20. November 2002

[ Geschichten ]

Höflichkeit.

Da besucht mich gestern so ein Mensch, der für die GfK Umfragen macht. Vor ein paar Tagen war er schon einmal da gewesen. Nun also die zweite Umfrage. Noch im Flur beginnt er, offenbar duch mein "Kommen sie rein" angeregt, über das Duzen und Siezen zu philosophieren.

Im Büro angekommen ist er noch lange nicht fertig.

Meinen skeptischen Gesichtsaudruck ignorierend fährt er fort, dass er eigentlich niemanden, der nicht gerade in einer hierarchischen Weisungsbefugnis zu ihm steht, siezen würde. Er redet und redet und argumentiert fort. Begriffe wie "komisch", "merkwürdig" und "kompliziert" fallen. Sein Gesicht drückt seine Abneigung gegen diese so "sinnlose" Sache aus. Er erläutert die Schwierigkeiten, die Fragen der Befragung umformulieren zu müssen, da diese ja "in Sie" gestellt seien.

Irgendwann ist er fertig, schaut mich endlich wieder an, macht eine kurze Pause, um mir dann sein "Du" ins Gesicht zu werfen. Ich weiche aus, frickle an einem Kabel herum und besorge Strom für sein Notebook: "Bleiben Sie ruhig sitzen." Er ignoriert es. Ich bin jetzt "Du". Mit Mühe formuliert er jede einzelne Frage um und ich erzähle ihm Dinge über die Telekom, Internetprovider, Medien und Abflussreiniger. Nach viel zu langer Zeit ist er endlich weg.

"Namen sind Schall und Rauch". Aber ich werde gerne vorher gefragt.

 

:)
Wie geht man wirklich mit so jemandem um? Mein erster Impuls war "den hätt' ich rausgeschmissen". Aber natürlich hätte ich das auch nicht.

Aber man sollte es tun. Eigentlich.

wojo am 20.11.02 06:46 #
 

Weiter beharrlich siezen. Irgendwann mal die Frage stellen, wann man zuletzt gemeinsam Kühe gehütet hätte. Ist zwar altmodisch, hilft aber ungemein.

Hinweis, off topic: In meinem Browser läuft das eBiz Weblog seit einigen Tagen unheimlich breit, so daß ich auf meinem 1024 x 768 Notebook selbst bei voller Browserfenstergröße noch hin und her scrollen muß, um das alles zu lesen.

WorldWideKlein am 20.11.02 12:40 #