5. Januar 2003

[ Wissensmanagement ]

Musik und Community-Building

Olaf Brugman, der die SIG "Knowledge Management in NGOs" leitet, hat ein Weblog gestartet. Und es geht gleich hochinteressant los:

"Could music add to the sense and strength of communities? This is a crazy idea and totally in foetal status. But music is about emotional intelligence, passion and personality. (...)

It could add emotions to the community. What if an NGO member was partnering with a private profit-oriented company in a project, and both directors found out they both share a passion for the voice of Elis Regina, the all-time queen of Brazilian bossa nova? I am sure that if they knew about each other, their cooperation will take off fast....and if not, at least the ambiance between them would be great (...)."


Olaf hört die gleiche Musik wie ich. Ob das der Grund ist, warum wir uns heute Abend im Gespräch über ICQ so gut verstanden haben? :-)
(Ein sehr schönes Album von Astrud Gilberto gibt es übrigens bei Amazon zum günstigen Preis.)

Es ist sicher nicht so einfach, nur die Beigeisterung für eine bestimmte Musik zu teilen und schon läuft die Zusammenarbeit. Aber um eine neue Arbeitsbeziehung aufzubauen ist es enorm hilfreich, wenn nicht sogar erforderlich, mehr über den Gegenüber zu erfahren als seinen Namen, seine Ausbildung und Skill-Levels.

Persönliches, wie eben der Musikgeschmack, schafft Tiefe. Im Gespräch über nicht-berufliche Dinge, für die man eine Passion hat, kann man den anderen kennen- und einschätzen lernen. Und das hilft, Vertrauen aufzubauen.

Nicht umsonst werden neu zusammengesetzte Team oft als erstes irgendwo in die Wildnis geschickt, bevor sie mit der richtigen Arbeit beginnen: Es ist wichtig, sich kennenzulernen, etwas über die Charakter der anderen zu erfahren, bevor der Stress und der Druck der Organisation kommen. Wenn ich gelernt habe, dass der andere wirklich ein Mensch ist, der auch bei Gilbertos Stimme ans Träumen gerät, ist es leichter, später Spannungen nicht eskalieren zu lassen.

Wie setzt man das jetzt um? Im einfachsten Fall wohl als Feature in Expertendatenbanken oder Adressverzeichnissen in Firmen - schon jetzt können sich Mitarbeiter oft "persönliche Homepages" im Firmen-Intranet einrichten.

Und natürlich: In Weblogs. Welche bessere Möglichkeit gibt es, sich gleichzeitig fachlich auszutauschen und etwas über die Person des Gegenübers zu erfahren? Für mich selbst waren es ganz bemerkenswerte Erfahrungen, Blogger zu treffen und zu sehen, wie schnell man sich wirklich tief und gut unterhalten kann - so, als würde man sich schon lange kennen. Woran das genau liegt, können wir ein andermal genauer analysieren. Für heute soll es damit genug sein, dass in der "Voice", der Sprache, des Stils, dass zwischen den Zeilen viel mehr transportiert wird, als Textinhalt. Und das scheint ganz hilfreich zu sein, oder?
(Das ist ein wichtiges Argument in der "Weblogs vs. Nachrichtenticker"-Diskussion)

Trackbacks sind Links von anderen Weblogs auf diesen Eintrag.  

Das ist auch genau der Grund wieso ich nicht nur Sachbuecher aber auch Literatur etc. die ich lese in meinem Blog erwaehne. Hintergrund Info wie Musikgeschmack, oder Lesestoff traegt dazu bei schneller zum gegenseitigen Vertrauen zu kommen. Eine gute Zusammenarbeit ist bei vorhandenem Vertrauen leichter zu erreichen. Ich wuerde also Vertrauensbildung hier Zentral stellen, wobei Infoaustausch ueber Musik und so die praktischen Aeusserungen sind.

MfG

Ton

Ton Zijlstra am 06.01.03 12:05 #
 

Im Zusammenhang mit dem Artikel fiel mir gleich wieder FOAF ein. FOAF heisst Fried-of-a-Friend und ist ein RDF Format zur Beschreibung seiner eigenen Daten wie Homepage, Email usw. und eben auch der Freunde, die man hat oder kennt.
FOAF Homepage im RDFweb.


Und da FOAF ein erweiterbares Format ist, lassen sich damit auch prima Musikgeschmack und ähnliches einbinden.

Siegfried Hirsch am 06.01.03 14:39 #