.01.03 15:47 #