9. November 2002

[ Internet ]

McKinsey sperrt die Konkurrenz aus

... davon berichtet Anders Jacobsen.

Die ach so wertvollen Beiträge des McKinsey Quarterly ("a print publication featuring McKinsey & Company's latest thinking on business strategy, technology, finance, and management" die ich auch ganz gerne lese) sollen natürlich nicht von der bösen Konkurrenz gelesen werden. Deshalb filtert man Zugriffe von Konkurrenz-IP-Adressen und serviert den Wissbegierigen Blutsaugern eine Access Denied-Seite: "We're sorry but this area of the McKinsey Quarterly Web site is no longer available to competitors of McKinsey & Company. You are welcome to visit McKinsey's public site." heißt es da. Nett.

Dass man mit einem Proxy wie z.B. anonymizer.com spielend leicht drumrum kommt, dass sich jeder, der mag - ob Konkurrent oder nicht - von "privat" die Inhalte ziehen kann, ja dass gar nicht sinnvoll feststellbar ist, wer überhaupt competitor ist und wer nicht, scheint den McKinseys nicht so klar zu sein.

"McKinsey & Company is a management consulting firm advising the top management of leading companies and institutions on issues of strategy, organization, technology, and operations."
Roell.Net is a consulting firm advising the top management of leading consultancy companies (and even other people) on issues to do with the Internet. ;-)
 

Ich denke, dass McKinsey durchaus weiß, daß man derartige IP-Blockaden umgehen kann.

Worum es geht, ist doch nicht, den Zugang unmöglich zu machen (das geht eh nicht, denn im Zweifel kann jeder die Print-Publikation als Privatmensch abonnieren oder einfach in der Bibliothek ausleihen). Worum es geht, ist es, den Konkurrenten das Recherchieren zumindest so umständlich wie möglich zu machen.

Und glaub es oder glaub es nicht, von der Funktionsweise und dem Nutzen von Diensten wie anonymizer.com haben >95% der Internet-Nutzer keinen Schimmer.

Alle McKinsey-Leute, die ich kenne, gehören so mit zu den cleversten Menschen, die mir untergekommen sind.

Ist ja immer einfach, anderen Dummheit vorzuwerfen, wenn man deren echte Ziele und Beweggründe nicht kennt. ;-)

Stefan Smalla am 09.11.02 18:48 #
 

Ich bin nicht überzeugt. IMO enden solche Aktionen immer mit einer Nullsumme:

A sperrt seine Website für B, B legt sich im Intranet einen Link zu A über einen Proxy, A merkt's und sperrt auch den aus, B sucht sich einen neuen Proxy... (derweil sperrt ein übereifriger Admin bei B die Website für A...)

Am Ende haben wir reichlich kindische "Mini-Info-Warfare", bei der nur ein paar Admins Mehrarbeit haben (und ein paar clueless consultants auf eine Infoquelle verzichten - um die ist es aber nicht schade).

Martin Roell am 10.11.02 03:55 #
 

Da ist meine Erfahrung komplett anders. Wenn Du mal schaust, wie die McKinsey-Konkurrenz organisiert ist, dann sitzen die alle in verstreuten Büros mit dezentraler Infrastruktur. D.h., eine zentrale Proxy-Anpassung ist unwahrscheinlich. Und zweitens, noch viel wichtiger, ist, daß kaum ein BCG-Consultant zu seinem Admin rennen wird, um zu beauftragen "Der McKinsey Quarterly muß für mich erreichbar sein." Alles viel zu aufwendig. Ein paar werden's machen, aber wenige.

Also, Ziel erreicht für McKinsey: Konkurrenz-Zugriff zumindest eingeschränkt mit doch recht simplen Mitteln (denn McKinsey kann ja zentral den Zugriff blocken).

Na ja, aber vor allem geht's mir darum: "McKinsey hat das Internet nicht verstanden" kann ich halt absolut null zustimmen.

Stefan Smalla am 10.11.02 05:50 #
 

Lass mir doch die schöne Headline... ;-) Nein, im Ernst: I get your point. Danke!

Die Aktion gefällt mir dennoch nicht, weil sie davon ausgeht, dass die Konkurrenz zu träge oder zu doof ist, die Barriere zu umgehen (bzw. die Inhalte dann doch nicht wichtig genug sind, um Aufwand zu treiben?). Und das ist eigentlich kein schönes Konkurrenz-Bild.

Abgesehen davon könnte ich mir auch vorstellen, dass der McK-Q dadurch einige seiner besten Kunden unzufrieden macht. Ob der vermeintliche Wettbewerbsvorteil "die Konkurrenz hat weniger von unseren Texten zur Verfügung" den Verlust der Leser, der Reichweite, des Imageeffekts,... aufwiegt?

Martin Roell am 10.11.02 11:31 #
 

Hehehe, OK. :-)

Stefan Smalla am 10.11.02 13:15 #