Eine Frau vor einem Klingelbrett

Untitled (Gleichheit)

Das Bild zeigt ein wichtiges Ordnungsprinzip: Gleichheit.

Gleichheit ist das Nicht-Vorhandensein von Unterschieden. Auf diesem Klingelbrett in der Ackermannstraße in Dresden sind alle Klingeln gleich. Die Namen sind alle in der gleichen Schriftart geschrieben. Auch die Schriftgröße ist weitestgehend gleich; nur besonders lange Namen haben eine andere, kleinere Schrift, damit sie noch auf das Schild passen.

Wenn lauter gleiche Menschen in dem Haus leben würden, wäre das kein Problem. Man müsste nur eine Klingel, irgendeine! drücken und würde reingelassen werden.

Leider sind die Menschen in diesem Haus überhaupt nicht gleich. Sie sind sogar alle unterschiedlich. Das macht es komplizierter. Man muss nämlich genau die eine Klingel derjenigen Person finden, zu der man will.

Gleichheit kann ziemlich nützlich sein. Manchmal, und viel öfter als wir das denken, ist sie aber völlig überflüssig und sogar schädlich. Wie hier. Sie nutzt niemandem, außer einem Klingelbrettdesigner, der wahrscheinlich längst tot ist.

Es wäre so einfach.
Günters Lieblingsfarbe ist blau. Wenn er ein blaues Klingelschild hätte, könnten seine Besucher es sofort zwischen den anderen entdecken. Familie Erna könnte eine Blume auf ihr Schild malen, weil die Kinder Blumen mögen. "Müller" könnte seinen Vornamen (er heißt "Miroslaw-Maximilian") mit auf das Schild schreiben (man identifiziert ihn eh mehr über seinen Vor- als seinen Nachnamen).

Bauen wir eine bessere Welt und fangen wir mit den Klingelbrettern an.

8. März 2004.

Veröffentlicht am 10.03.04.