2. Dezember 2002

[ Blogging ]

Weblog-Event akademisch?

Markus Stolpmann - Weblogs, Weblog-Events und die (potenziellen) Nutzer....

Thomas N. Burg von der Donau-Universität in Krems plant ein Weblog-Event. Prinzipiell eine gute Idee und ich habe auch meine Unterstützung angeboten und Input geliefert - das war Anfang September. Seitdem schleppt sich die Planung so dahin, Termine werden immer wieder verschoben und immer mehr wird deutlich, dass von der ursprünglichen Idee, verschiedene Gruppen (Blogger, interessierte Unternehmen, Akademiker, ...) an einen Tisch zu bekommen und einen Erfahrungsaustausch zu initiieren (Zitat: Wichtig ist mir neben der Weblog-Szene v.a. die anzusprechen, die noch ahnungslos sind. Die, die aber zukünftig Nutzen aus dem Phänomen Weblog ziehen könnten.), nicht viel übrig bleibt. Das Blog zum Event jedenfalls ist faktisch tot und nur der Initiator äußert dort seine Planungen bzgl. RfPs, CfPs, Panels und Keynotes --- alles wird immer mehr zu einer rein akademischen Konferenz, der Gedankenaustausch gerät in den Hintergrund. Mittlerweile hat er die Konferenzsprache zudem auf Englisch festgelegt...

Auch ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist, die Konferenz auf Englisch abzuhalten.

Thomas Burg schreibt zwar, dass es eine "europäische Veranstaltung" werden soll, aber dafür den Teilnehmern die Sprache vorzuschreiben? Das klingt wirklich sehr nach einer akademischen Konferenz.

Und ich sehe ein weiteres Problem: Wie groß ist die Schnittmenge der Leute, die wissen, was ein Weblog ist und der, die wissen, was ein RfP ist? Ich fürchte nicht besonders groß. Damit schrumpft die Zahl der potentiellen interessanten aktiven Teilnehmer ziemlich zusammen. Blogging ist als "Grassroots"-Phänomen gestartet und deshalb müssen die Konferenzen auch "von unten" mitorganisiert und bevölkert werden. Ich habe viel lieber eine unwissenschaftliche Veranstaltung mit vielen Teilnehmern verschiedener Hintergründe als eine theoretische wissenschaftliche Konferenz. Für wissenschaftliche oder Business-Gespräche über geschäftliche Anwendungen von Weblogs und Zukunftsvisionen bleibt immer genug Platz!

Und ganz ehrlich: Was theoretisch alles mit Weblogs möglich ist, können wir uns schon heute ziemlich genau ausmalen, Thomas Burg hat das selbst schon recht eindrucksvoll in Microcontent Management Systeme - Weblogs als Business Anwendung getan. Aber was hilft es, wenn "wir" Weblog-Schreiber und Leser ein immer besseres Verständnis der Blogosphere bekommen während die Welt da draußen nichts mitkriegt?

Schon jetzt ist die Blog-Community manchmal ziemlich abgekoppelt von den "Weblog-Unwissenden". Auf der KM Europe haben David Gurteen, Andrea Janßen und ich darüber diskutiert und festgestellt, dass es wirklich merkwürdig ist, wie die Fachcommunity über alle möglichen Formen von Wissensmanagement diskutiert, aber vom Weblog noch kaum Notiz genommen hat. Von den vielen Selbstständigen, die Markus Stoplmann in seinem Artikel anspricht noch gar nicht zu reden! Daran müssen wir etwas ändern! Wir brauchen mehr Leute die Bloggen und Blogs lesen! Oder, etwas abstrakter: Wir brauchen Breite im Moment dringender als Tiefe (die kommt ganz von selbst im Netz zu Stande, auch ohne Weblog-Event).

Ich glaube, dass der Weblog-Event wirklich toll werden kann. Aber dann muss er mehr sein als eine akademische Veranstaltung. Im Moment fürchte ich, dass die Entwicklung in die falsche Richtung läuft.

Martin Röll um 11:38 | permalink | 1 Kommentare | 0 Trackbacks | Eintrag versenden
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Schon jetzt ist die Blog-Community manchmal ziemlich abgekoppelt von den "Weblog-Unwissenden".

Das "Problem" von Weblogs besteht einfach darin, dass man schreiben wollen muß.

Mir scheint, dass dieser Aspekt weitgehend unbeachtet bleibt in der ganzen Diskussion um Blogs. Klar, denn bisher diskutieren ja meist nur Blogger untereinander. Und die haben ja dieses Problem offensichtlich nicht.

Diese Hemmung, sich schriftlich vor (einem potentiell großen) Publikum zu Äussern, scheint weiter verbreitet, als allgemein wahrgenommen. (Dabei brauchten wir uns ja nur anzusehen, wer unsere Kommentar-Funktion nutzt: Wenn überhaupt, dann meist ein anderer Blogger.)

Gründe für diese "Angst" gibt es viele. Und wer mal in einem Großkonzern gearbeitet hat, kann das auch nachvollziehen. Es ist verdammt schwierig und sogar oft ziemlich gefährlich, sich "hinauszulehnen". Und mit einem Blog(-beitrag) lehnt man sich hinaus, soviel steht mal fest.

wojo am 05.12.02 12:00 #
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